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Donnerstag, 12.02.2015

Weltoffen im Container

Ein Kunstfestival soll die Willkommenskultur anregen. Dass die gelben Boxen eher abschreckend aussehen, ist gewollt.

Von Andreas Weller

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Ein gelber Container auf der Brühlschen Terrasse. Darin und davor wird ein Kulturfestival gefeiert.
Ein gelber Container auf der Brühlschen Terrasse. Darin und davor wird ein Kulturfestival gefeiert.

© Sven Ellger

  • Ein gelber Container auf der Brühlschen Terrasse. Darin und davor wird ein Kulturfestival gefeiert.
    Ein gelber Container auf der Brühlschen Terrasse. Darin und davor wird ein Kulturfestival gefeiert.
  • Annika Hansen (l.) schreibt für das Projekt „Urban Stories“ die Geschichte vom Berufswechsel von Kornelia Cuzyova auf. Eines von vielen Projekten beim Kunstfestival in den Containern.
    Annika Hansen (l.) schreibt für das Projekt „Urban Stories“ die Geschichte vom Berufswechsel von Kornelia Cuzyova auf. Eines von vielen Projekten beim Kunstfestival in den Containern.

Es soll wieder ein Zeichen für ein weltoffenes Dresden sein. Nicht so groß wie das Konzert am 26. Januar, aber genauso gezielt gegen Fremdenfeindlichkeit. Von heute bis zum 23. Februar stehen sechs gelbe Container an prägnanten Plätzen der Stadt. Darin und davor wird ein Kulturfestival gefeiert. Filme, Musik, Gespräche und Deutschkurse werden geboten.

Die Initiative weltoffenes Dresden WOD hat die Aktion binnen kürzester Zeit ins Leben gerufen. Auch wegen der teils ausländerfeindlichen Stimmung, die in der Stadt herrsche. „Von der ersten Idee bis zur Umsetzung hatten wir gerade mal zehn Tage Zeit“, so die Leiterin des Kunsthauses Dresden, Christiane Mennicke-Schwarz. Die Aktion soll unbedingt jetzt, in den Tagen rund um den Jahrestag der Zerstörung, stattfinden, weil dieses Datum immer wieder von Neonazis missbraucht wird. „Wir gehen in den öffentlichen Raum, um darauf zu reagieren“, so Mennicke-Schwarz.

Mehr als ein Dach über dem Kopf

Die Container wurden gewählt, weil in einigen Städten Asylsuchende auch unter solchen Umständen unterkommen müssen. Zwei dieser Boxen stehen auf der Brühlschen Terrasse und werden vom Kunsthaus und Schlösserland Sachsen mit Programm gefüllt. Jeweils einen Container teilen sich das Max-Planck-Institut und die Initiative für Asyl und gegen Rassismus, die Mediziner der Universitätsklinik und der Projektraum Hole of Fame am Postplatz. Und am Schloßplatz stehen zwei weitere, um die sich die Technischen Sammlungen und das Societaetstheater, die Semperoper und die Landesbühnen kümmern.

Darin gibt es zum Teil feste Elemente, wie ein altes Auto, das zum Überlebensraum umgebaut wurde. Mit Kochmöglichkeit, Schlafgelegenheit, einer Mini-Bibliothek und vielem mehr, was zeigen soll, dass der Mensch mehr braucht als ein Dach über dem Kopf. Außerdem laufen teilweise Filme in Dauerschleifen, in denen Mitglieder des internationalen Ensembles der Semperoper erzählen, warum sie gerne in Dresden leben. Vorbeigehende Touristen können Briefe an Dresden schreiben, sich fotografieren lassen, und das wird dann an die Wand gehängt. Passanten werden angesprochen und können ihre Erfahrungen live diktieren, die per Schreibmaschine aufgeschrieben und ausgestellt werden. Zudem werden Fotos gezeigt, die ein Mann aus Syrien von Dresden gemacht hat. Der lebt hier seit einigen Wochen als Asylbewerber, darf nicht arbeiten und hält in Fotos seinen Blick auf die Stadt fest. Passanten können auch direkt mit Ausländern, die in Dresden leben und arbeiten, ins Gespräch kommen.

„Wir wollen eine Gegenöffentlichkeit herstellen und unser Dresden zeigen“, so Andreas Nattermann, Geschäftsführer des Societaetstheaters. Das Goethe-Institut bietet beispielsweise auch achttägige Deutschkurse an, um Ausländern die Grundlagen zu vermitteln. Diese finden wochentags immer von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr statt. Im Max-Planck-Container wird aus Bananen DNS extrahiert, um zu zeigen, dass vieles die gleiche Basis hat und auch Ausländer den Dresdnern in vielen Dingen ähnlicher sind, als manche denken. Es geht auch um Geschichte und Erfindungen. In den Projekten wird beispielsweise gezeigt, dass Dresdens Ruhm und Glanz zu einem gewissen Teil auf Migranten beruht. Das soll unterstreichen, wie wichtig Zuwanderung ist. Unter dem Titel „Revolte 2“ können Interessierte sich beispielsweise T-Shirts bedrucken lassen. „Shame“ ist eine Ausstellung zu dem Thema, wie man sich fühlt, fremd und allein zu sein. Es sind außerdem viele weitere verschiedene Installationen und Kunstprojekte zu sehen.

Abends leuchten dann Kästen auf den Containern, in denen Tischdecken stecken. „Die symbolisieren Gastfreundschaft und die sächsische Gemütlichkeit“, so Mennicke-Schwarz. Eröffnet wird das Festival heute um 14 Uhr am Container 5 auf dem Schloßplatz (Höhe Brühlsche Terrasse) mit einer ersten Theatereinlage.

WOD ist ein Zusammenschluss von derzeit 28 Kulturinstitutionen der Stadt. Schirmherrinnen sind Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Dazu zählt auch Professor Manfred Ehninger von der Uni-Klinik, der das Konzert für Weltoffenheit am 26. Januar organisiert hat.

Das ganze Festival ist kostenlos. Und das komplette Programm finden Sie im Internet.

kunsthausdresden.de/weltoffenes-dresden