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Samstag, 04.02.2017

Wie prüft die SZ den Wahrheitsgehalt?

Wozu Regeln für Leserbriefe? Insbesondere mit der Regel „keine falschen Tatsachenbehauptungen“ haben sich die SZ und ihr Leserbeirat Probleme eingehandelt. Oder verfügen Sie über ein „Ministerium für Wahrheit“, wie es Orwell beschrieben hat? Wie prüfen Sie die Behauptung, der Irak besitzt Massenvernichtungswaffen? MfG, Manfred Fruth

Sehr geehrter Herr Fruth,

viele Leser haben die Regeln für Leserbriefe begrüßt, weil es ja eigentlich schon immer welche gab, die aber nun für alle nachlesbar sind. Einige hatten kritische Bemerkungen wie Sie zu unserer Absicht, keine falschen Tatsachenbehauptungen drucken zu wollen. Sicher will kein Leser unwahre Behauptungen in der Zeitung lesen. Aber es gibt Zweifel, ob die Redaktion Wahres und Unwahres auseinander halten kann. Erst recht in Leserbriefen.

Stimmt, leicht ist das nicht. Reporter sind aber darauf trainiert, Fakten so zu recherchieren und gegenzuchecken, dass sie, wenn der Artikel fertig ist, guten Gewissens sagen können: So stimmt das. Auch Redakteure, die Texte redigieren von Autoren, Nachrichtenagenturen oder von Lesern, prüfen, ob die Fakten stimmen. Gerade weil es bei der SZ kein „Ministerium für Wahrheit“ gibt (das wäre ja schrecklich), wird Fakt für Fakt überprüft, bevor eine Seite in den Druck geht.

Aber diese Prüfung hat Grenzen. Im Pressekodex des Presserates ist festgelegt, dass zur Veröffentlichung bestimmte Informationen „mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen sind“. Diese umständliche Formulierung meint: Fakten werden so sorgfältig geprüft, wie es in einer Zeitung, die jeden Tag erscheint, nur möglich ist. Nehmen wir Ihr Beispiel Irak-Krieg, Herr Fruth. Die Behauptung des damaligen US-Außenministers Powell, der Irak besitze Chemiewaffen, kann die SZ natürlich nicht überprüfen. Deshalb bedeutet Sorgfalt hier, deutlich die Quelle der Information zu benennen, den Konjunktiv zu nutzen und in einem Kommentar auf die Zweifel an dieser Aussage hinzuweisen. All das hat die SZ damals übrigens getan.

Und in Leserbriefen? Die zuständige Redakteurin wird, wenn sie Zweifel hat, den Leser zurückfragen (auch deshalb wollen wir keine anonymen Leserbriefe). Oder sie wird, wenn sich die Zweifel nicht ausräumen lassen, auf den Abdruck des Briefes verzichten. SZ-Leser dürfen erwarten, dass erkennbar Falsches nicht veröffentlicht wird.

Ihr Olaf Kittel

Alle Fragen, alle Antworten: www.sz-link.de/leserfragen