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Donnerstag, 14.09.2017

Wie weiter nach der Schule?

Viele Firmen suchen Lehrlinge und viele Schulabgänger eine Lehrstelle – in Wilsdruff haben sie sich getroffen.

Von Annett Heyse

Philipp Pisek, Lehrling bei der König & Bauer AG in Radebeul, (2.v.l.) spricht mit Carlo Schlenkrich (l.) und Leopold Madel über die Ausbildungsmöglichkeiten bei dem Maschinenbauunternehmen.
Philipp Pisek, Lehrling bei der König & Bauer AG in Radebeul, (2.v.l.) spricht mit Carlo Schlenkrich (l.) und Leopold Madel über die Ausbildungsmöglichkeiten bei dem Maschinenbauunternehmen.

© Andreas Weihs

Wilsdruff. Drei Jungs sitzen im Führerhaus, schauen aufs Armaturenbrett, Lenkrad, Navi. Nichts, was sie nicht kennen, aber dieses Mal geht es auch vielleicht ein bisschen um ihre berufliche Zukunft. Denn die Schüler der Oberschule Wilsdruff sind beim nunmehr achte Berufsaktionstag, der am Mittwoch im Stadt- und Vereinshaus Wilsdruff stattfand. Was interessiert sie? Womit möchten sie bald ihre Brötchen verdienen? Was hat Perspektive?

Viele Fragen, aber zum Glück viele Antworten. Denn 33 Firmen und Organisationen sind nach Wilsdruff gekommen, um den Acht- und Neuntklässlern Ausbildungsberufe und -wege aufzuzeigen. Die Bundeswehr ist mit einem Infostand vor Ort, der Hotel- und Gaststättenverband, ein großer Wilsdruffer Baubetrieb, ein Pflegedienst. Handwerksfirmen sind mit dabei, Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche, die Polizei, Logistikunternehmen.

So wie die Spedition Hanitzsch aus Kesselsdorf, in deren Lkw die Jungs nun gerade sitzen. „Wir suchen wie viele andere Branchen eben auch Lehrlinge“, sagt Mitarbeiter Simon Richter. Vor ein paar Jahren, als es noch die Wehrpflicht gab und viele junge Männer ihren Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr machten, hätten etliche anschließend bei Fuhrunternehmen angeheuert, sagt Richter. „Das ist aber vorbei, zumal der Beruf mittlerweile keinen guten Ruf mehr hat.“ Schlecht bezahlt, viel unterwegs, ständig im Stau stehend, miese Arbeitszeiten – wer will da noch Lkw-Fahrer werden? Simon Richter hofft, dass sich der eine oder andere Wilsdruffer Junge trotzdem dafür entscheidet, zumindest mal zum Praktikum vorbeizukommen.

Genau das soll die lokale Messe leisten: Zukünftige Auszubildende und Firmen zusammenzubringen. „Das ist schwerer, als man denkt“, sagt Ina Müller. Sie ist Beratungslehrerin an der Wilsdruffer Oberschule und hat den Berufsaktionstag für ihre etwa 170 Schützlinge federführend organisiert. Sie erinnert sich noch an Zeiten, als die Jugendlichen froh waren, überhaupt irgendeine Lehrstelle zu finden. Das habe sich komplett gedreht. „Es gibt ein großes Angebot, viele Firmen suchen.“ Nur leider würden Unternehmen und Schüler nicht so ohne Weiteres zusammenfinden. „Wir wollen zeigen, welche Firmen aus der Region Ausbildungen anbieten und in welchen Berufen.“ Es gehe darum, Kontakte zu knüpfen und ein genaueres Bild von den verschiedenen Berufen zu bekommen. Wer will, kann auch gleiche seine Bewerbungsunterlagen für ein Praktikum hinterlassen, das die Oberschüler jeweils in der achten und neunten Klasse absolvieren müssen.