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Freitag, 16.11.2012

Weiter heftige Luftangriffe auf Gazastreifen

Der Konflikt zwischen militanten Palästinensern und Israel eskaliert weiter. Israel bombardiert massiv Ziele im Gazastreifen, militante Palästinenser beschießen Israel weiter mit Raketen. Bei den Kämpfen starben bisher 25 Menschen.

Gaza/Tel Aviv. Die israelische Luftwaffe hat am Freitagmorgen weiter massiv Ziele im Gazastreifen angegriffen. Der Nachrichtensender Al-Dschasira und der US-Sender CNN zeigten am frühen Morgen Live-Bilder von Gaza-Stadt und berichteten, die Bombardierung hätte an Intensität zugenommen. Es waren Rauchsäulen über der Stadt zu sehen. Korrespondenten des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija sprachen von massiven nächtlichen Luftangriffen.

Militante Palästinenser feuerten auch in der Nacht zum Freitag Raketen auf Israel ab. Nach israelischen Medienberichten wurde offensichtlich niemand verletzt.

Mehr als 420 Raketen von militanten Palästinensern seien in den vergangenen zwei Tagen in Israel aufgeschlagen, teilte laut „Jerusalem Post“ das israelische Militär im Kurznachrichtendienst Twitter in der Nacht mit.

Zahl der Toten steigt auf 25

Israel fliegt weiter Luftangriffen im Gazastreifen, dabei sind am Freitag zwei weitere Menschen getötet worden. Bei beiden handele es sich um Hamas-Mitglieder, die bei zwei Luftangriffen im Süden des Gebiets am Mittelmeer in Chan Junis und im Norden ums Leben gekommen seien, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Aschram al-Kedra, mit. Damit stieg die Zahl der palästinensischen Todesopfer seit Beginn der israelischen Offensive „Säule der Verteidigung“ am Mittwoch auf 22, darunter mindestens acht Zivilisten. In Israel starben drei Zivilisten durch eine Hamas-Rakete. 245 Menschen wurden im Gazastreifen verletzt, etwa 20 in Israel.

Die israelischen Streitkräfte erklärten, über dem Gazastreifen seien am Donnerstag Flugblätter abgeworfen worden. Darin werde die Bevölkerung aufgefordert, sich von der radikal-islamischen Hamas und anderen Terrororganisationen fernzuhalten.

Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abschoss, heulten am Donnerstag die Luftalarm-Sirenen in Tel Aviv. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Nach Medienberichten ging eine Gaza-Rakete im Mittelmeer nieder.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas brach seine Europareise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer Verschärfung der Lage.

Israel hat mit der Einberufung von 16.000 Reservisten begonnen. Dies gab das Militär am Freitag auf seinem offiziellen Twitter-Kanal bekannt. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte einen solchen Schritt am Donnerstag genehmigt. Laut Informationen aus Israel stehen bis zu 30.000 Reservisten zur Verfügung. Berichte über eine angeblich schon begonnene Bodenoffensive im Gazastreifen wurden aber von den Streitkräften und dem Außenministerium dementiert. Allerdings würden Soldaten in die Region verlegt, um für einen Einmarsch bereit zu stehen, sollte der Befehl kommen, sagte ein ranghoher Beamter in Tel Aviv.

Im Gazastreifen bekannten sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden radikal-islamischen Hamas, die Kassam-Brigaden, und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad zum Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandeur am Vortag von Israel getötet worden war.

Letztes Geleit für getöteten Hamas-Militärchef

Einen Tag nach der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs durch Israel versammelten sich in Gaza Tausende Palästinenser, um Ahmed al-Dschabari das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bezeichnete dessen Tötung durch die israelische Luftwaffe als „Kriegserklärung“ und kündigte blutige Rache an.

Die USA hoffen zur Entschärfung des Konflikts auf die ägyptische Regierung. „Wir bitten Ägypten, seinen Einfluss in der Region für eine Deeskalierung zu nutzen“, sagte der amerikanische Außenamtssprecher Mark Toner in Washington. Er bekräftigte die US-Position, dass die im Gazastreifen herrschende Hamas die Raketenangriffe auf Israel einstellen müsse.

Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil hat seinen Solidaritätsbesuch im palästinensischen Gazastreifen frühzeitig beendet. Am Grenzübergang Rafah stieg er am Freitagvormittag in einen Hubschrauber und flog in Richtung Kairo ab. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Kandil noch bis nach der Freitagspredigt im Gazastreifen bleibt, hieß es in Rafah. Aufgrund neuerlicher israelischer Angriffe habe er jedoch beschlossen, seinen Besuch abzukürzen.

Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil reiste zu einem Solidaritätsbesuch in den palästinensischen Gazastreifen, beendete die Reise aber frühzeitig. Am Grenzübergang Rafah stieg er am Freitagvormittag in einen Hubschrauber und flog in Richtung Kairo ab. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Kandil noch bis nach der Freitagspredigt im Gazastreifen bleibt, hieß es in Rafah. Aufgrund neuerlicher israelischer Angriffe habe er jedoch beschlossen, seinen Besuch abzukürzen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich in einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman besorgt über die Lage. Zugleich betonte auch Westerwelle das israelische Recht auf Selbstverteidigung und den Schutz seiner Bürger.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden. (dpa)