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Samstag, 19.03.2016

Wie Dresden schneller Wohnungen bauen kann

Private Bauherren beklagen zu viele Auflagen und zu langsame Bürokratie. Die Bauverwaltung verspricht Besserung.

Von Bettina Klemm

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Wie hier an der Hepkestraße in Striesen entstehen derzeit viele neue Wohnungen – doch der Bedarf ist noch größter.
Wie hier an der Hepkestraße in Striesen entstehen derzeit viele neue Wohnungen – doch der Bedarf ist noch größter.

© Sven Ellger

In wenigen Monaten wird das Wohnviertel oberhalb des Alaunplatzes vollendet sein. Auf dem knapp 18 000 Quadratmeter großen Areal entstehen mehrere Typen von Häusern, darunter Garten- und Turmhäuser. Alles in allem entstehen 105 Eigentunswohnungen und Gewebeeinheiten. In den ersten beiden Abschnitten hat die Projektgesellschaft Wohnen am Alaunpark bereits 115 Wohnungen errichtet.

Das ist ein Beispiel für den privaten Wohnungsbau in der Stadt. 2 000 bis 3 000 neue Wohnungen sollen in Dresden jährlich entstehen, um den Bedarf zu decken. Die privaten Unternehmen haben großen Anteil daran. Doch welche Bedingungen braucht die Immobilienbranche, um effektiv zu arbeiten? Das war Thema des 6. Dresdner Immobiliengesprächs. Dazu hatte der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) Dresdens Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau, Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne), eingeladen. Manfred Kaiser, Chef der Projektgesellschaft Wohnen am Alaunpark, gehörte zu den Podiumsteilnehmern.

Problem 1: Baugenehmigungen müssen schneller erfolgen.

Es dauert oft zu lange, bis Baurecht besteht, kritisierte der Vorsitzende des BFW Mitteldeutschland, Frank Müller. Er fordert, möglichst auf aufwendige Bebauungsplanverfahren zu verzichten und nach einer vereinfachten Regelung zu entscheiden. Bürgermeister Schmidt-Lamontain stimmte zwar zu, dass die Genehmigungsverfahren oft zu lange dauern, aber er sprach sich grundsätzlich für B-Planverfahren aus. Mit ihnen könnten Konflikte besser gelöst werden. Der Bürgermeister hielt sich zwar mit offener Kritik an seinen Vorgängern zurück, aber er sei sehr verwundert, dass es in Dresden kaum B-Pläne auf Vorrat gebe. Zudem arbeiten in wichtigen Bereichen der Stadtverwaltung zu wenig Mitarbeiter.

Problem 2: Nicht für jede Wohnung einen Parkplatz bauen.

Ein Auto zu besitzen, ist heute vielen nicht mehr wichtig. Sie fahren mit dem Fahrrad und nutzen das Car-Sharing, wenn sie dennoch einmal ein Auto benötigen. Warum muss dann aber weiterhin für jede Wohnung ein Stellplatz geschaffen werden, fragen die Wohnungsbauunternehmen? Schmidt-Lamontain versicherte, das Konzept zu überarbeiten. Er könne sich Lockerungen vorstellen, nicht aber einen völligen Verzicht auf die Stellplatzsatzung.

Problem 3: Wohnungen für Geringverdiener werden benötigt.

Schmidt-Lamontain nutze das Forum auch, um seine Sorgen deutlich zu machen. Künftig werden deutlich mehr Wohnungen für Sozialhilfeempfänger und für Flüchtlinge benötigt. Der Bund legt dazu zwar Förderprogramme auf, aber bisher gebe es von privaten Unternehmen kaum Angebote zum Bau dieser sehr preiswerten Wohnungen. Die Sätze für die Kosten der Unterkunft für besonders Bedürftige liegen nur bei etwas über fünf Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Bei den heutigen Anforderungen an den Wohnungsbau sei es erforderlich, mit Quadratmetermieten zwischen neun und zwölf Euro zu rechnen, sagen die Bauherren. Mehrere Dresdner Wohnungsunternehmen können sich Fördervereinbarungen vorstellen, um Mieten von etwa sieben Euro für sogenannte Schwellenhaushalte zu sichern.

Problem 4: Private Wohnungsbauer lehnen eine neue Woba ab.

Die Vertreter der Praxis brachten einmal mehr ihre Ablehnung zur Gründung einer neuen Woba in Dresden zum Ausdruck. Aber einer müsse auch Wohnungen für besonders Bedürftige bauen, erklärte Schmidt-Lamontain. Deshalb sei eine neue Woba nicht die schlechteste Idee. Er verstehe die Angst der Branche diesbezüglich nicht: Es gehe um den Bau von etwa 2 000 Wohnungen in den nächsten zehn Jahren. Dresden hat rund 294 000 Wohnungen. Die Stadt sollte bestehende Wohnungen kaufen, um auch in Zukunft über genügend Sozialwohnungen zu verfügen, sagte Müller.

Problem 5: Die Stadt nennt zu hohe Leerstandszahlen.

In ihren offiziellen Dokumenten geht die Stadt immer noch von einem Leerstand von 20 000 Wohnungen aus. Branchenvertreter halten diese Zahlen für viel zu hoch. Konkrete Überprüfungen hätten das bestätigt, räumte auch Schmidt-Lamonatin ein. Konkrete Zahlen habe er aber noch nicht.

Problem 6: Mietspiegel soll künftig auch das Umland einbeziehen.

Derzeit werden in der Stadt die Daten für einen neuen Mietspiegel erhoben. Zwischen der Stadt und der Branche gibt es unterschiedliche Auffassungen zur Qualität des Mietspiegels. Künftig, so kündigte Schmidt-Lamontain an, soll ein regionaler Mietspiegel erarbeitet werden, der die Umlandgemeinden einbezieht.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Leser

    "Nicht für jede Wohnung einen Parkplatz bauen"? Laut der offiziellen Zahlen der Stadt Dresden, ist ist die Zahl der Kfz pro 1000 Einwohner von 2008: 433 Kfz auf 2013: 473 Kfz gestiegen. Wo jetzt der sinkende Bedarf an Stellplätzen abzuleiten ist, scheint fragwürdig. Das es für die Bauwirtschaft natürlich preiswerter wäre, ohne Stellplätze zu bauen, ist klar. Was das dann für die betroffenen Gebiete bedeuten würde, ist auch klar. Warum man dieses Problem erst schaffen sollte, ist dagegen völlig unklar!

  2. Martin

    Wohnungen für Geringverdiener werden benötigt? Ach, und das ist sicher erst seit einigen Tagen bekannt. :-/ Die Bauverwaltung verspricht Besserung bei der Bürokratie? Klar, beraten, prüfen, weiter prüfen, Gutachten erstellen, immer noch prüfen - Bürokraten eben.

  3. Berg

    Diese "Wohnungen für Geringverdiener" standen zu Hunderten in Dresden leer, weil die darin Wohnenden nach der Wende gutes Geld verdienten und auszogen, in eigene vier Wände, in die grünen Vorstädte.Natürlich waren diese Wohnungen einfache, kleine, schlichte Etagenwohnungen, aber meist mit bester Aussicht vom Balkon. So blieben in den einfachen Wohnungen die einfachen Leute und das Viertel geriet in Verruf. Klassengesellschaft eben. Dass jemand mit (vorübergehend) schmalem Geldbeutel nicht Mieten in teuren Quartieren zahlen kann, leuchtet jedem ein. Umgekehrt aber muss es genügend teure Wohnungen für zahlungskräftige Leute geben.

  4. Mario

    Schon komisch, erst wird Wohnraum vernichtet. (Gorbitz, Straßburger Platz, Stübelallee, ...) und dann neuer Wohnraum gebaut. verstehe das wer will.

  5. kein Fan

    Wie ware es den, wenn man das private Investment in Wohnungen nur etwas attraktiver macht? Der böse Vernieter will nur unser Geld.

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