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Mittwoch, 14.02.2018

Wenn sich die Blase meldet

In Radebeul gibt es zu wenig öffentliche Toiletten, beklagen Bürger. Touristen würden sie gar nicht erst finden.

Von Nina Schirmer

Für 20 Cent kann man sich auf dem öffentlichen WC am Anger in Altkötzschenbroda erleichtern. Für Ortsunkundige ist die Toilette allerdings nicht ausgeschildert.
Für 20 Cent kann man sich auf dem öffentlichen WC am Anger in Altkötzschenbroda erleichtern. Für Ortsunkundige ist die Toilette allerdings nicht ausgeschildert.

© Norbert Millauer

Radebeul. Von allen nervigen Situationen ist das wohl eine der unangenehmsten: Man muss eilig zur Toilette aber weit und breit ist kein stilles Örtchen in Sicht. Da steigen schnell die Schweißperlen auf die Stirn, erst recht, wenn man sich in der Stadt überhaupt nicht auskennt. Woher soll man als Ortsunkundiger auch wissen, wo das nächste öffentliche WC steht? Das Problem könnten auch viele Touristen in Radebeul haben, glauben Christine und Jürgen Harnisch. Mit einem Brief haben sie sich an die Stadt und die SZ gewandt. „Radebeul hat sich gut entwickelt und ist zu einer begehrten Touristenstadt geworden. Ob Winzer- und Weinfeste, Weinlese, Indianerfest, Schmalspurbahn, Schloss Wackerbarth und, und, und“, schreiben sie. Doch wenn sich bei den Gästen plötzlich die innere Stimme meldet, hätten sie es schwer. „Ja, wo findet denn der Suchende seine Erlösung auf einem „Öffentlichen Örtchen“ in Radebeul? Ja, wo denn? Die Insider finden die wenigen versteckten ÖÖ, aber der Tourist, der Gast, der Besucher? Erst Kaffee to go dann WC go, ja wo, wo, wo?“, fragen die Radebeuler.

Eine öffentliche Toilette gibt es am Anger in Altkötzschenbroda, die vor allem zum Weihnachtsmarkt und Weinfest gut besucht ist. Wer als Ortsunkundiger an einem normalen Tag nach Radebeul kommt, hat es aber nicht leicht, sie zu finden. In der Bahnhofstraße stehen zwar Schilder, die zum Elberadweg, zur Stadtgalerie und anderen touristischen Zielen weisen. Einen Hinweis auf die Toiletten findet man dort aber nicht. Auch am wenige Gehminuten entfernten Bahnhof Kötzschenbroda sucht man vergeblich nach einem Toilettenwegweiser. Gleiches Spiel in Radebeul-Ost. Dort gibt es ein öffentliches Klo an der Meißner Straße, in der Nähe der Kreuzung zur Hauptstraße. Wer nichts von diesem Standort weiß, hat aber schlechte Karten. Ausgeschildert ist das stille Örtchen nämlich nicht. Auch das WC im Kulturbahnhof finden wohl nur Kenner.

Immerhin: Die Toiletten sind sauber. Genügend Klopapier steht bereit, die Seifenspender sind gefüllt, Waschbecken und Händetrockner funktionieren. Kein Ekelalarm. Aber könnten nicht ein paar Wegweiser aufgestellt werden, damit auch Ortsfremde die Schüsseln finden? Darüber müsse man sich im Rathaus verständigen, sagt Stadtsprecherin Ute Leder. Sie verweist darauf, dass zwei öffentliche Toiletten auch in einer Karte auf der Internetseite der Touristinformation eingetragen sind. Die auf dem Anger in Altkö und die im Kulturbahnhof. Zukünftig wolle die Touriinfo in Flyern und Stadtplänen nicht nur die öffentlichen Parkplätze, sondern auch die Toiletten eintragen.

Was die Anzahl der öffentlichen Klos anbelangt, hinkt Radebeul zumindest im Vergleich mit den Nachbarstädten nicht hinterher. In Coswig gibt es eine am Wettinplatz, die kostenlos genutzt werden kann. Auch in Meißen steht nur ein Toilettenhäuschen am Roßmarkt. In den meisten Städten, so auch in Radebeul, gibt es zusätzlich Toiletten im Rathaus. In größeren Supermärkten, zum Beispiel im Kaufland, findet man auch ein stilles Örtchen. Und bald kommt in Radebeul noch eines dazu. An der Schildenstraße neben dem Karl-May-Hain wird zur Zeit ein großer Abenteuerspielplatz gebaut. Mitten in der Spiellandschaft soll ein denkmalgeschützter Pavillon – früher ein Weinausschank – einem wichtigen Zweck dienen: als WC.

Das Toilettenthema ist inzwischen auch im Stadtentwicklungsausschuss angesprochen worden. Familie Harnisch hat noch eine Botschaft: „Liebe Stadtväter, im Jahr 2018 wünschen wir uns eine Stadt mit ausreichenden und schnell erreichbaren WC go.“