sz-online.de | Sachsen im Netz

Wie viele Wessis arbeiten bei der SZ?

Vor einiger Zeit informierte die SZ über den Anteil westdeutscher Mitarbeiter 1990/91 in sächsischen Einrichtungen. Meine Frage an Sie, wie viele westdeutsche Redakteure, einschließlich angehender, in der Sächsischen Zeitung eine neue Perspektive gefunden haben, wurde nie beantwortet. Gern würde ich dazu eine Antwort erhalten. MfG, Kurt Schmidt

29.08.2016

Sehr geehrter Herr Schmidt,

Ihre Frage hat unsere Personalabteilung ganz schön ins Schwitzen gebracht. Nicht weil es ein Geheimnis wäre, sondern weil das noch nie jemand ausgerechnet hat. So ganz einfach ist das auch nicht. Klar, wir haben nach dem Geburtsort gesucht. Aber ist zum Beispiel Angela Merkel, um eine Prominente zu nehmen, eine Westdeutsche, bloß weil sie in Hamburg geboren wurde? Oder: Ist der Fünfzigjährige, der in Westfalen aufgewachsen ist und nun seit 25 Jahren in Dresden lebt, noch ein Wessi oder schon ein Ossi? Ich habe eine Kollegin mit ähnlichem Hintergrund gefragt. Und was hat sie geantwortet? „Ich bin ein Wossi“. Also nicht mehr ganz Westdeutsche, aber auch noch nicht ganz Ostdeutsche.

Sie sehen, Herr Schmidt, gar nicht so einfach. Dennoch wollten wir ja gern Ihre Frage beantworten und sind deshalb streng nach Geburtsort gegangen. Das Ergebnis: Knapp unter zehn Prozent der SZ-Redakteure wurden in Westdeutschland geboren. Sie arbeiten zumeist in den Ressorts in Dresden, einige schon sehr lange. In den 20 Lokalredaktionen stammen fast alle Mitarbeiter aus der Region. Klar: Die SZ ist und bleibt eine ostdeutsche Tageszeitung. Sie braucht aber, will sie nicht provinziell sein, die andere Sicht, den Widerspruch. Insofern hat sich die Mischung bei der SZ als produktiv erwiesen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick aufs Führungspersonal. Der SZ-Chefredakteur stammt aus Greifswald, die Mehrzahl der Ressortleiter und Lokalchefs ist in der DDR geboren. Ja, vor 25 Jahren schickten die großen westdeutschen Verlage Vertrauenspersonen in die Ostredaktionen. Aber das ist lange her.

Und der Nachwuchs? Noch in den Neunzigerjahren haben sich oft junge Westdeutsche in den Bewerbungsrunden durchgesetzt – sie hatten einfach die besseren Voraussetzungen. Heute hat sich das Bild komplett umgekehrt. Allerdings kann ich sie heute nicht mehr unterscheiden. Kein Wunder, sie wurden alle bereits im vereinten Deutschland geboren.

Ihr Olaf Kittel

Alle Fragen, alle Antworten: www.sz-link.de/leserfragen