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Montag, 25.09.2017

Wieder zu früh gefreut

Manuel Konrad erzielt drei Tore – trotzdem reicht es für Dynamo nicht zum Sieg. Weil Darmstadt zweimal spät trifft.

Von Sven Geisler und Cornelius de Haas, Darmstadt

Dynamo jubelt zum dritten Mal in Darmstadt. Und wieder ist es Manuel Konrad (Mitte), der Anlass dazu gibt. Sein 3:1-Volleyschuss in den Torwinkel scheint sogar die Entscheidung zu sein, glauben auch Paul Seguin (links) und Florian Ballas. Doch es kommt anders.
Dynamo jubelt zum dritten Mal in Darmstadt. Und wieder ist es Manuel Konrad (Mitte), der Anlass dazu gibt. Sein 3:1-Volleyschuss in den Torwinkel scheint sogar die Entscheidung zu sein, glauben auch Paul Seguin (links) und Florian Ballas. Doch es kommt anders.

© Jan Hübner

So sieht er also aus, der Mann, der eigentlich der Held dieses Spieles sein müsste. Doch so fühlt sich Manuel Konrad nach dem Abpfiff nicht. Er wirkt stattdessen niedergeschlagen. Das 3:3 in Darmstadt empfinden er und die Dresdner Dynamos als Niederlage. Denn an sich ist die Partie bereits zu ihren Gunsten entschieden, als Konrad zum dritten Mal trifft.

In der 80. Minute haut er den Ball vom linken Strafraumeck volley in den rechten Winkel. „Der fällt mir auf den Fuß, und ich habe mich entschieden: Alles oder nichts! Heute schlägt der natürlich ein“, sagt der Mittelfeldspieler danach, meint allerdings: „Das ist schon etwas Besonderes, aber ich kann mich nicht drüber freuen.“

Zehn Minuten vor Schluss führt Dynamo beim Bundesliga-Absteiger mit 3:1, und es erübrigt sich, darüber zu streiten, ob der Zwischenstand verdient ist oder nicht. Die Schwarz-Gelben sind effektiv und kreuzgefährlich mit ihren Standards. Die beiden Eckball-Varianten, die zu Konrads Treffern eins und zwei führen, sind einstudiert. Erst spielt Niklas Kreuzer kurz auf Aias Aosman und legt nach dem Doppelpass zurück auf den Torschützen. Der hält die linke Innenseite dran – 1:0 in der 23. Minute. Dann verlängert Florian Ballas den Ball nach Kreuzer-Ecke – und Konrad trifft aus elf Metern zum 2:1 nach einer guten halben Stunde. „Da müssen wir einfach gieriger werden, unser Tor zu verteidigen“, moniert Darmstadts Trainer Torsten Frings danach.

Doch auch sein Team trifft mit einem Standard: Tobias Kempe verwandelte einen Freistoß aus 18 Metern zum zwischenzeitlichen 1:1. „Nach erster Ansicht denke ich, den hätte man halten können“, meint Uwe Neuhaus. Marvin Schwäbe ist allerdings durch einen Darmstädter die Sicht versperrt. Der Torwart pariert dafür dann den Schuss von Yannick Stark glänzend.

In der zweiten Hälfte dominiert Darmstadt, die Dresdner haben jedoch Konterchancen. Erich Berko vergibt in der 68. Minute die beste, als er besser hätte selbst abschließen sollen anstatt zu flanken. Trotzdem scheint ja alles gut zu sein, als Konrad noch mal abzieht. Nach diesem Sonntagsschuss ist sogar Neuhaus aus dem Häuschen. „Ich habe ihm zugerufen, ob er bescheuert ist. Jetzt kann ich ihn ja nicht mehr rausnehmen“, erzählt der Trainer hinterher grinsend. Der Treffer habe „Van-Basten-Charakter“ gehabt. Viel mehr der Ehre geht kaum. Der Niederländer war einer der herausragenden Torjäger in den 1980er-Jahren.

Aber selbst ein solcher Vergleich kann die Stimmung von Konrad kaum heben. „Wir zeigen eine sehr gute Leistung in Darmstadt, führen 3:1 – dann ist das einfach nicht clever genug“, sagt der 29-Jährige. „Das darf uns nicht passieren. Wir müssen das Ergebnis über die Zeit retten, auch mal den Ball über die Tribüne dreschen.“

Als der eingewechselte Terrence Boyd das 3:2 erzielt, läuft die 90 Minute. Allerdings gibt es insgesamt fünf obendrauf, auch weil Dynamo-Fans zu Beginn der zweiten Halbzeit gelbe und graue Nebeltöpfe zünden und eine Spielunterbrechung provozieren. Frings ist die Nachspielzeit deshalb sogar zu kurz. Der frühere Nationalspieler fühlt sich sowieso benachteiligt von den Unparteiischen: „Gefühlt haben wir gegen 14 Mann gespielt.“ Für ein unabsichtliches Handspiel von Fabian Müller in der 56. Minute fordert er genauso einen Strafstoß wie beim leichten Schubser von Kreuzer gegen Kevin Großkreutz (71.). Beide Male liegt Schiedsrichter Sven Waschitzki jedoch richtig – und pfeift nicht.

Diese Szenen sind jedoch auch ein Ausdruck davon, dass der Druck auf das Dresdner Tor immer größer wird. Neuhaus versucht, mit seinen Wechseln die Defensive zu stärken. „Wir haben alles reingebracht, was Länge hat“, sagt er. Marco Hartmann kommt verspätet, der Kapitän hat wegen Wadenproblemen zunächst auf der Bank gesessen, wo ansonsten wohl Konrads Platz gewesen wäre. Der weiß um seine Rolle. „Ich will immer spielen“, sagt der dreifache Torschütze zwar, „aber ich bin Teamplayer. Wenn ich ran darf, gebe ich mein Bestes für den Verein und die Mannschaft.“

Neuhaus meint: Lehrgeld gezahlt

Dynamo spielt de facto mit einer Sechserkette, kann sich kaum noch aus der Abwehr befreien. Neuhaus’ Analyse: „Wenn wir in Ballbesitz waren, haben wir es versäumt, es runterzuspielen, einen Freistoß zu ziehen. Wir müssen die Klarheit im Kopf behalten, aber dafür fehlt uns die Erfahrung, die uns Darmstadt voraus hat.“ Und sein Fazit: „Unterm Strich haben wir ein bisschen Lehrgeld gezahlt.“ Denn auch der letzte Schuss wird nicht geblockt, sondern schlägt ein. Wieder ist es der Ex-Dynamo Kempe in der 93. Minute.

Zwei Punkte sind futsch, dafür bleiben komische Gefühle. Konrad kann sich nicht erinnern, schon mal drei Tore in einem Spiel erzielt zu haben. „Ich glaube, nicht mal in der Jugend“, sagt er. Doch statt zu feiern, meint er enttäuscht: „Dass man in drei, vier Minuten den Sieg aus der Hand gibt, das ist einfach bitter.“ Und es passiert nicht zum ersten Mal. Ob in Bochum, gegen Fürth oder zuletzt gegen Bielefeld – Dynamo kassiert immer wieder späte Gegentreffer. „Da kann man nicht immer von Pech reden“, meint Konrad. „Wir müssen selbstkritisch sein und drüber sprechen, woran das liegt. Sonst wird es eng, dreifach zu punkten.“

Diesmal reicht nicht mal eine der besten Saisonleistungen zum Sieg. „Das tut weh, da kannst du erzählen, was du willst“, sagt Hartmann. Dennoch gibt es keinen Grund, schwarz zu malen, findet der Kapitän: „Der Auftritt war wirklich gut.“

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