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Dienstag, 25.12.2012

„Wir brauchen die Besten der Besten“

Zwei junge ausländische Doktoranden hatten bei der Gagfah beinahe keine Wohnung bekommen. Dabei benötigt Dresden die Spitzenforscher, wie TU-Professor Michael Brand deutlich macht.

Von Michael Brand

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Krysztof Szczepaniak (l.) und Stefano Suzzi scheiterten fast an der Gagfah, als sie die Wohnung von Vormieterin Alexandra Bürger übernehmen wollten – anscheinend, weil sie Ausländer sind. Foto: Oberthür
Krysztof Szczepaniak (l.) und Stefano Suzzi scheiterten fast an der Gagfah, als sie die Wohnung von Vormieterin Alexandra Bürger übernehmen wollten – anscheinend, weil sie Ausländer sind. Foto: Oberthür
  • Krysztof Szczepaniak (l.) und Stefano Suzzi scheiterten fast an der Gagfah, als sie die Wohnung von Vormieterin Alexandra Bürger übernehmen wollten – anscheinend, weil sie Ausländer sind. Foto: Oberthür
    Krysztof Szczepaniak (l.) und Stefano Suzzi scheiterten fast an der Gagfah, als sie die Wohnung von Vormieterin Alexandra Bürger übernehmen wollten – anscheinend, weil sie Ausländer sind. Foto: Oberthür
  •  Nach SZ-Berichten hat der Großkonzern seine Praxis jetzt geändert.
    Nach SZ-Berichten hat der Großkonzern seine Praxis jetzt geändert.
  • Unser Autor: Michael Brand, geboren 1961, hat Biologie unter anderem in Marburg, Köln und Cambridge studiert und in Tübingen, Heidelberg und Dresden geforscht. Seit 2003 ist er Inhaber eines Lehrstuhls an der Technischen Universität Dresden und leitet seit 2005 das Biotechnologische Zentrum sowie seit 2006 das Zentrum für Regenerative Therapien (CRTD) in der Johannstadt.  Foto: CRTD
    Unser Autor: Michael Brand, geboren 1961, hat Biologie unter anderem in Marburg, Köln und Cambridge studiert und in Tübingen, Heidelberg und Dresden geforscht. Seit 2003 ist er Inhaber eines Lehrstuhls an der Technischen Universität Dresden und leitet seit 2005 das Biotechnologische Zentrum sowie seit 2006 das Zentrum für Regenerative Therapien (CRTD) in der Johannstadt. Foto: CRTD

Zwei ausländische Wissenschaftler hat die Mitarbeiterin eines großen Wohnungskonzerns aufgrund ihrer Herkunft als Mieter im Dresdner Stadtteil Johannstadt abgelehnt. So haben es die beiden jungen Forscher verstanden. Die Mitarbeiterin spricht kaum Englisch. Ein Verständigungsproblem also, das zu einem fatalen Eindruck führt und so von der Presse aufgegriffen wird. Für die internationale Forschergemeinde in Dresden ist das nicht hinnehmbar, beschädigt unsere langjährigen Anstrengungen, uns innerhalb kürzester Zeit an der Weltspitze zu etablieren und ist wahrlich keine positive Werbung.

Wir brauchen die Besten der Besten als Forscher, Studierende und Kollegen an Dresdens Technischer Universität, den Hochschulen und den zahlreichen Forschungsinstituten. Die allerbesten Wissenschaftler kommen aus aller Welt nach Dresden, da Spitzenforschung nur international sein kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit, dafür müssen die Lebens- und Forschungsbedingungen besonders attraktiv sein, denn Dresden steht hier in Konkurrenz zu den weltbesten Universitäten. Daran arbeiten wir seit Jahren mit vereinten Kräften im Wissenschaftsnetzwerk gemeinsam mit der Stadt Dresden und dem Land Sachsen. Das neu geschaffene Welcome Center der TU Dresden und der Stadt, das 2013 mitten im Stadtzentrum zu finden sein wird, ist nur eines der sichtbaren Angebote, internationale Wissenschaftler und Promovierende zu begleiten, die für ein paar Jahre in Dresden arbeiten und leben werden.

260 Mitarbeiter aus 35 Nationen

Vor allem die dynamisch wachsenden Institute der biologischen und biomedizinischen Forschung, die sich im Dresdner Stadtteil Johannstadt in der Nähe des Universitätsklinikums befinden, haben eine besonders große internationale Wissenschaftsgemeinde. So forschen, lehren und arbeiten beispielsweise derzeit am Zentrum für Regenerative Therapien (CRTD) mehr als 260 Mitarbeiter aus 35 verschiedenen Nationen; 40 Prozent der Mitarbeiter stammen nicht aus Deutschland. Die jungen Talente aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen öffnen mit ihrem Wissen und ihren Ideen neue Türen für die Zukunft - in Dresden und für Dresden. Sie leben zumeist im Umkreis der Institute, oft mit ihren Familien, zahlen hier Miete und Steuern, kaufen ein, schicken ihre Kinder in Kindergärten und Schulen, besuchen Konzerte oder treffen sich in der Neustadt.

Wir haben Hunderte hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen, nicht nur in der Grundlagenforschung, sondern ebenso in ausgegründeten Firmen der Biotechnologie. Auch mithilfe dieser beiden Doktoranden arbeiten wir an völlig neuartigen Therapieverfahren, die zum Beispiel Erkrankungen des Nervensystems, wie die Parkinson’sche Erkrankung oder Diabetes, künftig heilen sollen. Das ist für unser aller Gesundheit bedeutsam und erfolgt dazu noch mit einer für den Standort relevanten Hochtechnologie. Die Wertschöpfungskette des internationalen Wissens ist eng mit dem Wohl Dresdens und dem Stadtteil Johannstadt verknüpft. Die internationalen Wissenschaftler schließen langjährige Kontakte in der Stadt und gehen irgendwann wieder hinaus in die Welt – auch als Botschafter Dresdens.

Die beiden Doktoranden aus Italien und Polen haben sich mit ihren Bewerbungen an der Internationalen Doktorandenschule DIGS-BB der TU Dresden, gefördert in der Exzellenzinitiative, unter Hunderten von Bewerbern durchgesetzt. Sie sind die Besten der besten Nachwuchswissenschaftler. Um sie haben sich auch andere international berühmte Universitäten bemüht, aber sie haben sich sehr bewusst für Dresden entschieden. Nur: Hier fühlten sie sich erst einmal alles andere als willkommen–das können wir eigentlich besser in Dresden.

Der Wohnungskonzern gelobt Besserung, will den Service verbessern und künftig Mitarbeiter im Umgang mit ausländischen Mitarbeitern schulen, damit niemand mehr sprachlos bleibt. Wir werden das sehr genau beobachten, im Gespräch bleiben, denn eine Willkommenskultur in einem attraktiven Umfeld können wir nur schaffen, indem wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Und davon hängt unsere erfolgreiche Zukunft in Dresden ab.

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