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Montag, 02.10.2017

Weltpolitik auf dem Eis

Ein nordkoreanisches Paarlauf-Duo sichert sich einen Olympia-Startplatz. Doch darf es im Nachbarland auch starten?

Von Britta Körber

Mit Herzblut und den Beatles qualifizieren sich die Nordkoreaner Tae Ok Ryom und ihr Partner Ju Sik Kim ihre Kür bei der Nebelhorn Trophy. für Olympia. Doch ihr Start im geteilten Land ist eine Entscheidung der Regierung– und noch offen.
Mit Herzblut und den Beatles qualifizieren sich die Nordkoreaner Tae Ok Ryom und ihr Partner Ju Sik Kim ihre Kür bei der Nebelhorn Trophy. für Olympia. Doch ihr Start im geteilten Land ist eine Entscheidung der Regierung– und noch offen.

© dpa

Das Eiskunstlauf-Fachpublikum bei der Nebelhorn-Trophy verstand genau, worum es bei Ryom Tae-Ok und Kim Ju-Sik ging. Die Story der beiden jungen Nordkoreaner während der Olympia-Qualifikation im Oberstdorfer Eissportzentrum war allen bekannt – und so wollte der Applaus am Ende kaum enden. „Sie haben es verdient, bei Olympia zu laufen. Sie haben einen großen Schritt nach vorn gemacht und sind stark geworden“, sagte die fünfmalige Weltmeisterin Aljona Savchenko, nachdem die Asiaten den ersten nationalen Quotenplatz für ihr Land bei den Winterspielen im Februar in Pyeongchang gebucht hatten.

So brisant, wie derzeit die politische Lage um die abgeschottete Nation ist, wollen und dürfen sich die 18-Jährige und ihr 25 Jahre alter Partner nicht zu heiklen Themen äußern. Bis zu dieser Saison haben sie immer in ihrer Heimat trainiert, erst im Sommer durften sie für zwei Monate in die Paarlaufschule von Bruno Marcotte nach Montreal. „Sie haben eine große Arbeitsmoral und sind auf dem Weg ein Toppaar zu werden“, sagt der Kanadier.

Von Anfang an gab es das Agreement, nicht über Politik, sondern nur über Sport und Familie zu reden. Ein wenig Englisch verstehen die 1,51 Meter kleine Läuferin und ihr stets lächelnder Eis-Partner. „Ich genieße es, mit ihnen zu arbeiten. Ich liebe sie und sie sind auch gar nicht scheu“, betont Marcotte. Bei der Frage, ob die beiden bei Olympia dabei sein werden, zuckt er die Schultern: „Das ist sehr schwierig zu beantworten.“ Die ständige Trainerin Kim Hyon-son sagt beinahe teilnahmslos dazu: „Das ist eine Entscheidung der Regierung, wir können das nicht kommentieren.“ Nicht viel dringt aus Nordkorea nach draußen, es ist nicht einmal bekannt, wie viele Eishallen es gibt. Einmal im Jahr wird ein großes Schaulaufen veranstaltet, regelmäßig bekommt auch die Deutsche Eislauf-Union (DEU) eine Einladung. „Aus politischen Gründen können wir da nicht hingehen“, sagt DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf und hat auch persönliche Bedenken: „Das Volk leidet da.“

Das alles lächelt das junge Paar schüchtern weg. Sie wollen um Medaillen kämpfen – egal, wie steinig ihr Weg ist. Kein Gespräch, kein Ausflug ohne Dolmetscher und Aufpasser Ri Chol-Un, der die Themen und die Redezeit von vornherein begrenzt.

Ryom und Kim kennen es nicht anders – ihr Mini-Beitrag zur Öffnung ihrer Heimat findet auf dem Eis statt: Im Kurzprogramm laufen sie zu den Beatles, die Kür ist untermalt von einem französischen Chanson. Dürfen sie das bei Olympia präsentieren? 1988 boykottierte Nordkorea die Sommerspiele in Seoul, auch in Sotschi 2014 war kein Wintersportler am Start. Die Spiele finden in vier Monaten nur etwa 80 Kilometer von der inner-koreanischen Grenze statt – die Südkoreaner hoffen auf ein kleines Zeichen der Versöhnung.

Der auch international viel beachtete Auftritt der Nordkoreaner stellte selbst das Saisondebüt der Vize-Weltmeister Aljona Savchenko und Bruno Massot weitgehend in den Schatten. Die Lokalmatadoren offenbarten in beiden Programmen noch viel Luft nach oben. Am Ende stand trotzdem Rang zwei hinter den russischen Europameistern Jewgenija Tarasowa und Wladimir Morosow. „Es waren halt September-Programme, wir sind noch am Anfang der Saison. Ganz klar, wir müssen noch viel arbeiten“, sagte Savchenko, die mit ihrem neuen Partner ihre fünfte Olympia-Teilnahme anstrebt.

Den letzten noch fehlenden deutschen Quotenplatz für Pyeongchang haben derweil die Oberstdorfer Eistänzer Kavita Lorenz und Joti Polizoakis geholt. „Sie haben eine Hausmarke gesetzt, die anderen müssen sich jetzt anstrengen“, sagte Dönsdorf, nach dem dritten Platz. (dpa)

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