Donnerstag, 29.11.2012

Werbung fürs Welterbe

Die Unesco-Expertin Britta Rudolff hat die Bewerbung aus Hellerau präsentiert. Doch es gibt Bedenken gegen die Titel-Ambitionen.

Von Franziska Schneider

Britta Rudolff ist Welterbe-Expertin von der TU Cottbus. Sie unterstützt den Hellerauer Verein bei der Bewerbung. Foto: Sven Ellger
Britta Rudolff ist Welterbe-Expertin von der TU Cottbus. Sie unterstützt den Hellerauer Verein bei der Bewerbung. Foto: Sven Ellger

Wenn Britta Rudolff über Hellerau referiert, kommt sie ins Schwärmen. Während hinter ihrem Rücken Fotos aus der Gartenstadt vorbeiflimmern, historische Ansichten, Luftbilder, spricht sie an diesem Dienstag über die Innovationskraft des Festspielhauses und die lebendige Geschichtlichkeit des Ortes: Expertenvokabular für die Bürger Helleraus, die der Einladung ins Festspielhaus gefolgt sind und die Faszination dieses Stadtteils jeden Tag erleben.

„Hellerau ist mehr als eine Gartenstadt“, sagt Rudolff. Sie ist Welterbe-Expertin von der TU Cottbus und hat ihren Vortrag zuletzt im März vor Vertretern des sächsischen Innenministeriums gehalten. Damals hatte sich eine Bürgerinitiative auf Landesebene für den Titel stark gemacht und Rudolff half bei den Bewerbungsunterlagen. Inzwischen haben die Hellerauer diese erste Hürde gemeistert und hoffen, bald auf der deutschen Bewerberliste für den Welterbetitel zu stehen. Aus der Initiative ist der Verein „Weltkulturerbe Hellerau“ entstanden. Britta Rudolff soll im nächsten Jahr die Bewerbungsunterlagen für die Unesco vorbereiten, drei dicke hochwissenschaftliche Kompendien wird sie zusammenstellen. „Wir müssen nachweisen, dass wir den Titel verdienen“, sagt Fritz Straub von den Deutschen Werkstätten, der im Vereinsvorstand sitzt. Etwa 200 bis 250.000 Euro wird das kosten, Straub und der Verein werben jetzt das Geld dafür ein. Der Enthusiasmus beim Vortrag von Britta Rudolff zeugt jedoch von mehr als ihrer Verbundenheit zu ihrem Auftraggeber. In Hellerau im Festspielhaus zu stehen, das sei „die Motivation von Welterbeexperten für unsere Arbeit“, sagt sie.

Der Verein wollte mit dem Referat und der Versammlung im Festspielhaus vor allem bei den Bürgern für die Titel-Ambitionen werben. Denn neben der Begeisterung des Welterbevereins für die Initiative gibt es auch Skeptiker. Werden sich die Mieten in Hellerau erhöhen, sobald der Titel da ist? Wird es dann neue Schutzauflagen für Eigenheimbesitzer geben? Wie steht die Mehrheit der Hellerauer zu der Bewerbung? Rudolff bestätigte, dass in Welterbestätten der Wert der Grundstücke innerhalb der ersten zehn Jahre um 5 bis 7 Prozent steige. Dies könne sich auch auf die Mieten durchschlagen. Wie in anderen Welterbestätten hätten kleinere Bausünden auch in einem Unesco-Gebiet Bestandsschutz. „Ihre Garage müssen Sie deshalb nicht abreißen“, sagt sie. Unter Denkmalschutz stehe die Siedlung ja bereits.

In den nächsten Monaten will Rudolff zudem mehrere Bürgerbefragungen durchführen und einen Managementplan erarbeiten. Der soll etwa klären, wie Besucherströme durch Hellerau geleitet und dadurch Gelder gewonnen werden können. Britta Rudolff wird noch öfter Gelegenheit zu einem Vortrag in Hellerau haben.