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Freitag, 21.07.2017

Welt im konfessionellen Wandel

Nicht zuletzt der reiche Bestand an restaurierten Epitaphien aus dem 16. und 17. Jahrhundert steht im Fokus einer Ausstellung in Zittau zur wechselvollen Geschichte der Reformation in der Oberlausitz.

Von Christian Ruf

Totenkrone aus einer Gruft auf dem Friedhof in Zittau. Das Titelbild zeigt das Epitaph für Ursula Hopstock und Familie. | Foto/Titel: Städtische Museen Zittau / Jürgen Matschie
Totenkrone aus einer Gruft auf dem Friedhof in Zittau. Das Titelbild zeigt das Epitaph für Ursula Hopstock und Familie. | Foto/Titel: Städtische Museen Zittau / Jürgen Matschie

Martin Luther war nie in der Oberlausitz, aber schon 1523 wurde in Görlitz im lutherischen Sinne gepredigt und nur ein Jahr später dann auch in Bautzen. In Zittau war es der 1521 an die Kreuzkirche, später an die Johanniskirche berufene Lorenz Heidenreich, der sich alsbald der neuen Lehre zuwandte. Die wichtigsten treibenden Kräfte bei der Einführung der Reformation in der Oberlausitz waren die sechs königlich-böhmischen Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Löbau, Lauban und Kamenz, die zusammen den Sechsstädtebund bildeten – eine für geraume Zeit wichtige wirtschaftliche und militärische Macht.

Leihgabe des Grünen Gewölbes: der Nesen’sche Lutherpokal

Wie erlebten nun die Menschen in der Oberlausitz das Jahrhundert der Reformation? Was glaubten sie? Wie sahen sie die Welt? Fragen darauf versucht die Ausstellung „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ zu geben, die nun von den Städtischen Museen Zittau ausgerichtet wird. Deutlich wird, dass die Reformation im Markgraftum Oberlausitz (in dem zu Zeiten der Reformation de jure der König von Böhmen Landesherr war) ein bisschen anders verlief als in anderen Ecken Europas. Es kam bei allem Wettstreit letztlich zu einem Miteinander der beiden großen Konfessionen, hinzu gesellten sich protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und die Herrnhuter Brüderunität als weitere Facetten konfessioneller Vielfalt. Die Reformationszeit brachte reichlich qualitätvolle Kunstwerke hervor. Diese zeugen – je nach Konfession – von den Beziehungen nach Böhmen, Schlesien und Sachsen.

Im Fokus steht nicht zuletzt der Zittauer Epitaphienschatz. Im 16. und 17. Jahrhundert führte das wachsende Repräsentationsbedürfnis des städtischen Bürgertums und des Adels zu einer schnellen Weiterentwicklung der Epitaphien, die in Auftrag gegeben wurden, um das Andenken an Menschen und gar ganze Familien für die Nachwelt zu bewahren. Sie sind meist sehr kunstvoll gestaltet und bestehen aus Inschrift und Bild, oft sind die Familien dargestellt. Die Epitaphien gestatten einen eindrucksvollen Blick in die Lebenswelten des Reformationszeitalters. Während in vielen Städten keine oder nur wenige dieser Gedächtnismale erhalten blieben, gibt es in Zittau noch über 80. Neben den beiden Fastentüchern von 1472 und 1573 wird die Präsentation der Epitaphien in der Klosterkirche St. Peter und Paul ein Höhepunkt. Ein weiteres optisches Highlight ist der Nesen’sche Lutherpokal, der sonst im Grünen Gewölbe in Dresden zu bewundern ist.

Wilhelm Nesen traf Martin Luther 1521 in Frankfurt und folgte ihm 1523 nach Wittenberg. Luther schenkte seinem Freund einen Trinkbecher aus Kristall. Nesen starb aber schon 1524 bei einer Bootsfahrt, das Geschenk des Reformators ging an dessen Bruder Konrad Nesen, der von Luther und Melanchthon nach Zittau entsandt wurde. Vermittelt wird nicht zuletzt, dass in den Städten bedeutende Gymnasien gegründet wurden, die später Keimzellen der frühen Aufklärung werden sollten.

Service:

Was: „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“

Wann: 30.7.2017 bis 7.1.2018, Di bis So 10 bis 17 Uhr

Wo: Städtische Museen Zittau

Tickets: 8 Euro (ermäßigt 5 Euro)

Hotline: 03583 554790

Internet: www.museum-zittau.de