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Freitag, 08.12.2017

Weihnachtsbuden statt Wochenmarktstände

Die Häuschen für den Weihnachtsmarkt stehen in Löbau bereits. Das sorgt für Vorfreude – und Ärger bei den Händlern.

Von Susanne Sodan

Den Lichttest hat der Weihnachtsbaum auf dem Löbauer Altmarkt gut bestanden. Die Häuschen für den Weihnachtsmarkt stehen auch schon. Bereits Anfang der Woche wurden sie aufgebaut. Damit ist allerdings kein Platz mehr für den üblichen Wochenmarkt. Er hat einen neuen Standort bekommen. Mit dem die Händler allerdings gar nicht glücklich sind.
Den Lichttest hat der Weihnachtsbaum auf dem Löbauer Altmarkt gut bestanden. Die Häuschen für den Weihnachtsmarkt stehen auch schon. Bereits Anfang der Woche wurden sie aufgebaut. Damit ist allerdings kein Platz mehr für den üblichen Wochenmarkt. Er hat einen neuen Standort bekommen. Mit dem die Händler allerdings gar nicht glücklich sind.

© Bernd Gärtner

Löbau. Sie müssen das Ohr mal an die Massen halten, ruft der Mann wütend ins Telefon. Nicht nur er sei sauer, sondern viele Löbauer. Dabei geht es hier eigentlich um eine schöne Sache, nämlich den Löbauer Weihnachtsmarkt. Die Buden dafür stehen schon, weiß-rote Häuschen, aufgereiht in der Mitte vom Altmarkt. Am Montag haben Mitarbeiter vom Stadtbauhof mit dem Aufbau begonnen. Und hier liegt der Punkt, der den Mann am Telefon so verärgert hat: Der Löbauer Weihnachtsmarkt startet erst am 14. Dezember, warum sind jetzt schon die Buden aufgebaut? Für wenige Tage Weihnachtsmarkt werde der Altmarkt für mehrere Wochen blockiert, argumentiert der Mann.

Tatsächlich sind mehrere Stellplätze auf dem Altmarkt wegen der Buden gesperrt, und zwar die direkt vor der Sparkasse. Dort machen jetzt Verbotsschilder das Parkschild ungültig. In der Mitte des Altmarktes, wo die Buden stehen, ist ohnehin Parkverbot. Auf der Seite gegenüber vom Rathaus dürfen noch Autos stehen. Das Ohr an die Massen zu halten ist keine einfache Sache an diesem Donnerstagmittag auf dem Altmarkt. Die Leute aber, die man trifft, gehen mit der Situation eher entspannt um. Michael Litzke hatte am Altmarkt gerade Erledigungen zu machen. Er hat an diesem Tag frei, erzählt er, und sei deshalb nicht im Zeitdruck. Sein Auto hat er woanders abgestellt. „Ich parke allgemein ganz selten direkt vor der Tür“, sagt er. Wenn möglich, vermeide er das und suche sich lieber woanders einen Parkplatz. Ob er sich trotzdem gewundert hat, dass die Buden bereits zehn Tage vor Weihnachtsmarkt aufgebaut wurden? Michael Litzke zuckt die Achseln. „Die Stadt wird ihre Gründe haben“, sagt er.

Den gleichen Satz sagt auch eine junge Frau mit dunkelblondem Zopf, die auf einem der noch offenen Stellplätze geparkt hat. Ein bisschen gewundert aber habe sie sich tatsächlich über den zeitigen Aufbau. Dass dadurch einige Parkplätze am Altmarkt wegfallen, stört aber kaum. „Ein paar Schritte kann man gehen“, ist auch ihre Meinung. Die junge Frau hat gerade ohnehin eine ganz andere Frage. Nämlich, wie sie vom Altmarkt wieder wegkommt. Sie will Richtung Äußere Bautzener Straße. Der direkte Weg vom Altmarkt dorthin – über den Neumarkt – ist derzeit aber gesperrt. Dort wird gerade der zweite neue Kreisverkehr für Löbaus Zentrum gebaut.

Der verhältnismäßig zeitige Aufbau der Buden für den Weihnachtsmarkt sei schon seit einigen Jahren üblich in Löbau, erklärt Marcus Scholz, Pressereferent der Stadt. „Wir machen das jedes Jahr so, weil noch Vorarbeiten geleistet werden müssen.“ Leitungen müssen verlegt, die Buden ans Stromnetz angeschlossen werden. Die Häuschen selbst, die das Jahr über im Güterbahnhof gelagert waren, werden kontrolliert. Ist alles noch intakt oder stehen Reparaturen an? „Das wollen wir nicht auf den letzten Drücker machen.“ Um also unnötigen Stress zu vermeiden, beginnt die Stadt lieber zeitig mit dem Aufbau. Für den Wochenmarkt, der dienstags und donnerstags auf dem Altmarkt stattfindet, gibt es auch eine Lösung. Die Händler sind in diesen Wochen am Nikolaiplatz zu finden.

Allerdings, glücklich sind sie mit dieser Lösung nicht. „Ich habe heute ganz schlechte Laune“, sagt einer der Händler am Nikolaiplatz. Er mag nicht reden. Die anderen erklären, warum: Viele Kunden wüssten nicht Bescheid über die Regelung, dass die Wochenhändler am Nikolaiplatz zu finden sind, wenn auf dem Altmarkt die Weihnachtsbuden stehen. An diesem Donnerstag hätten deshalb deutlich weniger Leute den Weg zu ihnen gefunden. Und zwar so wenige, dass ein paar Verkäufer sogar schon früher wieder abgefahren seien. Mehrere der Händler wollen ihre Namen nicht nennen – so sauer sie auch gerade sind. An dem Wochenmarkt hänge nämlich ein großes Stück ihrer Existenz. Mehrere schildern das Problem aber so: Die Kunden würden wie gewohnt zum Altmarkt gehen, feststellen, dass dort nichts los ist – und eben unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Einer der Händler lächelt resigniert: „Sie sehen es ja, es ist heute sehr übersichtlich“, sagt er. „Man findet uns hier nicht.“

Die Verkäufer wünschen sich, die hätten weiter am Altmarkt bleiben können. Denn, so argumentieren sie, am Donnerstag seien allgemein weniger Händler angemeldet. Für sie, auch das ist Mehrheitsmeinung, wäre auf dem Altmarkt noch Platz gewesen, also neben den Weihnachtsmarktbuden. Damit hätten die Stammkunden sie gefunden, auch Laufkundschaft wäre wie immer dabei gewesen. Auch die vermissen die Händler an ihrem Übergangsstandort, dem Nikolaiplatz.

Der wiederum hätte dann nicht gesperrt werden müssen für den Wochenmarkt. Denn dort, wo an diesem Donnerstag die Händler stehen, parken sonst zahlreiche Autos. Diese Stellplätze fallen zu den Markttagen jetzt weg. Zu den schwierigen Bedingungen für den Wochenmarkt konnte die SZ bei der Stadtverwaltung gestern Abend telefonisch keinen Ansprechpartner mehr erreichen.