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Freitag, 01.09.2017

Wetten auf die Wahlen

Gehen mehr wählen, hilft das der Grundschule Berggießhübel. Dafür setzt Marcus Renz sogar Geld. Das sind ihm Demokratie und Heimat wert.

Von Heike Sabel

Liegt die Wahlbeteiligung im Landkreis zur Bundestagswahl mindestens bei 77 Prozent, ist die Wette für Berggießhübel gewonnen.
Liegt die Wahlbeteiligung im Landkreis zur Bundestagswahl mindestens bei 77 Prozent, ist die Wette für Berggießhübel gewonnen.

© dpa

Berggießhübel. Wählen und wetten hat auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Wählen ist ernsthaft und wichtig und wetten so eine Sache. Man kann damit gewinnen oder verlieren. Marcus Renz ist eigentlich kein Spieler oder Wetter, aber die Idee dieser Wette gefällt ihm.

Liegt die Wahlbeteiligung im Landkreis zur Bundestagswahl am 24. September mindestens bei 77 Prozent, ist die Wette schon gewonnen. Die Berggießhübler Grundschule bekommt dann mindestens den Wetteinsatz von 300 Euro, wahrscheinlich aber sogar mehr. Das hängt davon ab, wie viele Schulen bundesweit mitmachen und wo überall die Wahlbeteiligung diesmal sechs Prozent höher ist als vor vier Jahren. In den Landkreisen der teilnehmenden Schulen, wo das Wettziel nicht erreicht wird, wandert das Geld in den Jackpot und wird auf die anderen aufgeteilt. Die 300 Euro Einsatz hat Marcus Renz zusammen mit Freunden und Familie aufgebracht. Er hofft nun auf viele Wähler – aus zweierlei Gründen: weil er es für wichtig für die Demokratie hält und weil er seiner alten Schule das Geld gönnt.

Renz ist 40, gebürtiger Berggießhübler und arbeitet inzwischen in Berlin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit als Projektmanager für den Klimaschutz. Er wirbt nun natürlich für die Wahlen und seine ehemalige Schule. „Überparteilich, denn hier geht es nicht um eine Partei, sondern dass man eben wählen geht“, sagt Renz. „Die Leute rennen zu jedem Tag der offenen Tür, aber zur Wahl alle vier Jahre bleiben sie bei Regen zu Hause.“ Die Aktion „Wählen macht Schule“ der „Stiftung für mehr Denken und Handeln“ ermögliche, vor den Wahlen darüber zu reden und nicht erst hinterher rumzumotzen, sagt Renz.

Und auch wenn die Berggießhübler Grundschule am Ende leer ausgehen sollte, „das Geld ist ja nicht weg“, sagt Renz. „Es hat etwas bewegt.“ Einen Sieg hat die Schule schon errungen. Sie ist dank Marcus Renz die erste in der Bundesrepublik, für die die 300 Euro Einsatz erreicht sind.

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