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Dienstag, 28.11.2017

Wildschwein-Rotte mitten in Meißen

Acht Tiere durchstreifen in der Nacht zu Sonntag das Gebiet zwischen Freiheit und Dom, hinterlassen Schäden. Die Hälfte überlebt den Ausflug nicht.

Von Marcus Herrmann

Kein gutes Ende nahm der Ausflug in die Meißner Altstadt für diese vier Schwarzkittel. Die laut einem Jagdaufseher knapp ein Jahr alten Tiere sorgten für Gefahr für Leib und Leben, wurden deshalb fachgerecht erlegt.
Kein gutes Ende nahm der Ausflug in die Meißner Altstadt für diese vier Schwarzkittel. Die laut einem Jagdaufseher knapp ein Jahr alten Tiere sorgten für Gefahr für Leib und Leben, wurden deshalb fachgerecht erlegt.

© Feuerwehr

Meißen. Zu einem nicht alltäglichen Einsatz wurden Feuerwehrleute, Polizei und ein Meißner Jagdaufseher am späten Sonnabend gerufen. Eine Rotte Wildschweine hatte sich im Stadtgebiet verirrt, wie der SZ mehrere Einsatzkräfte bestätigten. „Die Erstmeldung ging um 21.53 Uhr ein. Es wurden uns vier Wildschweine auf der Straße zum Burgberg gemeldet“, sagte Meißens Revierleiter Hanjo Protze am Montag. Eine knappe Stunde später sei der zweite Notruf erfolgt. Ein Anwohner der Roten Stufen hatte in seinem Garten drei Wildschweine entdeckt, die das gesamte Areal durchwühlten.

Weil sich die Situation anfangs unübersichtlich darstellte – die Angaben von Augenzeugen bewegen sich zwischen vier und acht gesichteten Tieren – benachrichtigte die Polizei nicht nur die Feuerwehr zur Hilfeleistung, sondern auch einen fachkundigen Jäger. Dieser spricht am Telefon von einer orientierungslosen Rotte, die gerade deshalb eine akute Gefahr für Leib und Leben dargestellt hätte. Zusammen mit einem befreundeten Jäger sei der Jagdaufseher den Anweisungen der Polizei gefolgt und habe sich unverzüglich vor Ort begeben.

Was er zwischen Freiheit und Domplatz zu sehen bekommt, beschreibt er als sehr gutes Zusammenspiel der Einsatzkräfte. Als Einsatzleiter der Feuerwehr ist Kamerad Patrick Spiegel in der besagten Nacht im Meißner Zentrum vor Ort. So wie auch Stadtwehrleiter Frank Fischer berichtet er von einer Bache, die von einigen ihrer Jungtiere getrennt worden war. Mittels Leuchttechnik und Wärmebildkameras habe man die Wildschweine am Grundstück Rote Stufen lokalisieren können. Mitglieder der Feuerwehr und Polizisten hätten derweil mögliche Fluchtwege und das Einsatzgebiet abgesichert. Beide Feuerwehrmänner berichten im Nachhinein von einem Einsatz, den sie so noch nie erlebt hätten.

Tatsächlich sind Wildschweine in der Meißner Altstadt auch für erfahrene Jäger neu. „Dass die Tiere vermehrt in Vorgärten eindringen, ist bekannt. Aber diese befinden sich normalerweise nicht mitten in der Stadt“, sagt der Jagdaufseher. Das Stadtgebiet lasse sich auch keinem Jagdrevier zuordnen. Deshalb sei die Situation in der Nacht zu Sonntag auch ein besondere gewesen.

Besonders gefährlich obendrein. Zu dieser Einschätzung gelangten zumindest Polizei und Feuerwehr. Von Lebensgefahr zu sprechen, sei keinesfalls übertrieben, schätzt Kreisbrandmeister Ingo Nestler die Situation ein. „Im Sinne der Sicherheit für Leib und Leben wurden die beiden Jagdpächter mit dem Abschuss der Wildschweine beauftragt“, so Hanjo Protze. Dabei habe man die Gefahr des Schießens im Stadtgebiet abgewogen, sichergestellt, dass keine Menschen gefährdet werden konnten.

Vier der acht Tiere wurden von den beiden Jägern fachgerecht erlegt. Der Meißner Jagdaufseher spricht von 30 bis 40 Kilogramm schweren Tieren, die allesamt knapp ein Jahr alt gewesen seien. „Im Anschluss unterstützten wir die Jäger bei der Bergung der Tiere und reinigten den betroffenen Bereich. Um circa 2.30 Uhr war der Einsatz für die Kameraden beendet“, sagt Patrick Spiegel nach dem ungewöhnlichen Einsatz.

Auf der Internetseite des Kreisjagdverbandes Meißen werde es zu dem Vorgehen vor Ort in Kürze einen Fachartikel zu lesen geben, berichtet der Jagdaufseher. Dieser solle dem besseren Verständnis für den Laien dienen und Hintergründe erläutern.

http://www.naturschutz-kjv-meissen.de/