erweiterte Suche
Samstag, 19.03.2016

Wie soll die Bautzner entschärft werden?

Nach dem tödlichen Unfall an der Bautzner Straße in Dresden muss eine Lösung für die gefährliche Stelle an der Ecke zur Rothenburger Straße her. Doch allzu viele Möglichkeiten für einen schnellen Eingriff gibt es nicht.

Von Tobias Wolf

10

Anfang Februar starb eine junge Radfahrerin an der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße. Wie genau diese Kreuzung nun sicherer gemacht werden soll, ist immer noch nicht ganz klar.
Anfang Februar starb eine junge Radfahrerin an der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße. Wie genau diese Kreuzung nun sicherer gemacht werden soll, ist immer noch nicht ganz klar.

© Sven Ellger

Nach dem tödlichen Unfall an der Bautzner Straße soll es nun Konsequenzen geben. Noch vor dem Ausbau des letzten Abschnitts vor dem Albertplatz will Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) die Kreuzung Rothenburger Straße entschärfen lassen. Dort war am 8. Februar eine junge Frau tödlich verunglückt.

Die 26-Jährige war mit ihrem Fahrrad auf der Bautzner Straße unterwegs, als sie in Höhe der Kreuzung von einem Lastwagen erfasst wurde. Dabei stürzte sie so schwer, dass sie unter das Fahrzeug geriet. Später erlag die Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der Unfall hat eine Debatte um Sicherheit für Radfahrer in Dresden ausgelöst. Vor der Unglücksstelle hatte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (AFDC) schon seit zwei Jahren gewarnt.

Damals war gerade der östliche Teil der Bautzner saniert und ausgebaut worden. Die Folge: Vor der Kreuzung Rothenburger Straße stellen sich Radler und Autofahrer seither auf zwei getrennten Streifen mit einer Gesamtbreite von 5,10 Metern an der Ampel an. Die Gefahr lauert hinter der Kreuzung. Dort verengt sich die Fahrbahn auf 3,05 Meter. Einen extra Radstreifen gibt es dort nicht.

Baubürgermeister Schmidt-Lamontain will das Thema Sicherheit im Radverkehr nun angehen. Gemeinsam mit den Chefs mehrerer Ämter werde gerade eine Strategie erarbeitet, um Unfallschwerpunkte und Gefahrenstellen für Radfahrer und Fußgänger in der Stadt zu entschärfen, sagt er. Dies brauche jedoch noch etwas Zeit. Man wolle nicht in Aktionismus verfallen, so Schmidt-Lamontain. Neben der Kreuzung Rothenburger Straße werden auch andere Gefahrenschwerpunkte in Dresden analysiert. Eine sorgfältige Bewertung jeder einzelnen Stelle sei im Interesse von allen, besonders für die schwächsten Verkehrsteilnehmer.

Über seine persönliche Referentin Doris Oser lässt der Baubürgermeister noch ausrichten: „Wir prüfen gerade, was genau wir noch vor dem eigentlichen Ausbau der Bautzner Straße für mehr Sicherheit an der Kreuzung Rothenburger Straße tun können.“ Vor der Sanierung der Bautzner im kommenden Jahr.

Allzu viele Möglichkeiten gibt es nicht. Auf die Schnelle könnte das Straßenbauamt nur die Sperrmarkierung im Bereich der Straßenbahngleise entfernen und dort einen Teil der Autospur darüberführen. Dann wäre zwar Platz für einen schmalen Radstreifen auf der Fahrbahn. Schon jetzt weichen Autofahrer auf die Sperrfläche aus. Der offizielle Wegfall des Sperrstreifens dürfte aber dazu führen, dass sich Autos im Berufsverkehr auf den Schienen stauen und die Bahnen behindern. Diese Entscheidung liege bei der Stadt, sagt Falk Lösch, Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) und mit Blick auf die Sanierung 2017. „Wir würden einen schnellen Baubeginn begrüßen.“

Der ADFC hingegen fordert, einfach die Bordsteinkante am Fußgängerüberweg an der Rothenburger abzusenken und einen Streifen zu markieren, der die Radler direkt über den Fußweg in die Nebenfahrbahn der Bautzner Straße führt. Sie müssten sich die schmale Spur hinter der Kreuzung dann nicht mehr mit Autos teilen. Auch das werde geprüft, heißt es aus dem Rathaus.

Der Bericht zum tödlichen Unfall der 26-Jährigen stehe noch aus, um die tatsächliche Unglücksursache zu klären. Laut Staatsanwaltschaftssprecher Lorenz Haase werde derzeit noch ermittelt. Als sicher gilt in jedem Fall, dass Alkohol keine Rolle bei dem Unfall gespielt hat.

Video vom 11. Februar: Kreuzgefährliche Bautzner

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Marcus Suhm

    Es gäbe eine Lösung, nur war und ist diese meine Ansicht keinesfalls opportun: Die Überlandstraße B6 oben darüber in einer Metallbrückenkonstruktion mit geteerter Fahrbahn zu legen mit Benutzungszwang für Kfz mit dem Ziel Hochland. Und unten darunter bleibt die Bautzener Straße ausschließlich innerörtlich als Zubringerstraße für die Wohngebiete. Zudem für Warenanlieferungen via LKW auf dieser Zubringerstraße dann das Gebot, statt den großtonnagigen Kfz eben Multicars und ähnliche Transportfahrzeuge zu verwenden. Dies tät auch anderen Stadtvierteln sehr gut. Daß dabei Notfallfahrzeuge sowie die Müllabfuhr Ausnahmen wären, versteht sich natürlich von selbst.

  2. Critical Mass Dresden

    Dresden tut einfach viel zu wenig für sichere Radinfrastruktur - von alleine Gefahrenpunkte entschärfen geht schon mal gar nicht, und selbst in Reaktion auf einen tödlichen Unfall muss erstmal monatelang "geplant", "auf Gutachten gewartet" und "abgewogen" werden. Wenn euch das auch stört, dann kommt doch am Freitag mal zur Critical Mass: https://www.facebook.com/events/1700783156873907/

  3. Anwohner

    Im Abschnitt zwischen Albertplatz und Rothenburger sind die Fahrbahnen so schmal, dass motorisierte und nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer getrennt werden müssen. Dafür reichen 2 Verkehrsschilder "Radfahren verboten" aus. Radfahrer können in diesem Bereich problemlos die beiden Parallelfahrbahnen nutzen. Ich mache das seit Jahren schon so und fühle mich dabei nicht benachteiligt.

  4. sletrabf

    @1: Diese Lösung würde zwar eine Entflechtung der Verkehrsströme bedeuten, aber für das Stadtbild wäre sie einfach nur grauenvoll. Zudem würde sie durch die höhere Zahl von Autos neue Verkehrsprobleme schaffen. Ich wäre für die Schaffung schneller und flexibler Verkehrsangebote alternativ zum Auto und ein Verbot für alle Fahrzeuge außer Warenanlieferungen/Handwerker etc. auf den Straßen der Innenstadt.

  5. Bernd A.

    @1: Die "Überlandstr B6" bleibt aber nicht mehr lange dort, sondern wird in Höhe WSB auf die Stauffenberg Allee verlegt.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein