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Weiden wird das Haupt gestutzt

Sie wachsen an Teichen und Bächen und verwildern immer mehr: Kopfweiden. Nun bringen Experten die Bäume in Freital in Form.

16.02.2018
Von Annett Heyse

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Uwe Matuschka transportiert das Holz ab, welches von den Kopfweiden am Hammerteich abgeschnitten wurde. Je älter die Bäume sind, desto wertvoller werden sie als Lebensraum für Vögel, Insekten und kleine Säugetiere.

© Andreas Weihs

Freital. Die Kettensäge knattert los, geht in ein hohes Kreischen über, dann knackt es. „Achtung“, ruft Uwe Matuschka, und ganz langsam neigt sich ein locker zehn Meter langer Ast zu Boden. Mit einem Krachen schlägt er auf, altes Laub und Staub aufwirbelnd. Zehn Meter – eine Weide braucht dafür nur wenige Jahre. Sie ist ein sehr vitales Gewächs und legt pro Saison etliches an Biomasse zu. Doch wenn sie eine Kopfweide ist, ist so eine Astlänge einfach zu viel. „Die Äste müssen runter, sonst brechen die Bäume unter ihrer eigenen Last zusammen“, erklärt Kerstin Heyne, Projektkoordinatorin beim Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Die Experten haben in diesem Winter 201 Kopfweiden in Freital der Säge überantwortet. Es geht darum, die Bäume so zu stutzen, dass ihre typische Kugelform wieder sichtbar wird. Die Männer und Frauen der Landschaftspflege Thiel aus Freital übernehmen die Arbeit, so zum Beispiel am Hammerteich in Wurgwitz. Dort stehen einige besonders vernachlässigte Exemplare. Vor langer Zeit wurden sie in Bodennähe geköpft – und dann sich selbst überlassen. Inzwischen sind die Kopfweiden kaum noch zu erkennen, so hoch sind sie geschossen.

Viele Exemplare vernachlässigt

Kopfweiden sind keine eigene Art. Sie entstehen aufgrund ihrer Nutzung. Gepflanzt werden Korb-, Sal- oder auch Silberweiden, die noch in jungen Jahren geschneitelt werden, wie Experten das nennen. Die austreibenden Äste werden nach wenigen Jahren wiederum abgeschnitten. Früher verwendete man die Ruten zum Flechten von Körben und Sitzmöbeln, baute Weidenzäune oder nutzte die Äste beim Hausbau. „Spätestens aller sieben Jahre müssen die Kopfweiden geschnitten werden. Besser ist es, sie alle drei bis fünf Jahre zu kürzen“, sagt Kerstin Heyne.

In Freital wurden ganz viele Kopfweiden, von denen etliche auf Privatgrundstücken stehen, arg vernachlässigt. So verwilderten beispielsweise die Bäume entlang der Wiederitz zwischen Freital und Kesselsdorf. Heyne: „Die sahen ganz schlimm aus.“ Allein hier brauchten die Mitarbeiter der Landschaftspflege Thiel etliche Tage, um sich durchzuarbeiten. Auch die Kopfweiden am Kaitzbach unterhalb von Kleinnaundorf brauchen dringend einen Schnitt, sie sind als Nächstes dran. Am Hammerbach und Hammerteich wurden die Arbeiten vergangene Woche erledigt. Finanziert wird das Projekt mithilfe von Fördermitteln.

Es geht den Landschaftspflegern nicht nur um die putzige Kugelform der Bäume. Sie haben auch einen unschätzbaren ökologischen Wert. Denn in Kopfweiden bilden sich im Laufe der Jahre Risse, Nischen und Hohlräume. So entstehen ideale Brutmöglichkeiten für Singvögel, aber auch Schlafplätze für Marder, Siebenschläfer oder Fledermäuse. Die Blüten, die sogenannten Weidenkätzchen, sind im Frühjahr eine erste Nahrungsquelle für Bienen. In den Stämmen wohnen auch allerhand Insekten, so zum Beispiel der Juchtenkäfer, auch Eremit genannt. Er gilt als stark gefährdet. Einige Freitaler Kopfweiden dienen ihm als Zuhause, wie Kerstin Heyne verrät: „In den Bäumen am Ternickel kommt er noch sehr häufig vor.“

Wer seine Kopfweiden pflegen lassen möchte, kann dafür Fördermittel beantragen. Infos beim Landschaftspflegeverband: www.lpv-osterzgebirge.de