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Donnerstag, 05.10.2017

Wie Franziskus um Reformen kämpft

Vor zwei Jahren rief der Papst die Bischöfe zusammen und diskutierte über Themen wie Liebe und Familie. Seitdem tobt ein Richtungsstreit in der Kirche.

Von Annette Reuther, Rom

Gegen Papst Franziskus, hier bei seiner Generalaudienz Ende September auf dem Petersplatz, hat sich eine Opposition formiert.
Gegen Papst Franziskus, hier bei seiner Generalaudienz Ende September auf dem Petersplatz, hat sich eine Opposition formiert.

© dpa

Dass einem Papst ketzerisches Verhalten vorgeworfen wird, ist schon ungewöhnlich. Dass dies mit einem offenen Brief geschieht, den mehr als 60 katholische Gelehrte unterschrieben haben, macht die Sache nicht besser. In dem Dokument mit dem lateinischen Namen „Correctio Filialis“ wird Franziskus Häresie vorgeworfen, also Abweichen von der Lehre. Auch wenn die Unterzeichner Traditionalisten und Hardliner sind und keine Kardinäle darunter sind, unterschätzt werden sollte das Ganze nicht. Es steht für die zunehmende Opposition gegen Franziskus. Im Kern geht es um die Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen oder eben nicht.

Begonnen hat die Eskalation vor zwei Jahren, als sich die Bischöfe der Welt vom 4. Oktober an im Vatikan versammelten, um über „heiße Eisen“ wie den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen zu reden. Bei der Familiensynode flogen die Fetzen, berichteten die, die dabei waren. Heraus kam eine wachsweiche Erklärung. Mittlerweile bringen sich die Gegner von Franziskus‘ Modernisierungskurs immer offener in Stellung.

Zielpunkt der Kritik ist das päpstliche Familien-Schreiben „Amoris Laetitia“, in dem Franziskus andeutet, dass wiederverheirateten Geschiedenen der Weg zu den Sakramenten nicht verwehrt werden darf. Für viele Konservative ist das ein Unding, ja ein Skandal, weil es den Lehren der Kirche widerspricht. Für viele Gläubige, vor allem in Ländern wie Deutschland, geht es dagegen nicht weit genug in Richtung Öffnung der Kirche. Zumindest die deutschen Bischöfe haben sich hinter das Schreiben gestellt. „Es gibt in der Kirche so eine Art Bürgerkrieg im Untergrund“, sagte der Vatikan-Autor Marco Politi. Die Familiensynode habe, wie in einer Parlamentsabstimmung, das wirkliche Kräfteverhältnis gezeigt, nämlich dass die Reformerlinie von Franziskus nicht von der Mehrheit getragen wurde. „Das Resultat war, dass die Konservativen und die Ängstlichen in der Mehrheit waren und klare Änderungen verhindert haben.“

Rebellion im Verborgenen

Man dürfe die Opposition im Vatikan nicht herunterspielen, so Politi. „Das Häresie-Dokument ist eine Eskalation, so was hat es noch nie gegeben.“ Die Gegner arbeiteten zwar nicht in Richtung eines Sturzes des Papstes, aber sie bereiteten die Zeit nach Franziskus vor: „Ziel der Bewegung ist vor allem, die nächste Papstwahl zu beeinflussen, bei der man sicher nicht mehr so einen starken Reformer wie Franziskus wählt“, so Politi.

Offiziell äußerte sich der Papst nicht zu seinen Kritikern. Einzig der Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin mahnte diplomatisch: „Der Dialog ist wichtig. Auch innerhalb der Kirche.“ Will heißen: Die Rebellion im Verborgenen ist der falsche Weg.

Auch zu dem Schreiben von vier Kardinälen, die zuvor in einem offenen Brief um Aufklärung über Zweifel an der Deutung von „Amoris Laetitia“ verlangten, hatte der Papst eisern geschwiegen. Die Kritik wird dadurch nicht verstummen, auch wenn zwei Verfasser dieses sogenannten „Dubia“-Briefes mittlerweile gestorben sind: Der deutsche Kardinal Joachim Meisner und der Italiener Carlo Caffarra.

Viele sind der Meinung, der Papst müsse mal auf den Tisch hauen, um für Ruhe zu sorgen. Immerhin bekam der Pontifex auch offene Unterstützung. In der Vatikan-Zeitung L’Osservatore Romano schrieb der Präsident des päpstlichen Familieninstituts, Pierangelo Sequeri, unlängst: „Basta mit den Beschwerden.“ (dpa)

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