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Donnerstag, 23.11.2017

Windbergbahner brauchen Kohle

Der Heizkessel in der alten Güterabfertigung muss ersetzt werden. Dafür sammelt der Verein jetzt Spendengelder.

Von Annett Heyse

Mario Hobl vom Windbergbahnverein zeigt den alten Gussgliederkessel, der seit Mitte der 1950er-Jahre die Räume der ehemaligen Güterabfertigung heizt. Der Schornsteinfeger drängt auf Ersatz.
Mario Hobl vom Windbergbahnverein zeigt den alten Gussgliederkessel, der seit Mitte der 1950er-Jahre die Räume der ehemaligen Güterabfertigung heizt. Der Schornsteinfeger drängt auf Ersatz.

© Andreas Weihs

Freital. Alt – oder besser gesagt historisch – ist hier alles. Das kleine Stellwerk beispielsweise ist noch so erhalten, wie es Anfang der 1990er-Jahre verlassen wurde – und es war schon damals nicht das modernste. Und erst die Waggons, die auf den Abstellgleisen stehen. „Das ist richtige Eisenbahngeschichte“, sagt Mario Hobl und zeigt auf ein Exemplar, das blassgrün im Sonnenlicht steht. Drin sind Holzsitze, richtige Gepäcknetze, die Lampen werden mit Gas betrieben. „Der fuhr original auf der Windbergbahn, bis der Personenverkehr 1957 eingestellt wurde.“

Auch die Heizanlage ist leider ein Überbleibsel aus der Dampfbahn-Ära. Eines, das dringend erneuert werden muss, sonst sitzt der Windbergbahn-Verein bald im Kalten.

Mario Hobl öffnet die Tür zur alten Güterabfertigung in Dresden-Gittersee, heute Vereinsdomizil der Windbergbahner. Gleich links, hinter einer weiteren Tür, liegt der Heizraum. Man sieht ihm seine Funktion an. Die Wände haben viel Kohlestaub abbekommen. Überall ist Holz gestapelt, in der Ecke steckt ein Beil im Hackklotz. Mittendrin steht, einst silbergrau lackiert, ein riesiger Koloss. „Ein Gussgliederkessel“, erklärt Hobl, fährt mit der Hand über die Oberfläche und wischt etwas Staub ab. Drei Klappen an der Stirnseite dienen fürs Brennmaterial, die Luftzufuhr und den Aschekasten. „Nationalkessel Ideal“ steht auf einer geprägt.

Die Güterabfertigung wurde 1907 errichtet und schrittweise erweitert. Um 1955 erfolgte der letzte Umbau, damals muss auch die Heizanlage installiert worden sein. Seitdem verrichtet der Kessel seinen Dienst. Zuverlässig zwar, aber nicht gerade sehr umweltfreundlich. „Der Schornsteinfeger guckt schon immer ganz kritisch“, gesteht Mario Hobl. Die Abgaswerte würden locker sämtliche Grenzen überschreiten. Deswegen hat die Anlage nur noch bis Ende 2018 Bestandsschutz, dann muss sie demontiert oder zumindest außer Betrieb genommen werden. Allerdings würde der Verein, der in der Güterabfertigung Büro, Versammlungsräume, Sanitäranlagen und Werkstatt unterhält, dann im Kalten sitzen.

Geld für einen neuen Kessel haben die Windbergbahner jedoch nicht. Der Verein hat 53 Mitglieder, darunter ein paar Firmen. Sie kümmern sich um die historischen Fahrzeuge, die Gleisanlage, die Gebäude. Und sie tüfteln an verschiedenen Triebfahrzeugen, um mal wieder auf der Strecke zwischen Dresden-Gittersee und Freital-Potschappel zu rollen. Jedes Jahr veranstalten sie ein Bahnhoffest. Da kommt die Sache mit dem Heizkessel höchst ungelegen.

Deshalb werden nun Spendengelder gesammelt. Über die Internet-Plattform www.99funken.de, eine Initiative der Ostsächsischen Sparkasse, werben die Windbergbahner um finanzielle Unterstützung. Jeder kann mitmachen, muss sich dort lediglich anmelden. Ziel ist es, innerhalb der nächsten Monate so viel Geld zu sammeln, dass der Kessel sowie einige Meter Leitung vor der Wintersaison 2018/19 ersetzt werden können. Bis dahin muss das historische Stück also noch durchhalten, auch wenn es dabei mächtig qualmt. Mario Hobl und seine Mitstreiter hoffen auf möglichst milde Temperaturen.

www.99funken.de; www.windbergbahn.de