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Freitag, 22.12.2017

„Wir bekommen hoffentlich alle satt“

Tafel-Chef Frank Grübe über die Weihnachtszeit bei der Lebensmittelausgabe für Bedürftige

Von Thomas Mielke

Angelika Botkova und Frank Grübe von den Oberlausitzer Tafeln packen nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr Lebensmittel-Beutel für Bedürftige in Zittau, Löbau, dem Oberland und Niesky.
Angelika Botkova und Frank Grübe von den Oberlausitzer Tafeln packen nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr Lebensmittel-Beutel für Bedürftige in Zittau, Löbau, dem Oberland und Niesky.

© Rafael Sampedro

Rund 9 000 Bedürftige versorgen die Oberlausitzer Tafeln in Zittau, Löbau, dem Oberland und Niesky Woche für Woche, Monat für Monat. Wie der gemeinnützige Verein, der seinen Sitz in Zittau hat, den Ärmsten in der Gesellschaft besonders in der Weihnachtszeit hilft, hat der Vorstandsvorsitzende Frank Grübe der SZ erzählt:

Herr Grübe, bekommen Sie zu Weihnachten alle Bedürftigen satt?

Das ist der große Wunsch und ich hoffe, wir schaffen das. Wir sind dabei natürlich abhängig von den Spendern. Wir wissen früh noch nicht, was wir nachmittags zur Verfügung haben. Aber unser Ziel ist es, dass jeder Kunde Lebensmittel erhält.

Reicht das Spendenaufkommen in der Regel aus?

Das Spendenaufkommen ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Die Märkte kalkulieren anders. Es ist natürlich ihr gutes Recht zu sagen: Wir verkaufen Waren mit einem fortgeschrittenen Haltbarkeitsdatum zu einem speziellen Preis. Aber wir merken das deutlich und sind immer stärker auf die Spenden an den Landesverband der Tafeln angewiesen, die er bekommt und an uns ausreicht. Wir versuchen trotzdem, eine breite Lebensmittel-Palette anzubieten. Aber immer funktioniert das nicht. Mal haben wir mehr Backwaren, mal mehr Molkereiprodukte.

Wie viel Prozent Ihres Angebots kommt inzwischen vom Landesverband?

Etwa 40 Prozent, denn bei uns in der östlichen Oberlausitz gibt es kaum große Lebensmittel-Hersteller, sodass wir auf die Märkte angewiesen sind.

Gibt es Weihnachten etwas Besonderes für die Bedürftigen?

Wie gesagt: Wir wissen früh noch nicht, was wir am Nachmittag ausgeben können. Sollten aber noch Süßigkeiten oder Stollen eingegangen sein, werden wir sie zu Weihnachten ausgeben. So unterstützt uns zum Beispiel die Bäckerei Schwerdtner aus Löbau schon viele Jahre mit Stollen für unsere Kinder-Weihnachtsfeiern und auch der Schokoladenhersteller Riegelein aus Oderwitz hat bisher regelmäßig gespendet.

Nehmen Sie auch Spenden von Privatpersonen?

Ja.

Geld- oder Sachspenden?

Beides. Das Spendenkonto ist auf unserer Seite im Internet zu finden. Sachspenden, also Lebensmittel, müssen industriell hergestellt sein. Andere Lebensmittel, wie zum Beispiel Eingekochtes, dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht ausgeben. Übrigens gibt es in diesem Zusammenhang ab und zu ein Missverständnis: Wir kochen nicht für die Bedürftigen. Wir geben nur die Zutaten beziehungsweise Beutel mit Lebensmitteln aus.

Was beinhaltet ein Beutel?

Je nachdem, was wir zur Verfügung haben. Das reicht vom einfachen Joghurt bis zum Lachs.

Was kostet so ein Beutel?

Nichts. Aber wir erbitten dafür Spenden. Für eine Person zwei Euro, für zwei Personen drei Euro ...

Ist die Zahl der Bedürftigen angesichts der besseren Lage auf dem Arbeitsmarkt kleiner geworden?

Ja, was den Bereich ALG II – also die Langzeitarbeitslosen – angeht. Allerdings erreicht uns jetzt das Thema Altersarmut. Viele der Rentner kennen wir schon aus ihrer ALG-II-Zeit. Aber wir sehen auch viele neue Menschen, die mit dem Eintritt ins Rentenalter zu uns kommen. Ich schätze, dass diese Gruppe in den nächsten Jahren der Schwerpunkt der Tafeln wird.

Sind unter den Bedürftigen viele Flüchtlinge und Asylbewerber?

Ja, als das mit den Flüchtlingen 2015 richtig losging. Jetzt liegt der Anteil im einstelligen Prozentbereich. Es ist übrigens gar nicht so einfach, ihnen angesichts ihrer Essgewohnheiten ein gutes Angebot zu machen. So essen beispielsweise Muslime bekanntlich nichts, in dem Schwein verarbeitet worden ist.

Wann geben Sie vor Weihnachten das letzte Mal Lebensmittel aus?

Wie immer, am Sonnabend. Außer in Neusalza-Spremberg, wo wir nur freitags geöffnet haben.