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Freitag, 07.03.2014

Weitere Pleite in der Infinus-Gruppe

Von Uli Wolf

Nach der Razzia bei der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut (FDI) am vergangenen Mittwoch in Freital (im Bild das Freitaler Rathaus) ist das Unternehmen zahlungsunfähig.
Nach der Razzia bei der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut (FDI) am vergangenen Mittwoch in Freital (im Bild das Freitaler Rathaus) ist das Unternehmen zahlungsunfähig.

© Wolfgang Wittchen

Dresden/Freital. Nach der Durchsuchung der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut (FDI) am vergangenen Mittwoch in Freital ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Die Sprecherin des Amtsgerichts Dresden, Birgit Keeve, teilte sz-online am Freitag mit, über das Vermögen der Infinus-FDI sei ein Insolvenzantrag gestellt worden. Damit sind nun 18 Firmen der insgesamt noch 20 Unternehmen umfassenden Gruppe pleite.

Wer den Insolvenzantrag stellte, sagte Keeve nicht. Da die Infinus-FDI jedoch der Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) untersteht, kann nur diese den Antrag gestellt haben. Dies sieht zumindest das Kreditwesengesetz so vor. Bafin-Sprecherin Dominika Kula widersprach dem nicht und sagte, sie dürfe sich dazu nicht weiter äußern.

Zum vorläufigen Verwalter des Unternehmens bestellte das Insolvenzgericht den Rechtsanwalt Bruno Kübler. Dessen Kanzlei verwaltet bereits sechs zahlungsunfähige Firmen der Infinus-Gruppe, darunter die wichtigste Anlagegesellschaft Future Business KG (Fubus) auf Aktien. Für diese soll nach Angaben der Kanzlei Kübler am 1. April 2014 das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Darüber hinaus ist Kübler auch Verwalter des Privatvermögens von Fubus-Gründer Jörg Biehl. Dieses war im Rahmen der Betrugsermittlungen gegen die Infinus-Gruppe ebenso beschlagnahmt worden und umfasste unter anderem 16 Goldbarren zu je einem Kilogramm, Luxusautos und -uhren, zwei Jachten sowie Immobilien, Wertpapiere und Bankguthaben.

Biehl gehört zu den insgesamt zehn Beschuldigten in dem Verfahren und sitzt wie vier andere Infinus-Manager seit gut vier Monaten in Untersuchungshaft. Ein sechster Manager, der frühere Infinus-FDI-Chef Jens Pardeike, war Mitte Februar gegen Auflagen und auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf freien Fuß gekommen. Er soll ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Der Anwalt des Unternehmens Infinus-FDI, Viggo von Wietersheim, sagte, der Vorstandsvertrag mit Pardeike sei aufgelöst worden.

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft den Beschuldigten vor, einen umfangreichen Kapitalanlagebetrug begangen zu haben. Nach Informationen der Sächsischen Zeitung/sz-online sind 40.000 deutsche, österreichische und Schweizer Anleger betroffen: etwa 28.000 bei der Future Business KG auf Aktien, rund 10.000 bei der Prosavus AG, etwa 2000 bei der Ecoconsort AG und gut 500 bei der Valueconsort AG. Sämtliche Finanzprodukte dieser Firmen wie Orderschuldverschreibungen, Genussrechte und Nachrangdarlehen wurden über Infinus-Firmen vertrieben und vermittelt. Zudem gibt es personelle und teilweise auch gesellschaftsrechtliche Verflechtungen zwischen den Emittenten der Wertpapiere sowie den Vertriebsfirmen. Die Summe sämtlicher Gläubigerforderungen wird nach Informationen etwas mehr als eine Milliarde Euro erreichen. Der Schaden dürfte nach Abzug der vorhandenen Vermögenswerte bei etwa 300 bis 400 Millionen Euro liegen.

Die Staatsanwaltschaft geht bislang von 25.000 geschädigten Anlegern aus. (SZ/uwo)

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