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Mittwoch, 11.03.2015

Wenn der Spaß wichtiger als der Inhalt ist

„Die Partei“ und ihre Kandidatin stellen sich der Diskussion mit gestandenen Politikern.

Von Bettina Klemm

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Lara Liqueur will Dresdens neue Oberbürgermeisterin werden. Sie setzt auf Frauenquote und maskulinen Anteil. Politikprofessor Werner Patzelt (r.) lobt schon mal „Die Partei“, die auf Bier und Humor setzt.
Lara Liqueur will Dresdens neue Oberbürgermeisterin werden. Sie setzt auf Frauenquote und maskulinen Anteil. Politikprofessor Werner Patzelt (r.) lobt schon mal „Die Partei“, die auf Bier und Humor setzt.

© Sven Ellger

Anstrengend, humorlos und vor leeren Bänken, so müsse politische Bildung stattfinden. Mit diesen Worten leitete Frank Richter, Direktor jener Landeszentrale, die Diskussion am Montagabend ein. Neben Vertretern der Partei „Die Partei“ nahmen aktive und pensionierte Bürgermeister teil.

Über Geschmack lässt es sich bekanntlich streiten. Politikprofessor Werner J. Patzelt lobt zumindest in seiner Laudatio die „bildhübsche Persönlichkeit“, die „Die Partei“ ins Rennen um den Oberbürgermeisterposten schickt. Enges Minikleid, straffer Busen, angeklebte Wimpern und eine kleine Krone auf der blonden Perücke, so präsentiert sich die DJane Lara Liqueur. Mit bürgerlichem Namen hört er/sie auf Lars Stosch. Ihre optische Konkurrenz werde Sachsens Wissenschaftsministerin gewiss zusetzen, vermutete Patzelt.

„Die Partei“ für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiativen sei vor allem durch die Satire-Sendung Heute-Show bekannt. Sie setze sich beispielsweise für die Faulenquote in Dresden sowie für freies Bier für freie Bürger ein. Patzelts Frage am Ende: „Wenn das die Hoffnung ist, wie sieht dann die Verzweiflung aus?“

Das wollte der „Die Partei“-Landesvater so nicht unkommentiert lassen: „Wir arbeiten nicht dafür, dass es Bier gibt, sondern mit Bier. Der eine ist steif, der andere wird so steif“, sagte Steffen Retzlaff. Zur Veranstaltung ging es ziemlich trocken zu. Frank Richter hatte zwar ein Fässchen Qualitätsbier als Geschenk überreicht, Radeberger und Kekse gab es aber erst hinterher. Zuvor bekam Lara Liqueur wertvolle Ratschläge von sieben Bürgermeistern.

So sprach Leipzigs früherer OB Hinrich Lehmann-Grube von den großen Aufgaben eines Oberbürgermeisters. Dieser müsse nach außen repräsentieren, aber nach innen der Chef sein. Zu den Schwierigkeiten des Daseins gehöre es auch, die eigene Partei immer auf Distanz zu halten, erklärte der 82-Jährige. Dresdens Alt-OB Herbert Wagner erinnerte daran, dass die Narren am 11. 11. immer ganz leicht das Rathaus übernehmen. „Nach etwa hundert Tagen sind sie aber dankbar, den Rathausschlüssel endlich wieder loszuwerden“, sagte er und riet: So hübsch auch Lara sei, „Die Partei“ wäre wirksamer, wenn sie Roberto Blanco als OB-Kandidaten wählen. „Ein bisschen Spaß muss sein.“

Vorerst braucht Lara Liqueur 240 Unterschriften von Unterstützern. Auf dem Klo lagen die entsprechenden Flyer.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Norbert Schüttauf

    Danke für den Beitrag, habe wieder Mut bekommen! Sogar Politik könnte sooo unterhaltsam sein, würde mich auf die 1. Ansprache als OB freuen!!

  2. Siegmar Baumgärtel

    Satire, auch politische, muss prinzipiell erlaubt sein, aber ob diese Veranstaltung und dies "Partei" damit den durchaus ernsten Problemen gerecht wird, darf bezweifelt werden. Nehmen nun etliche meist ehemalig Politiker ihre oder "die" Politik ebenfalls nicht mehr ernst? Wundern würde ich mich nicht, den Politiker sagen nach Abdankung ohnehin was anderes und oftmals viel ehrlicher erscheinendes als während der Amtszeit!

  3. Ulbig

    liebe SZ, satire ist das eine, sexismus das andere. nur weil es der patzelt macht, müssen sie es doch nicht noch wiederholen. sexismus hat noch keinem geholfen. gehen sie doch bitte weg vom äußerlichen-hin zum inhaltlichen. danke.

  4. Gast

    ist denn schon 1. April???

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