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Freitag, 28.08.2015

Wie Jäger jetzt vorm Wolf warnen

Waidmänner haben im Wald zwischen Lawalde, Schönbach und Neusalza-Spremberg die Schilder aufgehängt – auf eigene Faust.

Von Constanze Junghanß und Wulf Stibenz

Im Wald bei Schönbach hat ein Jäger in Eigeninitiative Schilder aufgehängt. Er will Spaziergänger warne
Im Wald bei Schönbach hat ein Jäger in Eigeninitiative Schilder aufgehängt. Er will Spaziergänger warne

© Rafael Sampedro

Deutlich lugt das Schild mit der roten Schrift zwischen dem Grün im Wald hervor. Darauf steht: „Achtung Wolf-Streifgebiet. Hunde anleinen und Kinder beaufsichtigen. Die Jägerschaft“. Waidmänner haben im Wald zwischen Lawalde, Schönbach und Neusalza-Spremberg die Schilder aufgehängt – auf eigene Faust. Und sie finden Nachahmer. Viele Schilder sind handgemalt, die im Kreissüden nicht. Herstellen lassen hat die offiziell wirkenden Warnschilder Christian Siegert in Eigeninitiative bei einer Werbeagentur. Auch der Hinweistext stammt von Siegert, der Chef der Greifvogelwarte Oberlausitz und selbst Jäger ist. Er begründet das damit, dass die Region rund um Schönbach offizielles Wolf-Streifgebiet ist.

Kotspuren eingesammelt

Der Wolf war da, bestätigt das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“. In Schönbach und Mittelherwigsdorf seien Nutztiere gerissen worden. Das war im Winter dieses Jahres, teilt das Büro mit. Dass zumindest in einem Fall der Wolf dafür verantwortlich ist, wurde dabei festgestellt. In dem anderen ist es nicht ausgeschlossen. Bei ihren Beobachtungen der registrierten Tiere, dem sogenannten Monitoring, haben die Mitarbeiter des Wolfsbüros im Februar und März Losungen – also Kotspuren – östlich von Löbau eingesammelt, berichtet Vanessa Ludwig.

Sie ist Projektleiterin des Kontaktbüros und kann nun die Ergebnisse der Proben mitteilen: Bei zwei Losungen hat das Genetiklabor bestätigt, dass es sich um Wolfskot handelt. Fest steht sogar, zu welchem Tier er gehört. Es handele sich um einen Welpen des Rosenthaler Rudels. „Im Frühjahr 2015 hat sich der Welpe also im Bereich Löbau aufgehalten“, schlussfolgert Vanessa Ludwig.

Über den Sinn und die Folgen der Schilder wird indes gestritten. Markus Bathen vom Wolfsprojekt des Naturschutzbundes, sagt: „Ich bekomme wegen dieser Schilder Anrufe von Personen, die sich dadurch verunsichert und alleingelassen fühlen.“ Er begründet das damit, dass das Schild zwar eine Warnung enthält, allerdings keinen Aufschluss daüber gibt, ob dort nun ein Wolf anwesend ist, der gefährlich werden kann. „Immerhin hat man in den zurückliegenden Jahren noch nie von einem Angriff auf Menschen hierzulande gehört“, so Markus Bathen. Zudem kritisiert er, dass auf dem Schild keine Kontaktmöglichkeiten aufgeführt sind, wohin sich besorgte Spaziergänger wenden können.

Anwohner in den Gebieten mit solchen Schildern sind überzeugt, dass ein Tier durchs Oberland gewandert ist. Denn auch in Friedersdorf war in diesem Jahr schon mehrfach ein Wolf beobachtet worden. Ob sich der Rosenthaler oder ein anderer Wolf aktuell immer noch dort aufhält, ist jedoch unklar. Das wird im Rahmen des Monitorings weiter beobachtet. Spuren und Kot sollen dazu ausgewertet werden.

„Unnötig Ängste schüren“

Was im Raum steht, ist nun vor allem die Frage, ob solche Schilder statthaft sind. Ob Jäger berechtigt sind, Warnschilder aufzustellen, vermag auch das Wolfsbüro nicht zu sagen. Grundsätzlich sei die Information, Hunde im Wolfsgebiet anzuleinen, nicht verkehrt. Dazu raten auch die Mitarbeiter vom Wolfsbüro. „Allerdings können solche Schilder, vor allem unter dem Aspekt, dass eine Gefahr für Kinder angesprochen wird, unnötig Ängste schüren“, sagt Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro. Wölfe hätten eine instinktive Vorsicht vor Menschen, sowohl vor Erwachsenen als auch Kindern. „Sie gehen ihnen in der Regel aus dem Weg.“

Das sieht Jäger Christian Siegert anders. Eine Vorsichtsmaßnahme für Spaziergänger und Waldbesucher sollen die Schilder sein, die in seinem Revier an den Bäumen hängen. Die Resonanz darauf sei unterschiedlich. Ein Nebeneffekt trat jedenfalls schon ein. Wanderer würden, seitdem die Schilder da sind, nicht mehr querbeet durch den Wald laufen. „Jetzt werden die Wege viel besser genutzt“, sagt Siegert. Damit hätte auch das Wild mehr Ruhe. Wie sich solche Warnungen aber auf den Tourismus auswirken, ist bislang kaum abzuschätzen. Manchen Gast wird so ein Hinweis zweifellos verwundern.