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Montag, 02.10.2017

Wer hängt vergiftete Bratwürste in den Wald?

Ein kleiner Hund wäre beinahe gestorben. Jetzt ermittelt die Polizei in dem ungewöhnlichen Fall in Lehn bei Hochkirch.

Von Jana Ulbrich

Beinahe wäre Pudelmischling Charlie vergiftet worden. Sein Frauchen, Martie Hoogcarspel aus Lehn, hat kein Verständnis für diese Art Tierquälerei.
Beinahe wäre Pudelmischling Charlie vergiftet worden. Sein Frauchen, Martie Hoogcarspel aus Lehn, hat kein Verständnis für diese Art Tierquälerei.

© Uwe Soeder

Lehn. Charlie kuschelt sich ans Frauchen. Martie Hoogcarspel streicht ihrem kleinen Mischlingspudel liebevoll übers Fell. Eine ganze Nacht hat sie am Hundebett gesessen und den Tropf gehalten. „Gott sei Dank, er lebt“, sagt die Chefin vom alten Gestüt im Hochkircher Ortsteil Lehn.

Am Wochenende wäre Charlie beinahe gestorben – wahrscheinlich vergiftet mit einem Stück Bratwurst. Dabei hat das Gift bestimmt nicht ihrem kleinen Mischling gegolten, ist Martie Hoogcarspel sich sicher. Am Freitag, erzählt sie, war sie wie immer mit dem Hund auf ihrer Spazierrunde hinaus zum Wäldchen am Kuppritzer Wasser. Abends wurde der Hund plötzlich ganz wacklig auf den Beinen. Er ist getaumelt wie ein Betrunkener, schildert die 54-Jährige. Charlie hat Schaum vor dem Maul, erbricht sich, wird immer schwächer. Die Tierärztin diagnostiziert eine Vergiftung. Es ist nicht klar, ob der Hund überlebt.

Am nächsten Tag geht Martie Hoogcarspel noch einmal die Gassi-Runde ab. Da entdeckt sie die Bratwürste: Nur drei Meter von der Straße entfernt hängen sie in rund 40 Zentimeter Höhe in einem Baum. Und da erinnert sie sich auch, dass der Hund an dieser Stelle lange herumgeschnüffelt hatte. So wie das junge Rüden eben machen. Sie hatte nicht besonders darauf geachtet und die Würste auch nicht gesehen. Sie ruft die Tierärztin an. Die rät ihr, zur Polizei zu gehen. Mit Handschuhen nimmt Martie Hoogcarspel die Würste vom Baum, steckt sie in eine Plastiktüte und bringt sie zum Bautzener Polizeirevier. Sie sind jetzt ein Fall für die Kripo und werden kriminaltechnisch untersucht. Bis ein Ergebnis vorliegt, wird es aber noch einige Zeit dauern, befürchtet Polizeisprecher Thomas Knaup.

Martie Hoogcarspel versteht nicht, was da passiert ist im idyllischen Hochkircher Ortsteil Lehn. „Wer hängt denn vergiftete Bratwürste in den Wald?“, fragt sie. „Und vor allem: Warum?“ Sie weiß, dass es viele Leute gibt, die mit Wildtieren Probleme haben, sagt sie. „Aber ein Tier auf diese Weise zu vergiften, das ist doch Quälerei.“

Die Polizei ermittelt jetzt wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Der kleine Pudelmischling bekommt immer noch Medikamente. Liebevoll streicht Martie Hoogcarspel ihrem Charlie übers Fell.