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Wie korrigiert die SZ ihre Fehler?

Letzte Woche hat die SZ geschrieben, dass ein Obstbauer in Borthen die Erdbeerernte wegen starker Frostschäden abgesagt hat. Am nächsten Tag wurde die Meldung dementiert. Können Sie in ihrer Kolumne mal Stellung nehmen, wie es zu dieser offensichtlichen Falschmeldung kam und was die Zeitung dagegen unternimmt? Gunter Georgi

10.06.2017

Sehr geehrter Herr Georgi,

Fehler passieren meistens dann, wenn mehrere Zufälle zusammenkommen. Also: Eine Kollegin hat für ihren aufwendigen Artikel über das Erdbeerpflücken 2017 einen Faktenkasten aus dem Vorjahr zur Grundlage genommen, alle dort angegebenen Bauern befragt und sich jede Homepage noch einmal angesehen. Dabei bemerkte sie nicht, dass bereits im Vorjahr eine Homepage eines Bauern mit gleichem Namen aus Westfalen gedruckt worden war – und der hatte im Frühjahr starke Frostschäden. Im vergangenen Jahr hatte es niemand gemerkt, diesmal meldete sich der Borthener Bauer natürlich sofort.

Müssen solche Fehler vermieden werden? Unbedingt. Können Fehler in einer Zeitung ausgeschlossen werden? Beim besten Willen nicht. Eine Zeitung ist ein Tagesprodukt, mit viel Aufwand unter großem Zeitdruck hergestellt. Bücher etwa werden wochenlang auf Fehler untersucht. Bei Zeitungen ist das unmöglich.

Deshalb geht die SZ dieses Problem auf zwei Wegen an: Ein umfangreiches Fehlervermeidungsprogramm mit Schulungen, technischen Verbesserungen usw. Bei der SZ nennt sich das „FehlerEx“. Und auf der anderen Seite schnellstmögliche Korrektur vor allem da, wo für Leser und Betroffene (hier der Bauer aus Borthen) Schaden droht. Die SZ hat nach dem Anruf des Bauern sofort auf SZ-online die fehlerhafte Passage gelöscht und in der SZ am nächsten Tag eine lange Richtigstellung veröffentlicht. Leser finden solche Korrekturen meist unter der Rubrik „Falsch und richtig“ auf der gleichen Seite, auf der der fehlerhafte Artikel stand. So soll es sein, so muss es sein, auch wenn Korrekturen der Redaktion natürlich immer auch ein bisschen peinlich sind. Aber sollen sie ja auch.

Kann ein solcher Fehler jedem Journalisten passieren? Ganz klar: ja. Niemand ist unfehlbar. Der Autor dieser Zeilen hat kürzlich über den Jahrestag der Befreiung geschrieben und behauptet, vor zwei Jahren hätten wir den 60. Jahrestag begangen. Es war aber schon der 70. An dieser Stelle sei dies korrigiert, verbunden mit einer Entschuldigung an meine Leser.

Ihr Olaf Kittel

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