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Mittwoch, 09.08.2017

„Wir brauchen uns hier keine Saurier hinstellen“

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Ein Sonderzug der Waldeisenbahn Muskau auf der Fahrt durch das Waldgebiet um Weißwasser in Richtung des Halbendorfer Wechsels.
Ein Sonderzug der Waldeisenbahn Muskau auf der Fahrt durch das Waldgebiet um Weißwasser in Richtung des Halbendorfer Wechsels.

© Rolf Ullmann

  • Ein Sonderzug der Waldeisenbahn Muskau auf der Fahrt durch das Waldgebiet um Weißwasser in Richtung des Halbendorfer Wechsels.
    Ein Sonderzug der Waldeisenbahn Muskau auf der Fahrt durch das Waldgebiet um Weißwasser in Richtung des Halbendorfer Wechsels.
  • Heiko Lichnok ist Geschäftsführer der Waldeisenbahn und organsiert dort beispielsweise Sonderfahrten und Tagesprogramme.
    Heiko Lichnok ist Geschäftsführer der Waldeisenbahn und organsiert dort beispielsweise Sonderfahrten und Tagesprogramme.

Bad Muskau. Noch läuft die Saison bei der Muskauer Waldeisenbahn. Geschäftsführer Heiko Lichnok zieht bereits ein positives Fazit.

Herr Lichnok, in knapp zwei Monaten, im Oktober, endet die Saison für die Muskauer Waldeisenbahn. Können Sie schon ein Fazit ziehen?

Kann ich. Wir sind mit den Besucherzahlen sehr zufrieden. Bisher haben wir rund 35 000 Fahrgäste registriert, das sind etwa 6 000 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres. Das deutet darauf hin, dass wir sicher unsere Bestmarke von 2016, da hatten wir 45 000 Fahrgäste, vorausichtlich übertreffen werden.

Das klingt doch hervorragend.

Oh ja, wir alle hier sind hochzufrieden.

Die Streckenlänge ist vor Beginn dieser Saison auf nun elf Kilometer verlängert worden, man kann nun auch zum Tagebaugelände Nochten, zum Aussichtsturm Schwerer Berg, fahren…

Ja, diese Sonderfahrten dorthin kommen richtig gut an. Die sind der Renner, sind zumeist ausverkauft. Wir fahren jeden dritten Tag zum Schweren Berg.

Was macht die Faszination dieser Sonderfahrten aus, was haben Sie von den Fahrgästen erfahren?

Es ist die neue Fahrstrecke, die durch eine andere Umgebung geht, die lockt an und natürlich ist es dieser tolle Ausblick, den man auf das Tagebaugelände hat.

Und noch was Besonderes bieten Sie in diesem Jahr erstmals an: den Trauwaggon. Dort können sich Heiratswillige das Ja-Wort geben. Wie viele haben sich denn in diesem besonderen Zug-Ambiente trauen lassen?

Zwei Paare waren es. Das ist nicht viel. Aber es braucht auch eine Weile, bis sich diese Geschichte herumgesprochen hat. Für uns ist das auf jeden Fall eine Möglichkeit, den Bekanntheitsgrad der Waldeisenbahn perspektivisch noch weiter zu vergrößern.

Woher kommen die Fahrgäste überhaupt?

Die Struktur hat sich im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte verändert. Anfangs, zu Beginn der 90er Jahre, waren es vor allem Einheimische und Schulklassen, die mit uns gefahren sind. Mittlerweile sind es vor allem Touristen aus dem gesamten Bundesgebiet, die mit unserer kleinen Bahn die Gegend erkunden. Auch viele Tschechen und Polen fahren mit. Und dann haben wir festgestellt, dass etliche Asiaten, die unsere Region besuchen, auch die Waldeisenbahn auf ihrer To-Do-Liste haben. Mein Eindruck ist, dass durch diverse Filmberichte die Rakotzbrücke und die Waldeisenbahn in Fernost, zumindest, in Japan, recht bekannt ist.

Wann bekommt man eigentlich ein Gespür, wie gut oder weniger gut eine Saison bei der Waldeisenbahn wird?

In der Regel wissen wir das kurz nach Pfingsten. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir meist immer schon die Hälfte aller saisonalen Fahrgäste. Und wie bereits eingangs erwähnt, hatten wir in diesem Jahr nach Pfingsten den Eindruck, dass wir unser bestes Besucherergebnis aus dem vergangenen Jahr möglicherweise toppen können.

Wie geht es perspektivisch bei der Waldeisenbahn weiter, was gibt es Neues für die nächste Saison?

Der Aufbau der Museumsbahn ist jetzt abgeschlossen. Es war ja auch ein langer Weg, der 1985 begonnen hat. Nun gilt es für uns, das Ganze zu verstetigen. Die Waldeisenbahn hat sicher mit dazu beigetragen, dass sich die Region von einer Bergbau- zu einer Touristenattraktion gewandelt hat. Wir haben etliches an Sehenswürdigkeiten zu bieten, was man auf der Fahrt mit der Waldeisenbahn gut erleben kann. Der Blick auf den Muskauer Faltenbogen, die historischen Parkanlagen, das ist schon Großes, da müssen wir uns nicht erst Saurier ins Gelände stellen, um die Leute hierher zu locken.

Eine Begeisterung, die Sie sicher selbst gelegentlich mitbekommen, oder?

Selbstverständlich, ich fahre ja mit unseren Loks. Am Wochenende hatten wir wieder einmal so eine Fahrt, an deren Ende uns die Besucher für einen gelungenen Ausflug gedankt haben.

So ein positives Feedback tut sicher gut?

Oh ja, das gibt Kraft und man weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Das Interview führte Rainer Könen.