Dienstag, 22.01.2013
Weltkulturerbe versenkt
Ein Kriegsschiff der US-Marine sitzt auf einem Riff fest, weil die Crew alle Warnungen ignorierte.
Der Minensucher als Wellenbrecher wider Willen. Der Tubbataha-Marinepark gilt als eines der schönsten Tauchreviere weltweit. Foto: dapd
Am Mittwoch war die Crew der „USS Guardian“ noch bester Laune: Sie hatte Diesel für die nächste Etappe gebunkert, machte die Leinen los und dampfte wieder hinaus auf die Sulu See. So heißt ein Meer zwischen den Inseln der Philippinen, südlich der Hauptstadt Manila. In diesem eher ruhigen Gewässer liegen auch die beiden Atolle des Tubbataha-Marinepark.
Dorthin fahren eigentlich nur Ausflugsdampfer mit Tauchern an Bord zum Fischegucken, doch das Naturparadies und Teil des ozeanischen Weltkulturerbes ist jetzt um eine Attraktion reicher. Denn das amerikanische Kriegsschiff rammte am Donnerstag ein Korallenriff, hängt dort fest und kommt aus eigener Kraft auch nicht wieder los.
So ein kleiner Navigationsfehler könnte theoretisch jedem Skipper passieren. Gründe dafür gibt es viele: fehlerhafte Seekarten, Ausfall des Satelliten gestüzten Autopiloten, betrunkene Steuermänner – doch die Naturpark-Ranger sind aus einem anderen Grund sauer: „Unsere Leute haben versucht, der Crew zu sagen, dass sie in ein gesperrtes Gebiet fuhren“, sagte Angelique Songco vom Tubbataha-Marineschutzpark gestern im Rundfunk. Denn die Meeresbiologen an der Küste der Provinz Palawan besitzen ebenfalls Radar und wunderten sich über einen Minensucher auf Feindfahrt in fremden wie verbotenen Fischgründen.
Von der sich die 81-köpfige Mannschaft der „USS Guardian“ auch nicht abbringen ließ. Bis es plötzlich krachte und knirschte unter dem hölzernen Rumpf. Denn ein Minensucher verzichtet aus Prinzip auf Metall und dessen magnetische Wirkung. Allerdings müssen bei der Havarie auch die sensiblen Sonargeräte versagt haben, die normalerweise jeden Meter des Meeresgrundes erkennen.
So ein Riff oder eine Sandbank ortet heute jeder Kabeljau-Kutter in der Ostsee. Ohne Probleme. Es sei denn, der Verstand setzt aus, und genau das mutmaßen die Mitarbeiter des Marineparks: So hätten die Offiziere des Kriegsschiffs ihre Crew in Gefechtsstellung versetzt, als sich ihnen ein Boot des Naturparks näherte. Die irritierten Ranger drehten bei und griffen zum Telefon. Ihre Anrufe aber wimmelte die Brücke des Minensuchers ab und empfahl stattdessen, die amerikanische Botschaft anzurufen und endlich Ruhe zu geben.
Der gut gemeinte Rat erwies sich allerdings als Rohrkrepierer. Weil nach dem Vorfall empörte Menschen auf den Philippinen nicht nur die Botschaft der USA in Manila anriefen. Stattdessen gingen sie direkt dorthin, rollten ihre Transparente aus und demonstrierten gegen die selbstgefällige Bootspartie.
Derweil zählt die US-Marine die Schrammen am Schiff. Laut jüngsten Einträgen auf der offiziellen Facebook-Seite der „Guardian“ habe die Mannschaft das rund 70 Meter lange Schiff auf Schäden untersucht und keine gravierenden gefunden. So seien vor allem die Tanks dicht und kein Auslaufen von Öl zu befürchten, heißt es.
Dafür setzte Poseidon dem Kahn gerade mächtig zu. Starker Seegang und mächtige Wellen schoben den manövrierunfähigen Kahn weiter auf das Korallenriff. Das philippinische Verkehrsministerium arbeite mit der US-Marine an einem Bergungsplan, ließ die Regierung in Manila wissen und empfahl ihrerseits den Amerikanern, schon mal einen Bericht nach Washington an die heimische Haftpflichtversicherung zu schicken.
Denn die Philippinen verlangen rund 300 Dollar Strafe für jeden Quadratmeter beschädigter Korallen, und die Umweltschützer des Tubbataha-Marineparks werden bestimmt nicht zimperlich sein beim Katalogisieren der ramponierten Meeresfauna. (SZ/stb, dpa)