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Freitag, 12.01.2018

Wie Fremde Freunde werden

Sozialpädagogin Christin Schreiter hat das Projekt begleitet und ihre Erkenntnisse Ministerin Köpping überreicht.

Von Heike Heisig

Das Projekt „Fremde werden Freunde“ ist abgeschlossen. Sozialpädagogin Christin Schreiter hat es begleitet. Ihre Erkenntnisse bündelte sie auf sechs A4-Seiten, die sie in Leisnig an Integrationsministerin Petra Köpping (dritte von rechts) übergab.
Das Projekt „Fremde werden Freunde“ ist abgeschlossen. Sozialpädagogin Christin Schreiter hat es begleitet. Ihre Erkenntnisse bündelte sie auf sechs A4-Seiten, die sie in Leisnig an Integrationsministerin Petra Köpping (dritte von rechts) übergab.

© Dietmar Thomas

Leisnig. In den Fluren des Leisniger Rathauses sind neue Fotos zu sehen. Sie zeigen Jugendliche, viele davon mit dunkler Hautfarbe. Fast immer haben sie Spaß – ob beim Umgang mit einem alten Pflug, nach der Ernte auf einem Heuwagen, auf großen Traktoren oder beim Verkleiden auf der historischen Burg Mildenstein. Die jungen Leute haben über den Sommer an einem Integrationsprojekt des Vereins Be-greifen auf dem Archehof in Klosterbuch teilgenommen. Es sind Geflüchtete, die in Einrichtungen in Döbeln, Großweitzschen, Mittweida, Frankenberg und Zug leben oder gelebt haben. In Klosterbuch zeigten ihnen die Vereinsmitglieder, dass das Leben auf dem Land durchaus eine Bereicherung sein kann. Partner wie Landwirtschaftsbetriebe halfen dabei und stellten für junge Männer interessante Technik vor. Aber auch beim Melken einer Kuh stellten sich diejenigen ziemlich geschickt an, die Landwirtschaft schon aus ihrer Heimat kennen.

Inzwischen ist das Projekt „Fremde werden Freunde – Leben auf dem Land – im Landkreis Mittelsachsen“ abgeschlossen. Die gleichnamige Ausstellung hat den Schlusspunkt gesetzt. Zur Eröffnung der Präsentation begrüßte Elsbeth Pohl-Roux vom Verein Be-greifen Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). „In Kooperation mit dem Lokalen Aktionsplan Mittelsachsen wird das Projekt unter dem Namen ,Wir lernen miteinander zu leben II – denn wir machen gemeinsam weiter‘ fortgeführt“, teilt das Sächsische Staatsministerium für Gleichstellung und Integration mit. Und dafür gibt es auch Zuschüsse. „In diesem Jahr stehen für die ehrenamtliche Tätigkeit von Vereinen und Verbänden, die über den Teil 1 der Richtlinie ,Integrative Maßnahmen’ gefördert werden kann, 7,5 Millionen Euro zur Verfügung“, so Ministeriumssprecherin Alexandra Kruse. Im Moment erhielten etwa 165 Projekte in Sachsen eine solche Förderung. Auch die EU unterstützt integrative Projekte im ländlichen Raum. Mittel können über das Leadergebiet Sachsenkreuz plus, zu dem Leisnig gehört, beim Regionalmanagement Planet in Kemmlitz beantragt werden.

Sozialpädagogin Christin Schreiter hat die Geflüchteten zwei Wochen lang beim Projekt auf dem Archehof und in den Partnereinrichtungen begleitet. Ihre Erkenntnisse hat sie auf sechs Seiten zusammengefasst und sie als kleinen Teil ihrer Masterarbeit an die Ministerin überreicht. Christin Schreiter kommt zu dem Schluss, dass sich insgesamt nur wenige Teilnehmer entschieden haben, wo sie perspektivisch leben wollen. Sie sieht die Bleibechance dort am größten, wo die jungen Leute eine Ausbildungs- und Arbeitsperspektive und sie sich schon ein Netzwerk aufgebaut haben. Das wiederum könnte auch für manchen ländlichen Raum, in dem immer weniger Menschen leben wollen, eine Zukunft bedeuten. Wichtig sei nach Meinung der Sozialpädagogin, dass das Umfeld stimmt, die Menschen offen miteinander um- und aufeinander zugehen. Das alles habe Christin Schreiter in Klosterbuch vorgefunden.