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Dienstag, 11.08.2015

Wie viel Event-Stau verträgt die Innenstadt?

Nach dem Skoda Velorace ist vor dem Stadtfest. Viele Dresdner ärgern sich über häufige Sperrungen.

Von Juliane Richter

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Freie Fahrt für Radfahrer auf der Stübelallee. Beim Skoda Velorace hatten die Radler viele Straßen für sich – und einige Autofahrer gegen sich.
Freie Fahrt für Radfahrer auf der Stübelallee. Beim Skoda Velorace hatten die Radler viele Straßen für sich – und einige Autofahrer gegen sich.

© news5

Bei der dritten Auflage des Skoda Velorace sind am Sonntag rund 1 000 Radfahrer durch Dresden gebraust. Auf der Facebook-Seite des Veranstalters überschlagen sich Teilnehmer und Radsportfans mit positiven Kommentaren zur wunderbaren Strecke und dem gelungenen Rennen. Umfangreiche Straßensperrungen haben den 21 Kilometer langen Rundkurs vom Theaterplatz über die Könneritzstraße, durch den Wiener Tunnel, am Großen Garten vorbei und bis über die Waldschlösschenbrücke ermöglicht.

Doch gerade diese Sperrungen haben bereits am Wochenende und auch gestern für heftige Kritik von anderen Dresdnern gesorgt. Wer mit dem Auto das Stadtzentrum passieren wollte, stand mitunter lange im Stau oder musste große Umwege in Kauf nehmen. Auf sz-online schreibt Micha: „Auch ich war am Sonntag genervt, weil die Umleitungen alles andere als günstig und wichtige Magistralen gesperrt waren.“ Prinzipiell ist er jedoch für solche Veranstaltungen, wenn dem Individualverkehr und den Anwohnern ermöglicht wird, die Stadt zu passieren. Andere Betroffene sind rigoroser und wollen keinerlei Veranstaltungen mehr im Stadtzentrum. Wieder andere fordern deutlich bessere Schilder für Ausweichrouten.

Insbesondere die wachsende Zahl an Sportläufen sorgt seit einigen Jahren für Einschränkungen und Umleitungen. Von März bis Juni findet nahezu jeden Monat ein Lauf statt, im Oktober folgt als Abschluss der große Morgenpost-Marathon. Fast immer ist dabei das Terrassenufer betroffen und sind Theaterplatz oder Postplatz zeitweilig gesperrt.

Über die Einschränkungen entscheidet die städtische Straßenverkehrsbehörde. Ob ein geplantes Event überhaupt eine großräumige Sperrung rechtfertigt, hängt laut Stadtsprecher Karl Schuricht von mehreren Faktoren ab. Beachtet wird zum Beispiel, wie groß der Zuspruch des Publikums oder der Teilnehmer ist. Auch Sicherheitsaspekte fließen in die Überlegungen mit ein. Laut Schuricht gab es in diesem Jahr bereits etwa 20 Anlässe aus den Bereichen Kultur, Sport, Versammlungen und auch Politik, die zu Straßensperrungen geführt haben. Darin inbegriffen sind zum Beispiel auch ungewöhnliche Sperrungen, wie die der Lennéstraße zum „Klassik Picknickt“ auf dem Gelände der Gläsernen Manufaktur. Dort wird die Straße abgeriegelt, damit kein Verkehrslärm das lauschige Event auf der grünen Wiese stört. In der Zahl nicht mit eingerechnet sind wiederum die Pegida-Märsche oder Einschränkungen aufgrund von Fußballspielen.

Bis zum Jahresende erwartet die Stadt noch einmal rund 20 weitere Großveranstaltungen, die zu Einschränkungen für die Verkehrsteilnehmer führen. Die nächste findet schon am kommenden Wochenende statt: Während des Stadtfestes ist die Innenstadt jedes Jahr eine große Partyzone. Dann regieren von der Prager Straße bis an die Elbe und zum Albertplatz die mehr als 500 000 Besucher. Autofahrer können dann aber noch alle Brücken, ausgenommen die Augustusbrücke, befahren und auch den Wiener Tunnel nutzen.

Radrennen lockt viele Sportler

Doch gerade weil dieser für das Skoda Velorace genutzt wurde, war die Altstädter Seite am Sonntag so verstopft. Eva Wagner, Sprecherin der Veranstalter, hat Verständnis für die Betroffenen. „Durch das Rennen kam es sicherlich zu extremen Einschränkungen. Aber fast 80 Prozent der Starter waren nicht aus Dresden oder der Region“, sagt sie. Die Veranstaltung diene somit als Zugpferd für Sportler aus ganz Deutschland, die häufig mit ihrer ganzen Familie ein verlängertes Wochenende in Dresden verbracht haben. „Davon profitieren die Stadt und der Tourismus“, sagt Wagner. Zudem sei bereits am vorhergehenden Montag über die Einschränkungen informiert worden, für Anwohner habe es in den Häusern separate Informationszettel gegeben.

„Manche Straßen, wie die Fetscherstraße, waren noch einspurig befahrbar. Außerdem hat die Polizei versucht, an Knotenpunkten Autofahrer kreuzen zu lassen, wenn gerade keine Teilnehmer auf diesem Abschnitt waren“, sagt Wagner. Bei Geschwindigkeiten von 50 bis 60 Kilometern pro Stunde, die die Radfahrer in der Spitzengruppe erreicht haben, seien Sperrungen ihrer Meinung nach aber schon aus Sicherheitsgründen unumgänglich.

Kaum Beeinträchtigungen gab es hingegen bei den Dresdner Verkehrsbetrieben. Laut Sprecher Falk Lösch hat es am frühen Morgen bei der Buslinie 64 an der Waldschlösschenbrücke gehakt. Tagsüber kam es an der Augsburger-, der Gabelsberger- und der Fetscherstraße zu einigen wenigen Einschränkungen, sowie bei der Buslinie 75 an der Bürgerwiese. „Andere Veranstaltungen beeinträchtigen den ÖPNV deutlich mehr“, sagt Lösch.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Elbtalbewohner

    Schön wäre es auch ,wenn die Umleitungsschilder nun endlich entfernt würden.Als "Einheimischer" ignoriert man die Schilder ,aber als "Fremder" wird man da schon "umgeleitet" obwohl es beendet ist. Zb. Reickerstr. Richtung Karcherallee ,wird man Richtung Wasaplatz "umgeleitet"!!!!!!!!!!Da haste als Fremder ein Problem.

  2. Wähler

    Straße sperren wegen "Klassik-Picknick" - damit die zahlungskräftige Kundschaft in der Gläsernen Manufaktur nicht gestört wird! Es wird immer verrückter. Wie sagte ein FDP-Politiker mal: "römische Dekadenz". In diesem Zusammenhang passt es.

  3. Gast

    @1: Für Ihre Aufforderung ist bestimmt nicht die SZ zuständig sondern evtl. die Stadt! Wenden Sie sich bitte an die zuständigen Stellen!

  4. Dieter

    Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, wenn für das Vergnügen einiger weniger so viele leiden müssen. Andauernd irgend ein Lauf, Rennen, Treffen usw. mitten in der Stadt mit mehr oder weniger umfangreichen Sperrungen! Für die paar Beteiligten, die dann wirklich nochmal nach Dresden kommen, ist das total unverhältnismäßig. Dazu dann andauernd noch Genehmigungen für private Feuerwerke. Wollen die Stadtverwalter unser Dresden von einer Stadt zum Wohnen in einen nervenden Eventpark verwandeln? Kriegen die von irgendwem irgendwas dafür?

  5. Nico

    Wer sich über so etwas ärgert, sollte lieber auf's Land ziehen. Da können die Blechlawinen mit den Wölfen, Wettrennen fahren, bis zum Vollmond. Mit besten Grüßen aus dem Land mit den größten Problemen überhaupt;)

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