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Samstag, 20.02.2016 Wellers Woche

Wer lädt schon Pegida ein?

Zum großen Fest für Flüchtlingshelfer wurde angeblich versehentlich Siegfried Däbritz berufen. Vielleicht war es Absicht.

Von Andreas Weller

Dieses Foto postete Däbritz auf Facebook.
Dieses Foto postete Däbritz auf Facebook.

Große Sorge um unseren Ministerpräsidenten: In seinem Namen wurden 2 000 Flüchtlingshelfer zur großen Sause nach Dresden zitiert. Unter den Eingeladenen ist auch einer der Pegida-Organisatoren – Siegfried Däbritz. Bevor die Staatskanzlei jetzt vorschnell ruft: Wer kennt es nicht? Da muss ein Mitarbeiter mit der Maus am Computer ausgerutscht sein. Dadurch hat sich versehentlich der Name aus der „schwarzen Liste“ auf die der Helfer übertragen. Es kann auch völlig anders sein.

Gut möglich, dass Däbritz als eine Art Ehrengast geplant war. Zu jeder guten Party gehört auch ein Depp, Entschuldigung, ein Däbritz. Was liegt näher, als wenn Flüchtlingshelfer mit Asylfeinden mal so richtig abtanzen. Das Ganze könnte als eine Art Wettkampf gestaltet werden: Wer verliert, der fliegt. Also, entweder Pegida oder die Flüchtlinge. So einfach kann Bundespolitik gelöst werden. So geht eben sächsisch, könnte man beinahe sagen.

Es kann aber auch sein, dass Däbritz auf die Liste geschmuggelt wurde. Alte FDP-Connection oder so. Denn Däbritz war mal in der Partei mit den wenigen Prozenten und Dresdens Oberbürgermeister ist es, auch wenn Dirk Hilbert das lieber verheimlicht. Vielleicht hat er seinen Einfluss geltend gemacht. Schließlich will Hilbert ja mit fast allen reden, und bei einer richtigen Party – mit Bier, von Mann zu Mann – kann man so einiges klären.

Auch wenn die Party erst am kommenden Freitag steigt, wir haben den Dialog vorab belauscht: „Öhm äh, Siggi, äh, Herr Däbritz, wie war das gleich?“ Antwort: „Nenn mich Siggi, Dirk. Coole Party, die der MP hier macht. Aber, warum hat der mich eingeladen? Hab mit den Helfern doch nix zu tun.“ OB Hilbert: „Öhm äh, das war ich. Wollte mal reden, und auf eure Bühne lasst ihr mich ja nicht. Finde ich übrigens nicht so gut, was ihr da so sagt. Also, äh, vor allem Bachmann und Festerling.“

Während das Gespräch so dahinplätschert, tanzen immer wieder Flüchtlingshelfer Däbritz an. Der merkt erst gar nicht, dass sein Knopf im Ohr weg ist, das Handy fehlt und die vorher bereits leere Brieftasche auf dem Boden liegt. „Dirk, echt nett von dir, so.“ Dann holt Hilbert zum großen Schlag aus: Denn die Flüchtlingshelfer sind eine Sekte, ein abgekartetes Spiel, um Däbritz umzudrehen. Der wird nach und nach mit Musik in Trance versetzt, bis er völlig wehr- und willenlos ist.

Was genau mit Däbritz bei der Party passiert ist, weiß der am nächsten Morgen nicht mehr. Aber am drauffolgenden Montag springt er auf die Pegida-Bühne, plärrt ins Mikro, Bachmann und Festerling seien Rassisten. Der gerade genesene Bachmann guckt erst erbost, schaut dann Festerling in die Augen. Wie aus einem Mund sagen sie: „Stimmt eigentlich! Irgendwie auch blöd. Wenn das so ist, können wir das hier auch auflösen.“ Das war es dann mit der traurigen Geschichte der besorgten Bürger, die ihre Anführer verloren. Stimmt aber nicht.