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Dienstag, 21.11.2017

„Wenn du so was überlebst, haut dich nichts um“

Die Kellys sind wieder da. Sängerin Kathy sprach mit der SZ über das Comeback, fiese Sprüche und den Tourstart in Riesa.

Wieder vereint: Die Kelly Family geht im kommenden Jahr wieder auf Tour, am 25.Januar spielt die Gruppe in der Sachsenarena. Ein Auslöser war das erfolgreiche Jubiläumskonzert in Dortmund, sagt Kathy Kelly (vorn) im SZ-Interview.
Wieder vereint: Die Kelly Family geht im kommenden Jahr wieder auf Tour, am 25. Januar spielt die Gruppe in der Sachsenarena. Ein Auslöser war das erfolgreiche Jubiläumskonzert in Dortmund, sagt Kathy Kelly (vorn) im SZ-Interview.

© Carsten Klick

Frau Kelly, nach langer Pause geht die Kelly Family wieder auf Tour. War das Geld alle?

Wissen Sie, wir verdienen alle solo mehr Geld, als damals mit der Familie. Ich mache seit 14 Jahren 100 Konzerte im Jahr. Also, von daher: alles gut. Aber wir sind nicht davon abhängig. Wir machen das, weil es uns Spaß macht.

Was war dann der Grund?

Es gab viele Gründe. Man hat nach zehn Jahren gemerkt, dass es immer Gespräche und Annäherungsprozesse untereinander gab. Und dann kam das Konzert in der Westfalenhalle zustande, das nach wenigen Minuten ausverkauft war. Diese Art von Andrang haben wir ja nicht erwartet.

Ganz vereint ist die Familie aber nicht. Maite und Paddy fehlen. Warum?

Das müssen Sie diejenigen fragen, die nicht dabei sind. Aber die Türen stehen für alle offen.

Nach dem Aus hat sich Ihre Familie zunächst in alle Richtungen verstreut. Wo leben die Kellys denn jetzt eigentlich?

Viele haben erst einmal in Deutschland gewohnt, sind aber mittlerweile im Ausland: in Irland oder Spanien. Wir sind immer sehr multikulti gewesen.

Wo leben Sie?

Ich wohne in Deutschland, im Westerwald, und habe auch ein Haus in Irland.

In Riesa ist Tour-Auftakt. Reisen Sie dann schon einige Tage vorher an?

Moment, ich habe die Proben im Kalender stehen... Wir sind vier Tage vorher da, dann wird geprobt. Vier Stunden morgens, eine Stunde Pause, dann noch mal bis zu sechs Stunden.

Können Sie sich noch an die Auftritte in Riesa erinnern?

Ich muss ehrlich sagen: nein. Es waren einfach zu viele Städte. Ich muss dann immer vor Ort sein. Wenn ich dann den Markt sehe, kommen die Erinnerungen hoch.

Sie haben schon Ihre Solokarriere erwähnt. Wie schwer war die Umstellung?

Für mich war es eine große Umstellung, weil ich es immer gewohnt war, etwas mit meiner Familie zu machen. Ich kannte es nicht anders. Dann allein etwas zu machen, mit anderen Leuten – da fängst du an, dich zu fühlen wie ein kleines Kind, das erst mal neu laufen lernt. Ich fand das aber sehr bereichernd.

Die Kellys haben nicht nur für Begeisterung gesorgt, sondern waren oft auch Zielscheibe von Kritik, teils unter der Gürtellinie. Wie gehen Sie damit um?

Wir haben mit der Zeit eine Hornhaut gekriegt. Das war nicht so einfach, das hat schon weh getan. Das ist aber Teil des Erfolgs. Es gab auch Leute, die damit Einschaltquote gemacht haben. Stefan Raab hatte mit seinen Witzen über uns 500 000 Leute mehr, die geguckt haben. Das muss man einfach knallhart so sagen. Wir stehen darüber, und wenn du so was überlebst, haut dich gar nichts um.

Nach dem Comeback scheint es nicht mehr so schwierig zu sein.

Ja, glaube ich auch. Jetzt ist Respekt da. Hoffentlich bleibt das so (lacht). Aber ich glaube, da war auch oft Neid im Spiel, wenn zum Beispiel so viele Mädchen für Michael und Angelo schwärmten.

Vielleicht liegt’s auch daran, dass die Kelly Family in der Öffentlichkeit sehr präsent war, etwa in der Bravo?

Ich glaube, heute treten Menschen, die gar nicht bekannt sind, einen Shitstorm los, wie wir damals in den 90ern. Fast jeder lebt heutzutage damit und muss damit umgehen. So sind die Zeiten.

Zwischen dem letzten Konzert der Kelly Family und dem Comeback liegen mehr als zehn Jahre. Was ist heute anders, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Zuerst mal ist jeder solistisch sehr stark. Jeder hat mehr Charisma und Präsenz als früher. Da steckt mehr Dampf dahinter. Und man hat auch nicht mehr den Teenie-Effekt. Das Publikum ist erwachsen geworden. Wir sind keine Bravo-Künstler mehr.

Bei einer Veranstaltung neulich in Riesa hat Ihr Bruder Joey gestanden, er habe früher immer nur die Lippen bewegt. Stimmt das, oder war’s nur ein Spaß?

Ich glaube, diese Frage muss er beantworten. Das kommentiere ich nicht (lacht).

Gespräch: Stefan Lehmann