erweiterte Suche
Donnerstag, 05.10.2017

Wie eine Postkarte über Luxemburg und Israel zurück nach Deutschland kam

Ein Eisenbahnfan hat die Ansicht eines Dampfzuges, der vor 80 Jahren auf der Rosenthaler Brücke die Neiße überquerte, entdeckt und heimgeholt.

Sammler Günther Klebes hat diese Postkarte mit dem Dampfzug auf der Rosenthaler Brücke ersteigert.
Sammler Günther Klebes hat diese Postkarte mit dem Dampfzug auf der Rosenthaler Brücke ersteigert.

© privat

Im Zeitalter der sozialen Medien, von E-Mails und MMS-Nachrichten scheint die gute alte Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein. Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 68-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer, solche mit eisenbahnhistorischen Motiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansichtskarte mit einem Dampfzug auf einer Brücke der Neißetalbahn bei Rosenthal.

„Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen. Dort war sie als „Trainbridge of Germany‘ angeboten worden. Erst bei mir angekommen las ich auf der Rückseite Strecke Zittau - Görlitz“, sagt der Schulbusfahrer, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die die unterschiedlichsten Züge und Brücken in Sachsen zeigen, gehören schon länger zu seiner Sammlung, die bereits rund 600 Exponate umfasst. Aber eine Ansicht aus dem Neißetal fehlte dem passionierten Sammler noch. Wo genau die Brücke liegt, verriet ihm schließlich ein Eisenbahnfreund aus Zittau, zu dem er Kontakt aufnahm. Ursprünglich versandt wurde das Stückchen Fotopapier 1938 von Hirschfelde nach Mayen bei Koblenz am Rhein.

„Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Israel hatte“, erklärt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Wunschkarte auch noch zum Schnäppchenpreis von gerade einmal 1,50 Euro erwerben. „Das ist eigentlich viel zu billig“, kommentiert das der Käufer. Normalerweise wäre er sogar bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben. Schließlich handelt es sich hierbei um eine selten angebotene Karte. Diesen Preis musste er dann aber auch zahlen, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief dazu kam. Es gebe aber auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine Ansichtskarte hinblättern würden.

Wie das gute Stück von Deutschland nach Israel gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. „Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht“, sagt Klebes. Er hat sogar schon Karten aus Australien, Kanada oder Südafrika erworben. Es gibt sogar eigene Ausstellungen für die Karten. Seine Sammelwut in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: „Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten“, sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten wie der Ansichtskarte aus der Oberlausitz.

Der 68-jährige Klebes sammelt nach eigenem Bekunden begeistert „alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echten Lokomotiven“. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen - die so genannten „Rotkäppchen“ – neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll einschlägiger Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission, als Hobby nennt er „Bahn fahren“, und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 34 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt gefahren. Sehr oft ist er mit der Bahn unterwegs - frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel !“ Auch in der Oberlausitz war er schon auf Exkursion mit der Bahn, natürlich mit der Zittauer Bimmelbahn. (SZ)