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Mittwoch, 06.12.2017

Wie der Weihnachtsbaum nach Rothenburg kam

Mehrere Einwohner wollten ihren Baum spenden. Doch als sie fürs Aufstellen mit bezahlen sollten, zogen sie zurück.

Von Frank-Uwe Michel

Schön sieht er aus, der Weihnachtsbaum auf dem Markt in Rothenburg. Doch bevor er aufgestellt werden konnte, gab es einige Verwicklungen. Das Ergebnis: Die Stadt hat letztlich selbst für Transport und Aufstellen bezahlt, obwohl man dafür eigentlich den Spender des Baums mit heranziehen wollte.
Schön sieht er aus, der Weihnachtsbaum auf dem Markt in Rothenburg. Doch bevor er aufgestellt werden konnte, gab es einige Verwicklungen. Das Ergebnis: Die Stadt hat letztlich selbst für Transport und Aufstellen bezahlt, obwohl man dafür eigentlich den Spender des Baums mit heranziehen wollte.

© André Schulze

Der Rothenburger Marktplatz mit dem wundervoll beleuchteten Weihnachtsbaum darauf – ein tolles Bild. Voller Harmonie und festlicher Vorfreude. Die gab es im Vorfeld bei Weitem nicht, war das Ringen um den Weihnachtsbaum in diesem Jahr doch ein ganz besonderes.

Lange vor den Festtagen hatten sich – wie auch in früheren Jahren – mehrere Rothenburger bei der Stadtverwaltung gemeldet, um einen auf ihrem Privatgrundstück wachsenden Nadelbaum zum Weihnachtsbaum der Neißestadt zu machen. Die Kommune sollte das grüne Ungetüm geschenkt bekommen. Natürlich nicht ganz uneigennützig. Denn in den meisten Fällen störte der Riese irgendwie. Und so wollte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Platz schaffen im Garten und der Allgemeinheit noch etwas Gutes tun.

Doch das Interesse erlosch urplötzlich, als sich herausstellte, dass die Stadt nichts zum Nulltarif geschenkt bekommen wollte, stattdessen auch noch die Hand aufhielt, um ein paar Scheinchen zu kassieren. 200 Euro Selbstbeteiligung sozusagen. Nicht für einen Versicherungsvertrag, sondern zum Bezahlen des Kranes, der fürs Aufstellen des Weihnachtsbaumes nötig war. So spendabel zeigten sich die Rothenburger dann doch nicht.

Das Geschenk nicht noch bezahlen

Einer, der seinen Baum angeboten und dann zurückgezogen hatte, macht seinem Ärger Luft: Die Stadt solle doch froh sein, dass sie einen Baum umsonst bekomme und nicht dafür bezahlen müsse. Zusätzlich zum Geschenk noch Geld draufzupacken, gehe gar nicht. Ein anderer potenzieller Weihnachtsbaumspender bringt es auf den Punkt: Dies sei eine Frechheit, meint er unverblümt. Wenn man schon Geld fürs Aufstellen brauche, solle man sich doch in der lokalen Wirtschaft Sponsoren suchen, aber nicht dem Spender noch den fälligen Betrag aufdrücken. Um Geld einzuspielen, könne man den ausgedienten Weihnachtsbaum im neuen Jahr ja als Feuerholz verkaufen.

Auch ein dritter verhinderter Spender ist nicht gerade amüsiert: Wenn die Stadt nicht in der Lage sei, eine vernünftige Lösung zu finden, gehe die Tanne eben durch den Kamin. Dafür müsse er kein Geld auf den Tisch legen, die Kommune aber schaue in die Röhre.

Dass sie das nicht tut, ist einer internen Entscheidung im Rathaus zu verdanken. Bürgermeisterin Heike Böhm, die das „Kuddelmuddel“ um den diesjährigen Weihnachtsbaum und das Medien-Interesse an der Aktion nicht recht verstehen kann: „Wer privat einen Baum fällen lässt, muss auch dafür bezahlen.“ Nicht viel anders sei das im vorliegenden Fall: „Wir haben jedes Jahr einen Kran geordert und die Leute dann gefragt, ob sie sich an den Kosten zum Aufstellen des Baumes beteiligen wollen – sozusagen als Ersatzleistung für die Fällkosten.“ Dieses Mal jedoch hätten alle angefragten Bürger abgewinkt, als es um die Mitfinanzierung ging. „Weil wir natürlich auf dem Markt einen Weihnachtsbaum brauchen, haben wir uns das schönste Exemplar ausgesucht. Die Stadt bezahlt die Kranrechnung nun komplett.“ Im Übrigen könne jede Kommune selbst entscheiden, wie sie zu ihrem Weihnachtsbaum komme, ob sie sich das Aufstellen anteilig bezahlen lasse oder die Kosten selbst übernehme.

Mit ihrem angedachten Bürgersponsoring steht die Stadt Rothenburg jedoch allein auf weiter Flur. SZ-Nachfragen in Niesky, Kodersdorf und Rietschen ergaben ein eindeutiges Bild: Nirgendwo werden Bürger für das Aufstellen des Weihnachtsbaumes finanziell herangezogen. In Niesky hatte man nach Angaben von Eberhard Mrusek, dem stellvertretenden Bauhofleiter, früher ein Unternehmen, das sich daran beteiligte. Inzwischen werden die Kosten vollständig von der Stadt getragen. In Kodersdorf bedient man sich entweder aus eigenen Beständen oder greift auf Bäume zurück, die von Einwohnern angeboten werden. Der Bauhof beurteilt dann, welches Exemplar sich günstig fällen und abtransportieren lässt. In Rietschen wiederum kann man darüber nur müde lächeln. Bürgermeister Ralf Brehmer: „Unser Weihnachtsbaum besitzt eine Wurzel“, schmunzelt er. Das bedeutet: „Er steht fest in der Erde. Wir müssen nur aufpassen, dass er richtig wächst.“ Der Bauhof hat hier lediglich die Aufgabe, mit der Lichterkette für den richtigen Weihnachtsglanz zu sorgen.

Auch wenn der Ärger noch nicht ganz verflogen ist – der hell erleuchtete Hingucker auf der Stirnseite des Marktplatzes in Rothenburg macht einen guten Eindruck. Vor allem auch deshalb, weil sich die Stadt eine neue Baumbeleuchtung geleistet hat. Die kalt-weißen Lichterketten der vergangenen Jahre waren in die Kritik geraten, deshalb hatte man schon beizeiten entschieden, für neues warm-weißes Licht zu sorgen. Acht Ketten umschlingen jetzt den Baum und machen ihn zum höchsten und am hellsten strahlenden Weihnachtsbaum von Rothenburg.