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Donnerstag, 14.09.2017

Wie fahrradfreundlich ist Zittau?

Die Stadt Zittau baut ihr 51 Kilometer langes Radwegenetz aus. Den Grünen dauert das alles zu lange.

Von Mario Heinke

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Ein Radfahrer ist auf der Hochwaldstraße unterwegs.
Ein Radfahrer ist auf der Hochwaldstraße unterwegs.

© matthias weber

  • Ein Radfahrer ist auf der Hochwaldstraße unterwegs.
    Ein Radfahrer ist auf der Hochwaldstraße unterwegs.

Eines vorweg: Die Frage, ob das Radfahren in Zittau Spaß macht, beantwortet jeder anders. Die Palette der persönlichen Erfahrungen auf zwei Rädern reicht von „Als Radfahrer fühle ich mich als Mensch zweiter Klasse“ bis „Ich fahre in Zittau gern mit dem Rad“.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, das ist zumindest der Tenor einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend in den maroden Mauern des Zittauer Wächterhauses in der Inneren Weberstraße, zu der Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Sachsen eingeladen hatte. Rund 25 Interessierte folgten der Einladung, unter ihnen vier Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Die Basis der Diskussion bildeten die Ergebnisse einer Umfrage, des sogenannten Fahrradklima-Tests des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Ende 2016 forderte der Verein Radfahrer in ganz Deutschland auf, ihre Heimatstadt im Hinblick auf die Fahrradfreundlichkeit zu bewerten. Herausgekommen ist ein Zahlenwerk, dessen Aussagekraft zumindest Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, nicht anzweifelt.

Im aktuellen Test des ADFC belegt Zittau Platz 257 von 364 teilnehmenden Gemeinden mit einer Durchschnittsnote von 4,0. Beim letzten Test Ende 2014 stand Zittau mit einer Note von 4,1 nur geringfügig schlechter da. Zum Vergleich: Die fahrradfreundlichsten Spitzenreiter sind Münster und Karlsruhe, sie erreichten Noten von 3,07 und 3,09. Die Noten ergaben sich aus den Bewertungen der Umfrageteilnehmer, deren Antworten auf 27 Fragen in sechs Abstufungen von „eher ja“ bis „eher nein“ vorliegen. Sachsens ADFC-Chef räumte ein, dass die Umfrage nicht repräsentativ sei. So nahmen in Zittau nur 71 Radfahrer an der Umfrage teil, 68 Prozent davon Männer.

Stadtrat Matthias Böhm (Bündnis 90/Grüne) stellte fest, dass sich in Zittau für Radfahrer einiges zum Positiven entwickelt habe, woran er einen entscheidenden Anteil habe. Als Beispiele nannte er die Errichtung zusätzlicher Fahrradständer auf dem Markt und die Freigabe beider Fahrtrichtungen in einigen Einbahnstraßen für Radfahrer. Einen faden Beigeschmack hinterließ sein Versuch, den Bürgerentscheid zum autofreien Markt im Jahr 2016 als Erfolg zu verkaufen. Zur Erinnerung: Die Abstimmung scheiterte damals mangels Teilnahme, und die Zittauer stimmten mehrheitlich gegen einen autofreien Markt. Böhm wiederholte zudem seine Visionen von der autofreien Innenstadt, in der die Geschäfte aus einem Logistik-Center heraus mit Lastenfahrrädern beliefert werden sollen.

Baudezernent Ralph Höhne holte die Zuhörer wieder in die Realität zurück und verwies auf den Verkehrsentwicklungsplan und das integrierte Innenstadtverkehrskonzept, das auch vorsieht, die verbliebenen Löcher im Radwegenetz zu schließen. Dies sei allerdings immer nur im Rahmen der Gesetze und der finanziellen Spielräume möglich. Auf der Süd- und Hochwaldstraße sind Radstreifen auf der Fahrbahn entstanden. Im Zuge der Sanierung der Schrammstraße kämen weitere dazu, so Höhne. Die Stadt arbeite daran, Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder am Bahnhof und im Stadtzentrum zu schaffen sowie die Radtouristenströme besser zu führen. Weil der Stadtring eine Bundesstraße ist, prüfe man in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Bautzen, wie Radfahrer künftig gefahrloser den Stadtring befahren können.

Trotz aller Fortschritte kamen in der Debatte weitere Forderungen zusammen. So pocht Böhm auf schärferes Vorgehen gegen Falschparker und wünscht sich die Herstellung von „radfahrerfreundlichen Schaltungen“ der „Bettel-Ampeln“, deren Signale mancherorts erst nach 70 Sekunden umschalten. Die ADFC-Ortsgruppe Zittau unterbreitete ganz konkrete Vorschläge, beispielsweise wie Radtouristen vom Bahnhof besser in Richtung Oder-Neiße-Radweg geführt werden könnten.

Am Ende kritisierte Katja Meier die sächsischen Gemeinden, weil diese die bereitgestellten Fördermittel zum Neubau von Radwegen nicht abrufen würden. Vermutlich ist die verkehrspolitische Sprecherin die erste Grüne, die sich für die Bodenversiegelung von grüner Fläche ausspricht. Zittau bevorzuge Radstreifen auf der Fahrbahn, die seien billiger als Radwege, entgegnete der Baudezernent.