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Donnerstag, 23.04.2015

Wer hat Herbert vergiftet?

Ein Hund hat offenbar in der Nassau ausgelegte Köder gefressen und ist gestorben. Weitere Hunde überlebten nur knapp.

Von Philipp Siebert

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Geblieben ist Katja Vitense von ihrem verstorbenen Labrador-Mischling Herbert nur dieses Foto. Bei einem Spaziergang in der Nassau hat der Rüde eines der vergifteten Leckerlis gefressen, die von Unbekannten dort ausgelegt worden sind. Nun hofft die Weinböhlaerin, dass die Täter gefasst werden. Fotos: privat
Geblieben ist Katja Vitense von ihrem verstorbenen Labrador-Mischling Herbert nur dieses Foto. Bei einem Spaziergang in der Nassau hat der Rüde eines der vergifteten Leckerlis gefressen, die von Unbekannten dort ausgelegt worden sind. Nun hofft die Weinböhlaerin, dass die Täter gefasst werden. Fotos: privat
  • Geblieben ist Katja Vitense von ihrem verstorbenen Labrador-Mischling Herbert nur dieses Foto. Bei einem Spaziergang in der Nassau hat der Rüde eines der vergifteten Leckerlis gefressen, die von Unbekannten dort ausgelegt worden sind. Nun hofft die Weinböhlaerin, dass die Täter gefasst werden. Fotos: privat
    Geblieben ist Katja Vitense von ihrem verstorbenen Labrador-Mischling Herbert nur dieses Foto. Bei einem Spaziergang in der Nassau hat der Rüde eines der vergifteten Leckerlis gefressen, die von Unbekannten dort ausgelegt worden sind. Nun hofft die Weinböhlaerin, dass die Täter gefasst werden. Fotos: privat

Katja Vitense ringt um Fassung. Und um die richtigen Worte. Der jungen Frau aus Weinböhla fällt es schwer, über den Tod ihres Hundes Herbert zu sprechen. Am vergangenen Freitag musste der Labrador-Mischling nach einer notärztlichen Behandlung eingeschläfert werden.

Was war passiert? Einen Tag vor Herberts Tod stellte Katja Vitense fest, dass es ihrem achtjährigen Rüden plötzlich immer schlechter ging. „Am Mittwoch war er noch mit einer Hundegruppe hinter dem Möbelmarkt in der Nassau spazieren. Am Donnerstagmittag begann er dann, am ganzen Körper zu zittern“, sagt die 33-Jährige. Herbert ging es zunehmend schlechter, er erbrach sich mehrmals, torkelte, verkrampfte, schaute nur noch apathisch. „Ich bin sofort zum Tierarzt“, sagt Katja Vitense. Herbert bekam Infusionen, die Blutwerte wurden kontrolliert. „Ihm ging es so schlecht, dass er über Nacht in der Praxis bleiben musste“, sagt sie.

Am nächsten Morgen, um kurz nach acht, klingelt dann das Telefon. „Die Ärztin sagte, die roten Blutkörperchen würden sich zersetzen“, erinnert sich Katja Vitense. Die schreckliche Diagnose: Herbert verblutet innerlich. Eine Aussicht auf Heilung bestünde nicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte der Hunde beim Gassigehen vergiftetes Futter gefressen. „Wir sind wieder in die Praxis gefahren und haben uns dort schweren Herzens dazu entschieden, ihn von seinem Leid zu erlösen.“

Schon sieben erkrankte Tiere

Behandelt wurde Herbert in der Tierarztpraxis von Dr. Antje Naumann in Coswig. Das Schicksal des Rüden ist kein Einzelfall, sagt sie. Immer wieder brachten aufgeregte Hundebesitzer ihre Vierbeiner in den letzten zwei Wochen zu ihr. Nachdem sie vom Spazierengehen wieder zu Hause waren, ging es den Hunden plötzlich sehr schlecht, berichteten die Besitzer. „Insgesamt sind es bisher sieben Fälle bei mir“, sagt die Tierärztin.

Die Symptome waren bei allen Hunden gleich: Zittern, blutiges Erbrechen, Blut im Stuhl und Bauchkrämpfe. Ihr Verdacht, dass der Grund für die schweren Erkrankungen der Tiere Giftköder sein könnten, bestätigte sich schließlich vor zwei Tagen. „Ein Hund erbrach ein Wurststück, in das Tabletten eingewickelt waren“, sagt die Tierärztin.

Um welche Art von Tabletten es sich dabei handelt, kann sie nicht sagen. Möglich sei Rattengift – das wirke ähnlich langsam wie im Fall von Herbert. „Jetzt müssen Laboruntersuchungen klären, was das für Tabletten sind.“

Solange noch unklar ist, wer für die Taten verantwortlich ist, sollten Hunde an der Leine geführt werden, rät die Tierärztin. Bei Verdacht könnten zuerst die Schleimhäute der Vierbeiner untersucht werden. „Wird das Zahnfleisch weißlich oder bekommt Punkte, ist das ein Indiz“, sagt sie. „Wer sich nicht sicher ist, sollte sofort zum Arzt gehen. Ist es wirklich eine Vergiftung, zählt jede Minute.“

Um die Sache aufzuklären, hat die Tierärztin zudem die Polizei eingeschaltet. In der Polizeidirektion in Dresden sind inzwischen mehrere Anzeigen eingegangen, bestätigt Polizeisprecherin Ilka Rosenkranz. Fälle aus der Nassau, im Gebiet zwischen Weinböhla und Niederau, sind den Beamten bekannt. Ebenso habe es Hinweise vom Elberadweg in Meißen und Coswig gegeben. „Den sichergestellten Köder lassen wir nun untersuchen“, versichert die Beamtin. Unklar ist jedoch, wann. Noch sei nicht geklärt, wer dafür zuständig ist – die Veterinärmediziner vom Landkreis Meißen oder doch die Gerichtsmedizin.

Gleichzeitig haben die Polizisten die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen. „So makaber es klingt, Hunde sind laut Gesetz eine Sache. Aber wir prüfen gleichzeitig, inwieweit in diesem Fall das Tierschutzgesetz greift“, erklärt Ilka Rosenkranz.

Die Polizisten bitten Hundehalter und Bürger zudem um Mithilfe. „Wer Hinweise zu den Tätern geben kann oder verdächtiges Futter findet, kann sich in jeder Polizeidienststelle melden.“

Katja Vitense und ihrem toten Labrador-Mix Herbert können die nicht mehr helfen. Aber sie will dazu beitragen, den Täter zu fassen. „Ich bin unsere üblichen Gassistrecken mehrmals abgegangen und habe selbst Wurstpellen im Gras gefunden.“ Die werde sie nun der Polizei übergeben, sagt die Weinböhlaerin energisch.

Einen Moment später ringt Katja Vitense wieder um Fassung. „Eigentlich wollten mein Lebensgefährte und ich im Sommer mit Herbert in die Toskana fahren“, sagt sie. Einen neuen Hund will sich das Paar vorerst nicht anschaffen. „Keiner kann Herbert ersetzen“, so die junge Frau, „wir wollen nur wissen, wer dafür verantwortlich ist.“

Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter 0351 4832233 entgegen.