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Dienstag, 01.08.2017

Weniger Glas für den Ferdinandplatz

Das Karstadt-Kaufhaus in Dresden soll einen Nachbarn bekommen. Eine Bürgerinitiative sieht in einem ersten Entwurf „spannende“ Ansätze, aber mangelnde historische Bezüge - und präsentiert deshalb einen Gegenentwurf.

Kleinteiliger, Sandstein statt Glas und Dresden-typischer – so würde die Initiative Stadtbild Dresden den Ferdinandplatz gestalten.
Kleinteiliger, Sandstein statt Glas und Dresden-typischer – so würde die Initiative Stadtbild Dresden den Ferdinandplatz gestalten.

© Entwurf: Stadtbild Dresden

Dresden. Mit dem „Glaspalast“ sorgte die Stadtverwaltung in der vergangenen Woche für Aufsehen. Der Entwurf für die Bebauung des Ferdinandplatzes sieht vor, auf dem Parkplatz neben dem Karstadt-Gebäude mehrere Gebäude zu errichten. In einem riesigen Komplex, der komplett verglast ist, sollen Wohnungen und Geschäfte entstehen, darunter eine Tiefgarage. Dahinter sind zwei Häuser als Technisches Rathaus für Verwaltungsmitarbeiter geplant.

So sieht es zumindest der Entwurf der Barcode Architekten vor, der nun als Grundlage für die weitere Entwicklung dient. Bis 2030 sollen die Gebäude stehen. Doch es gibt bereits nach der ersten Präsentation Kritik. Die Bürgerinitiative Stadtbild Dresden fordert deutlich weniger Glas.

Der Ferdinandplatz aktuell - und in der Zukunft

„Hauptkritikpunkt ist der überbordende Einsatz von Glas als einziges Fassadenmaterial, welches eine Fassadengestaltung ausschließt“, heißt es in der ersten Stellungnahme der Initiative. Glas habe eine kalte, abweisende Ausstrahlung. Als Negativ-Beispiel wird die Gläserne Manufaktur genannt. Für einen repräsentativen Bau an dieser markanten Stelle, mitten im Zentrum, solle das überdacht werden. Auch die Folgekosten seien sehr hoch. „Spannend“ findet die Initiative den Turm zum Georgplatz, dieser sollte aber anders aussehen.

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Der Initiative fehle auch der Bezug zum Neuen Rathaus, der klassischen, warmen Sandsteinfassade. „In seiner bewusst kantigen, klotzigen, gedrungenen und monoton gehaltenen Erscheinung lässt der Entwurf jegliche Form von Eleganz und Liebe zum Detail vermissen“, so die Initiative. Der Bruch werde bewusst „zelebriert“.

Deshalb haben die Mitglieder einen Alternativ-Entwurf entwickelt. Dieser setze auf eine regionaltypische, kleinteilige Architektur. Der „Gegenentwurf“ sei der Versuch, den Stadtraum im Grundgedanken verstärkt wieder als Kultur-Raum zu begreifen. Am Ferdinandplatz sollten Dresden-typische Elemente wie Sandstein, heller Putz und kleinteilig strukturierte Fassaden verwendet werden. Der Baukörper ragt im Entwurf von Stadtbild Dresden auch nicht in den Georgplatz hinein.

Das Technische Rathaus könne ein Großkomplex werden. Der andere Teil aber nicht. Dafür brauche es kleinteilige Fassaden und Gebäudeentwürfe inklusive kreativen Eckbetonungen. Mit dem Entwurf will die Initiative Alternativen aufzeigen und eine Diskussion zur bürgerfreundlichen Gestaltung der Stadt beginnen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 52 Kommentare

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  1. aucheindresdner

    und wieder finden sich die Anhänger von Disneyland, welche meinen genau zu wissen was dresdentypisch, und diesmal sogar mit historischen Bezug ist. Für mich sieht das eher aus wie ein Stück Stalinallee mit gekappten Türmen!

  2. Palmface

    Ob die ganzen "Disneyland"-Quatscher wissen, dass es dort ein Epcot-Center gibt, wo alles aus Glas und Stahl ist? Wer in Bezug auf Architektur und Geschichte das Wort Disneyland in den Mund nimmt, hat sich per se schon disqualifiziert, an der Diskussion teilzunehmen. Denn dann begrenzt sich sein Wissen schon massiv und plappert bestenfalls nach. Und das sind vor allem jene, die konstruktiv nichts zur Sache beitragen, sondern nur anderer Leute Mühe schlecht machen müssen, um sich selbst in der eignen Geistesgrenze zu bestätigen. Manche denken eben immer noch, die Zukunft muss aussehen, wie bei den "Jetsons" oder in Formen des Fortschritts sozialistischer Legebatterien - denn das hat Disney nie gebaut.

  3. Scipio

    Disneyland Disneyland .. selbst in der Wahl ihrer Worte sind die Bauhaus-Fundamentalisten extrem festgefahren und drehen sich nur noch im Kreise! Aber vor allem frage ich mich, wo angesichts der allumfassenden Ablehung dieses tristen Baustils in der Bevölkerung dieses Geltungsbedürfnis herkommt. Vielleicht sollten sich diese Stagnationsfanatiker endlich mal die eigene Minderleistung reflektieren, statt anderen Leuten Vorhaltungen zu machen.

  4. Talbewohner

    Es handelte sich um einen Städtebaulichen Wettbewerb, ziel war es festzulegen welche Kubatur die Bauten bekommen sollen und welche Plätze und Wege in dem Gebiet möglich sind. Diese Aufgabe Öffnung des Gebiets in Richtung Rundkino und Kreuzkirche erfüllt der Siegerentwurf aus meiner Sicht am besten, weil er den Abschluss des Blockabschlusses Karstadt schräg an die Achse Rundkino-Schulgasse legt und diese Sicht und Wegachse nicht zubaut. Diesen Fehler macht auch Stadtbild Dresden mit diesem "etwas aus der Zeit gefallenen Entwurf" der die Bauten hin zum Georgplatz ausrichtet und die für Fußgänger, .... wichtige Richtung von Seiten des Rundkinos völlig vernachlässigt.

  5. Voker W.

    Ob Bauhaus, Nachwende-Kreissägen-Dächer , Drachenhaltestelle am Postplatz, auch die wassersprühende "Kloppstange" oder sonstwas. Wenn es erst 2030 stehen soll, dann kann ja bis 2029 diskutiert werden. Warum überhaupt diskutieren? Jede Zeit hat ihre bauliche Epoche. Heute wird anders gebaut als vor 30 oder 40 Jahren. Warum z.B. robotron abreißen? Es ist ein Zeitzeugnis. Sind es nicht eher politisch motivierte Baumaßnahmen? Und wenn eine Bürgerinitiative es will, was zu verändern sollen sie es doch selber machen. Für Stadtentwicklung haben wir die entsprechenden Vertreter gewählt.

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