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Wie wird das Titelfoto ausgewählt?

Als jahrzehntelanger Leser und Bewerber um die Mitarbeit im Leserbeirat frage ich spontan: Was motiviert den Chefredakteur (und seinen Verantwortlichen für die Gestaltung der ersten Seite) zur Platzierung des Biedenkopf-Fotos auf der Titelseite? Der ganzseitige Beitrag auf Seite 4 genügt wohl nicht? Freundliche Grüße Heiko Schmidt

28.05.2016

Sehr geehrter Herr Schmidt,

um es vorwegzunehmen: Die sehr schöne Aufnahme der Biedenkopfs von einem unserer Spitzenfotografen sollte keineswegs eine späte Huldigung von „König Kurt“ und der „Landesmutter“ sein. Das hat die Sächsische Zeitung gewiss nicht nötig. Vielleicht ist die Zeile dazu „Sachsen im Herzen“ ein wenig herzig geraten.

Ihre Anmerkung, sehr geehrter Herr Schmidt, führt aber zur Frage, nach welchen Kriterien das Titelfoto ausgewählt wird. Ganz sicher eine der wichtigsten Entscheidungen. An manchen Tagen sorgt die Nachrichtenlage dafür, dass es gar keine Wahl gibt: Wird ein neuer Kanzler gewählt oder gibt es ein neues Hochwasser an der Elbe, dann ist die Sache klar. Aber so oft kommt das gar nicht vor. Wichtige regionale Ereignisse haben dann eine gute Chance auf den Titel. Zuletzt waren das die Meisterfeiern von Dynamo, das Dixieland-Festival oder das Unwetter über Sachsen. In jedem Fall müssen die Titelfotos von erster Qualität sein. Sie sollen den Leser in die Zeitung „ziehen“, sie schaffen eine erste emotionale Bindung an die Tagesausgabe.

An nachrichtenschwachen Tagen kann das Titelfoto eine weitere Funktion erfüllen: Es dient dann als Schaufenster für ein wichtiges Thema der Zeitung. So war das mit dem Biedenkopf-Foto am 20. Mai. Ein Doppelinterview mit Kurt und Ingrid Biedenkopf ist eher selten, das Leserinteresse hoch - die SZ kann die „Einschaltquoten“ seit einigen Jahren mit einem selbst entwickelten Verfahren messen. Wenn die Redaktion also ein Titelfoto zu einem Thema von hohem Leserinteresse einsetzt, will sie nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Abonnenten auf dieses Thema lenken, sondern auch Besucher im Supermarkt oder dem Presseshop neugierig machen.

Gerade weil die Entscheidung über das Titelfoto so wichtig ist, trifft sie der verantwortliche Blattmacher erst nach eingehender Beratung mit vielen Kollegen. Dann aber allein und ohne jede Einflussnahme von außen.

Ihr Olaf Kittel

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