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Freitag, 11.03.2011

Wie man sich vor falschen Schuldeneintreibern schützt

Wer einmal in die Fänge von Inkasso-Abzockern geraten ist, wird sie nur schwer wieder los, warnt Jurist Joachim Jaschinski.

Von Andreas Rentsch

In Dresden hat sich eine Bundesvereinigung gegen unlautere Inkassounternehmen gegründet. Das „Raubrittertum“ dubioser Firmen solle künftig schneller beendet werden, sagt der Vereinsvorsitzende Joachim Jaschinski. Allerdings ist es bisher nur selten gelungen, solchen Unternehmen die behördliche Zulassung zu entziehen. Unter immer neuen Namen treiben Firmen Schulden ein, die in Wahrheit gar nicht existieren.

Wie arbeiten unlautere Inkassounternehmen?Letztlich funktioniert das unlautere Inkasso über massenhaftes Geltendmachen unberechtigter Forderungen. Das heißt, die Unternehmen besorgen sich Kontaktdaten ihrer potenziellen Opfer und verschicken dann Tausende Briefe.

Nach Recherchen des Vereins sind es überwiegend Rentner, die Post erhalten. Besonders gefährdet sei, wer mal an Gewinnspielen teilgenommen oder sich für eine Kaffeefahrt angemeldet habe, sagt Jaschinski. Nicht selten würden Fantasieforderungen eingetrieben.

„Gedroht wird mit Mahn- und Vollstreckungsbescheid, dem Eintrag in die Schuldnerkartei, dem Gerichtsvollzieher.“ Aus Unkenntnis der Rechtslage und Angst vor Konsequenzen zahlten Betroffene die Beträge – häufig um die hundert Euro. Ruhe haben sie deswegen noch lange nicht. Der Verein kennt einen Fall, bei dem ein älterer Herr immer wieder von Inkassofirmen attackiert wurde, nachdem er sich einmal zur Zahlung hatte nötigen lassen.

Ein weiterer perfider Trick: Bürgern wird gegen Zahlung einer Gebühr Schutz vor dem Inkasso-Ärger versprochen. Kosten pro Jahr: 150 Euro, zahlbar in zwei Raten. „Eine Firma hat gar nicht erst auf das Verstreichen der Zahlungsfrist gewartet und gleich ein zweites Inkassobüro beauftragt, die Forderung einzutreiben“, so Jaschinski. So seien aus 150 Euro 263 geworden.

Wie erkennt man, ob man es mit Abzockern zu tun hat?In der großen Mehrzahl der Fälle wird der Gläubiger nicht benannt. Adresse, Stadt, Geschäftsführer – all das fehlt. Auch wird die Forderung nicht näher bezeichnet. Ob das Opfer also eine Zeitschrift abonniert, an einem Gewinnspiel teilgenommen oder im Internet eine kostenpflichtige Seite aufgerufen hat, bleibt unklar. „Es steht nur eine Hauptforderung“, sagt Jaschinski. Sofort werde mit einem Mahn- oder Vollstreckungsbescheid gedroht, wenn nicht innerhalb der gesetzten Frist gezahlt wird. Ratenzahlung sei aber in der Regel möglich.

Wie reagiert man richtig auf diese Schreiben?Man sollte eine Antwort aufsetzen, in der man festhält, dass man das Bestehen der Forderung bestreitet. Wenn sie tatsächlich unbegründet ist, sollte man sich nicht vor einer weiteren Eskalation des Streits scheuen. „Das Inkassounternehmen wird einen Teufel tun und klagen. Es würde doch vor Gericht nur Schiffbruch erleiden“, sagt der Jurist. Im Normalfall komme dann noch ein böses Schreiben zurück – mehr nicht. Meist steht in diesen Briefen sinngemäß, dass die Inkassofirma die Sache an ihren Auftraggeber zurückgebe, von dort gebe es weiteren Bescheid.

Wann sollte man sich Hilfe von Fachleuten holen?Joachim Jaschinski und seine Vereinskollegin Elke Schnalke sind überzeugt davon, dass die Betroffenen in den meisten Fällen ohne anwaltliche Hilfe auskommen. Selbst wenn ein Mahnbescheid vorliege, lasse sich der Widerspruch per Formschreiben am Amtsgericht erledigen. Rechtsbetreuung könne aber auch der neu gegründete Dresdner Verein leisten – für 29,50Euro jährlich. So viel kostet die Mitgliedschaft für eine Einzelperson. Wenn man eine Rechtsschutz-Police hat, kann man sich natürlich auch vom Anwalt helfen lassen. Auch die Verbraucherzentralen beraten zum Thema.

Warum schreitet der Gesetzgeber nicht ein?Im Sommer 2008 ist das Rechtsdienstleistungsgesetz in Kraft getreten. Dieses Paragrafenwerk habe die Möglichkeiten der Aufsichtsbehörden weiter verschlechtert, gegen dubiose Inkassobüros wirksam vorzugehen, klagt Jaschinski.

Welche Ziele verfolgen die Inkasso-Gegner?Die Bundesvereinigung gegen unlautere Inkassounternehmen will als Lobbygruppe dafür kämpfen, dass Masseninkassoverfahren nicht mehr ohne Weiteres möglich sind. Wenn es sie dennoch gebe, müsse das Inkassounternehmen diesen Vorgang ganz konkret beim Auftraggeber nachweisen und Unterlagen dafür bereithalten, so Jaschinski. Der Verein versucht derzeit, Beschwerden von Betroffenen zu bündeln. „Wir wollen, dass die Aufsichtsbehörde gezwungen ist, der Sache nachzugehen, und dass Firmen gegebenenfalls vom Markt verschwinden.“ Bisher ist das aber erst ein Mal vorgekommen. An der Gesamtsituation ändert sich nichts: Schließlich sei es in Deutschland nicht besonders schwer, eine Inkassofirma zu gründen, so Jaschinski.

Was sagen eigentlich die seriösen Inkassofirmen?Der Verein steht in losem Austausch mit dem Bundesverband deutscher Inkassounternehmen (BDIU). „Dort hat man uns zugesichert, dass es Ausschlussverfahren geben wird, wenn wir schwarze Schafe benennen können“, sagt Jaschinki. In zwei Fällen würde dieses Verfahren gerade angestoßen. Der BDIU-Vorstand habe sogar signalisiert, dass man auch gegen dubiose Firmen vorzugehen gedenke, wenn die nicht dem Verband angehören.

Führt der Verein eine Liste unseriöser Inkassofirmen?Nein. Selbst wenn eine existierte, wäre sie aus Sicht von Jaschinski problematisch. Schließlich gebe es durchaus Firmen, die einen Großteil ihres Geschäfts sauber abwickeln und nur hin und wieder mit unlauteren Methoden arbeiten.

Die schwarzen Schafe hingegen arbeiteten teilweise auch mithilfe wechselnder Firmennamen weiter. Haben sie eine Region abgegrast, kommt die nächste an die Reihe.

Kontakt zum Verein gegen unlauteres Inkasso über Frau Elke Schnalke: 0351 442 3373.