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Montag, 15.02.2016

Wenn Männer zu Kindern werden

16 000 Besucher kamen zur Modellbahn-Ausstellung in der Dresdner Messe.

Von Annechristin Bonß

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Mit Ölspritze und Taschenlampe pflegt Sascha Schwartz die dampfbetriebene Gartenbahn. Er ist mit seinen Vereinskollegen aus der Nähe von Braunschweig nach Dresden gekommen.
Mit Ölspritze und Taschenlampe pflegt Sascha Schwartz die dampfbetriebene Gartenbahn. Er ist mit seinen Vereinskollegen aus der Nähe von Braunschweig nach Dresden gekommen.

© Sven Ellger

  • Mit Ölspritze und Taschenlampe pflegt Sascha Schwartz die dampfbetriebene Gartenbahn. Er ist mit seinen Vereinskollegen aus der Nähe von Braunschweig nach Dresden gekommen.
    Mit Ölspritze und Taschenlampe pflegt Sascha Schwartz die dampfbetriebene Gartenbahn. Er ist mit seinen Vereinskollegen aus der Nähe von Braunschweig nach Dresden gekommen.
  • Bitte Platz nehmen: Für die Fahrt mit der XXL-Gartenbahn standen viele Messebesucher Schlange.
    Bitte Platz nehmen: Für die Fahrt mit der XXL-Gartenbahn standen viele Messebesucher Schlange.

Wenn erwachsene Männer entzückt vor Kleinbahnen stehen, über Spurweiten und Elektrik fachsimpeln, beherzt zum kostenlosen Kleinbahn-Katalog greifen oder Schlange stehen für ein Ticket zur Fahrt mit der XXL-Gartenbahn, dann hat die Messe Dresden zur Modellbahnausstellung geöffnet. 16 000 Besucher kamen Freitag bis Sonntag, um die ganze Pracht der kleinen Bahnen in den beiden Messehallen zu besichtigen. Darunter waren nicht unbedingt nur Kinder. Familien mit Kindern mischten sich weniger unter die Besucher. Dafür freuten sich weit mehr Erwachsene, die meisten davon Männer, auf die Schau der Modellbahnszene. Und die nutzte die Messe zum Branchentreff.

So wie Sascha Schwartz. Der 39-Jährige ist mit seinen Kollegen vom Dampf Modell Treff Klein Völlbüttel nach Dresden gekommen. Die Truppe aus der Nähe von Braunschweig hat sich auf die kohlebetriebene Gartenbahn spezialisiert. So wie die großen Züge werden auch diese kleinen Bahnen mit Wasserdampf angetrieben. Den erzeugen die Bastler mit Gas, Steinkohle und Spiritus. Der Dampf steigt in die Nasen, kratzt im Hals der Besucher, die Sascha Schwartz interessiert beim Basteln zuschauen. Der hantiert mit einer kleinen Taschenlampe an den Zügen. Denn die brauchen genauso wie die großen Bahnen Pflege und Wartung. Aus einer Spritze kommt Öl ans Getriebe. Weiter geht’s.

Der Hobbyeisenbahner ist zum ersten Mal mit seiner Truppe in Dresden dabei. Seine Frau und die drei Kinder sind zu Hause geblieben. „Das hier ist eine schöne Männerfahrt“, sagt er. Mit Gleichgesinnten von anderen Vereinen und dem fachkundigen Publikum führt er Expertengespräche. Die stellen meist nur eine Frage: „Fährt die Lok tatsächlich ohne Strom?“

Ja. Genauso wie die etwas größeren Objekte gleich neben seinem Stand in der Halle Drei. Hier haben die Mitglieder vom Minibahnclub Dresden 600 Meter Schienen, 25 Weichen und zwei Drehscheiben aufgebaut. Darauf fahren kohle- und strombetriebene personenbefördernde Gartenbahnen. Bis zu 25 Personen können darauf Platz nehmen. Ob Erwachsene oder Kinder sei dabei egal, sagt Michael Lissel vom Verein. Das Ticket kostet 50 Cent. Und so ziehen die tuckernden Züge durchaus auch große Modelleisenbahnfans durch die Halle. Der Mann genießt die Fahrt mit den kleinen Technikwundern, beide Kniee angezogen, der Blick verträumt. Ein Höhepunkt der Messe ist die große Dampflokparade am Sonnabendnachmittag.

Zum zwölften Mal hatten die Organisatoren vom Modelleisenbahnclub „Theodor Kunz“ Pirna zum „Erlebnis Modellbahn“ eingeladen. Aus ganz Deutschland hatten sich Aussteller und Händler angekündigt. Auch eine Schülergruppe aus Prag war dabei. Die Veranstalter sind zufrieden. Insgesamt kamen sogar 1 000 Besucher mehr als prognostiziert. Die freuten sich auch über Autogramme von Hagen von Ortloff, dem langjährigen Moderator der SWR-Sendung „Eisenbahn-Romantik“.

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