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Samstag, 06.08.2016

Wie schaffte es Scharnagl in die SZ?

Danke, Herr Scharnagl, für einen Artikel über Putin, mit dem ein Journalist zur Abwechslung mal nicht dem deutschen, brüsseleuropäischen und amerikanischen Establishment die Füße leckt. Wie haben Sie es nur geschafft, mit diesem Artikel in die Sächsische Zeitung zu kommen? Sollte es einen Sinneswandel geben? MfG Bernd Hallek

Sehr geehrter Herr Hallek,

freut mich, dass Ihnen der Scharnagl-Text gefallen hat. Wie der in die SZ gekommen ist? Ganz einfach: Ein Redakteur der Sächsischen Zeitung hat den Putin-Text bei ihm bestellt. Gleichzeitig hat der Redakteur einen zweiten Autoren um einen weiteren Putin-Artikel gebeten, der wohl etwas kritischer ausfallen dürfte. Demnächst in Ihrer SZ.

So wünschen wir uns das: streng sachliche Berichterstattung über all das, was täglich passiert und relevant für unsere Leser ist. Meinungsstarke Kommentare dazu von unseren Redakteuren, wobei unterschiedliche Sichten zu einem Thema durchaus möglich sind. Nicht jede Zeitung hält das so.

Die dritte Säule bilden umfangreichere Autorentexte, die meist in der Rubrik „Perspektiven“ im Feuilleton veröffentlicht werden und in der Journalisten, Schriftsteller, Politiker, Fachleute aus verschiedenen Bereichen ihre Sicht auf besonders streitbare Themen darlegen. Dazu gehören die Persönlichkeit und das Wirken des russischen Präsidenten Putin zweifellos. Wir erwarten von diesen Autoren Sachkunde und Meinungsstärke gleichermaßen und drucken sehr gern unterschiedliche, auch gegensätzliche Positionen zum gleichen Thema. Unsere Leser sollen sich mit diesen Positionen ausein andersetzen und sich so leichter eine eigene Meinung bilden können.

Ja, Herr Hallek, Sie haben richtig beobachtet: Solche Beiträge sind in der SZ heute häufiger zu finden als vor ein, zwei Jahren. Ja, unsere Leser wünschen sich ein breites Meinungsspektrum in ihrer Zeitung. Dem kommen wir gern nach.

Gestatten Sie mir noch einen kleinen Nachtrag zu ihrer Formulierung „Füße lecken“. Meinungsstarke Texte mögen wir. Allerdings sollten sie auch zutreffen, belegbar sein und die Grenze zur Beleidigung nicht überschreiten. Sollte nur eines dieser Kriterien nicht zutreffen, so meine langjährige Erfahrung, wird`s schwierig. Für den Autor. Er kann dann ganz leicht seiner eigenen Argumentation die Glaubwürdigkeit nehmen. Was ja wirklich schade wäre.

Ihr Olaf Kittel

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