Freitag, 11.03.2011

Welche Versicherungen sind für Senioren sinnvoll?

Haftpflicht ist Pflicht, Unfallschutzverträge haben Tücken, auf Sterbepolicen können Ältere verzichten.

Von Annette Jäger

Zeichnung: Team/Biallo
Zeichnung: Team/Biallo

Wenn das Berufsleben endet, gehören die Versicherungsverträge auf den Prüfstand. Denn dann werden Policen, die auf den Erhalt des Einkommens zielen, überflüssig. Dazu zählen vor allem die Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung. Was aber sollten Senioren absichern?

Private Haftpflicht

Die private Haftpflicht ist in jedem Alter ein Muss. Sie springt ein, wenn man anderen Personen einen Schaden zufügt oder Sachgüter anderer beschädigt. Da man in der Regel in voller Höhe für den Schaden haftet, kann im Ernstfall die mühsam zusammengesparte Altersvorsorge draufgehen. Abgesehen davon, ist der Versicherungsschutz sehr günstig zu haben. Ein 65 Jahre altes Ehepaar zahlt ab 45 Euro im Jahr für eine Police.

Beim Vertragsabschluss sollte man einige Punkte beachten.- Eine Ausfalldeckung sollte enthalten sein. Sie trägt den eigenen Schaden, für den Fall, dass der Verursacher keine Haftpflicht hat und den Schaden nicht bezahlen kann.

- Die Police sollte weltweit, zumindest aber in Europa, zeitlich unbegrenzt gelten sowie ehrenamtliche Tätigkeit einschließen.

- Als Extras können abgesichert werden: der Verlust teurer fremder Schlüssel, Schäden durch Öltank oder jene, die durch allmähliche Einwirkungen von Temperaturen, Gasen, Dämpfen oder häusliches Abwasser entstehen.

Schutz auf Reisen

Das Risiko, auf einer Reise zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse sind im Urlaub in EU-Ländern, den Mittelmeeranrainerstaaten sowie in Ländern, die mit Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen haben, wie Rumänien, Schweiz, Türkei und Tunesien, im Krankheitsfall versichert. Allerdings wird hier nur das an Behandlung erstattet, was der Krankenversicherungsschutz des jeweiligen Landes an Leistung vorsieht. Der Standard im Vergleich zu Deutschland kann wesentlich geringer ausfallen.

Eine Auslandspolice ist sinnvoll. Sie garantiert im Notfall den Rücktransport in die Heimat sowie die komplette Kostenübernahme im Ausland. „Chronische Erkrankungen sind vom Leistungsfall ausgeschlossen“, sagt Andrea Heyer, Verbraucherzentrale Sachsen. Trotzdem sollte die Police ins Gepäck, rät die Versicherungsexpertin. Gut ist, wenn die Police für den „medizinisch sinnvollen“ Rücktransport aufkommt und nicht nur für den „medizinisch notwendigen“.

Eine Einzelpolice gibt es ab rund acht Euro im Jahr.

Gesundheit absichern

Unfall, Pflege, Zahnersatz können Senioren speziell absichern. Was lohnt sich, was eher nicht?

- Senioren-Unfallpolicen sind ein besonders beliebtes Produkt, das in der Branche gerne als essenziell angeraten wird. Eine private Versicherung springt ein, wenn die Gesundheit des Versicherten nach einem Unfall dauerhaft beeinträchtigt ist, er also als invalide gilt. Versichert sind nicht nur Arbeitsunfälle. Auch für die Beeinträchtigungen, die Versicherte bei Unfällen im Haushalt und Garten, beim Sport erleiden, kommt die Police auf. Die volle Versicherungssumme wird aber nur ab einem bestimmten Invaliditätsgrad gezahlt. Bei Unfällen, die keine dauerhafte Invalidität nach sich ziehen, gibts nichts.

- Spezielle Senioren-Policen haben aber ihre Tücken. Oft ist genau das, worauf es ankommt, ausgeschlossen, wie Unfälle infolge von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch werden altersbedingte Gebrechen wie Osteoporose bei der Berechnung des Invaliditätsgrades oft miteinbezogen. Einige Anbieter versichern den Oberschenkelhalsbruch.

Bei Vertragsabschluss sollten Senioren darauf achten, dass dieser nicht mit einem Höchstalter endet, sondern auf unbegrenzte Zeit läuft. 100.000 Euro reichen als Versicherungshöchstsumme. Auf eine Progression, die überproportionale Steigerungen des Betrags mit zunehmenden Invaliditätsgrad beinhaltet, kann man verzichten.

Assistance-Leistungen, die unter anderem Menü- und Wäscheservice sowie Einkaufsdienste gewährleisten, kann man zusätzlich versichern. „Das kann für Alleinstehende sinnvoll sein“, sagt Heyer. Die Versicherung sollte die Leistungen aber nicht nur organisieren, sondern auch bezahlen.

- Policen für den Pflegefall sind wünschenswert. Sie sollte man aber bereits in jungen Jahren – zwischen 40 und 50 Jahren – abgeschlossen haben, denn im Rentenalter werden sie richtig teuer. Eine private Pflegetagegeldpolice mit einem Tagegeld von 50 Euro in Pflegestufe III kostet beispielsweise für einen 65 Jahre alten Mann ab 70Euro aufwärts im Monat, eine Frau zahlt ab 90 Euro.

Den vollen Betrag bekommt man erst ab Stufe III. Man erhält das Geld aber auch dann in voller Höhe, wenn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ausreichen sollten und daher keine Restkosten verbleiben. In diesem Fall kann man das Geld für andere Dinge, wie zum Beispiel soziale Betreuungsleistungen, verwenden.

- Zahnersatzpolicen machen im Alter wenig Sinn. Denn der aktuelle Zustand des – oft schon maroden – Zahnstatus wird in die Tarifberechnung mit einbezogen. Das wirkt sich ungünstig auf die Beitragshöhe aus. Außerdem gelten oft lange, bis zu achtmonatige Wartezeiten beziehungsweise Staffelungen der Leistungen in den ersten Jahren. Viele Versicherer nehmen Kunden ab dem 65. Lebensjahr gar nicht mehr auf.

Hausratversicherung

Eine Hausratversicherung ist unabhängig vom Alter wichtig. Die Police ersetzt den Wiederbeschaffungswert von Schäden am Hab und Gut, die durch Feuer, Blitzschlag, Explosion, Sturm, Hagel, Leitungswasser, Raub oder Einbruchdiebstahl entstanden sind. Sollte man wertvolle Möbel, Gemälde, Teppiche und elektronische Anlagen besitzen, ist eine Police sicherlich sinnvoll. Kann man den Verlust oder die Beschädigung des Hausrats allerdings ohne an den Rande des Ruins getrieben zu werden, aus eigener Tasche bezahlen und wieder ersetzen, steht der Versicherungsschutz möglicherweise nicht an erster Stelle.

Sterbegeldversicherung

Sterbegeldversicherungen stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben, obwohl man auf sie verzichten kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Produkts, das die Bestattungskosten finanzieren soll, stimmt nicht. Zu hohe Beiträge stehen einer zu geringen Rendite gegenüber.