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Mittwoch, 09.03.2016

Weiße Flotte soll Schiffe verkaufen

Zu wenige Passagiere vermiesen der Sächsischen Dampfschiffahrt das Geschäft. Die sucht Wege, an Geld zu kommen.

Von Andreas Weller

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Mit Volldampf will die Weiße Flotte 2016 aus den roten Zahlen. Um die Gesellschaft zu sanieren, könnten auch Schiffe verkauft werden.
Mit Volldampf will die Weiße Flotte 2016 aus den roten Zahlen. Um die Gesellschaft zu sanieren, könnten auch Schiffe verkauft werden.

© Wolfgang Wittchen

Dresden. Die Sächsische Dampfschiffahrt steht erneut vor einem schlechten Ergebnis. Das Traditionsunternehmen erwartet ein dickes Minus aus dem vergangenen Jahr. Wegen der Trockenheit konnten die Dampfer 2015 über längere Perioden nicht ablegen. Hinzu kam der Rückgang der Touristenzahlen in Dresden. Deshalb wird nun geprüft, Schiffe zu verkaufen.

Wie genau der Jahresabschluss 2015 ausfällt, dazu wollte sich Geschäftsführerin Karin Hildebrand gegenüber der SZ nicht äußern. „Es war aber weniger schlecht als 2013“, so die Dampfer-Chefin. Damals machte die Weiße Flotte auch wegen der teils zu niedrigen Elbe ein Minus von 1,2 Millionen Euro. 2014 lief es dann wieder besser, das Unternehmen verbuchte einen Gewinn von knapp 500 000 Euro – weil das Wetter mitspielte. Im vergangenen Jahr gingen dann die Passagierzahlen um etwa 30 Prozent zurück, die Flotte verlor etwa 160 000 Fahrgäste im Vergleich zu 2014.

Um den Einbruch abzufedern, gründete die Dampfschifffahrt, an der das Land mit 51 Prozent beteiligt ist, die ElbeZeit, eine Cateringfirma, die mittlerweile nicht nur auf den Schiffen die Passagiere versorgt, sondern unter anderem auch Gäste am Flughafen, auf Schloss Albrechtsberg und im Verkehrsmuseum. „Wir haben im laufenden Geschäft gegengesteuert“, erklärt Hildebrand. So wurde auch spontan die Saison verlängert, als wieder genug Wasser in der Elbe war. Doch all das scheint nicht zu reichen. Hildebrand weiß, dass sie 2015 mit einem Defizit abschließen wird. Deshalb wurde nun im Verwaltungsrat angeregt, Schiffe zu verkaufen. Hildebrand bestätigt nur: „Wir reden über alle Optionen. Was wir genau tun werden, dazu beziehe ich jetzt keine Stellung. Aber eine Option ist auch, sich von einem oder mehreren Schiffen zu verabschieden.“ Die Flotte verfügt über neun Raddampfer und vier Motorschiffe. Zur Dampferparade kommen alljährlich Zehntausende. Vor allem die historischen Schiffe sind echte Hingucker und sehr beliebt.

Wie viel Geld mit einem Schiff zu erlösen ist, ist unklar. „Die Frage ist, ob es überhaupt einen Markt dafür gibt“, sagt die Geschäftsführerin. Das müsse genau geprüft werden, bevor man entscheide, ein Schiff abzugeben. Sie werde mit dem Verwaltungsrat intern diskutieren, welche Schritte gegangen werden müssen, um die Sächsische Dampfschiffahrt auf Kurs zu bekommen. Wichtig sei eine dauerhafte Lösung.

Hildebrand denkt aber auch in die andere Richtung: „Ich würde mir ja ein neues Schiff wünschen, das weniger Tiefgang hat, also bei niedrigerem Elbpegel fahren kann, und besser für Veranstaltungen geeignet ist.“ Nur könne man sich das derzeit leider nicht leisten. (mit SZ/gs)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 37 Kommentare

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  1. Krol ogorek

    Bei den aufgerufenen Ticketpreisen braucht sich die Weiße Flotte nicht über sinkende Fahrgastzahlen wundern. Wenn ich mit meiner Frau auch nur eine Tarifzone als Sonntagsausflug fahre, so kostet uns dies sage und schreibe 30 Euro! Also, auch wenn es altmodisch ist: rund 60 DM. Als Angestellter bei der Weißen Flotte mag man sich das ( noch ) leisten können. Für eine Vielzahl der Bürger, insbesondere auch der Rentner, ist dies schlicht unbezahlbar.

  2. Irre

    Drehen die jetzt völlig durch??! Historische Schiffe verkaufen um laufende Verluste auszugleichen?! Wer soll sowas denn kaufen und wenn ja, dann allenfalls zum Schrottpreis. Was für Amokläufer sitzen denn in diesem 'Verwaltungsrat', dass solche Ideen überhaupt aufkommen können? Passt die Preise leicht nach unten an und schon können auch wieder ganz normale Bürger die Dampfer als Verkehrsmittel nutzen! Mit dem höheren Umsatz kommt auch wieder etwas Gewinn! Wenn Dampferfahren allerdings zum Touri-Nepp verkommt, braucht man sich nicht zu wundern!

  3. PS

    Die MS "Prohlis" und "Gorbitz" zu verkaufen, wäre kein Verlust. Aber die wird wohl niemand haben wollen. / Es war wohl kaufmännisch nicht klug (von Geschäftsführung und Anteilseignern, also auch dem Freistaat !), sich den unnötigen und teuren neuen Firmensitz zu leisten. Denn dass die Erträge erheblich von den Wasserständen abhängen uind also unsicher sind, das müssten die doch wohl wissen.

  4. Nicht verwirrt

    Endlich eine Möglichkeit diese hässlichen und völlig elbeuntypischen Glaskästen (August der Starke,Cräfin Cosel) wieder abzustossen! Wer hat sowas damals überhaupt eingekauft?

  5. Matze

    2 Dampfer sind ja schon verschwunden aus der Flotte, nur zu, Fahrtpreise, Management, eigene Geldgier und Statusdenken (Verwaltung) stellen das Unternehmen voll in Frage. Ist doch gut Dampfer verkaufen sich noch weiter bereichern und dann verschwinden, so geht alles hier immer mehr den Bach runter...wir habe wirklich tolle Leute (meist keine Dresdner!)

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