sz-online.de | Sachsen im Netz

Wasser für Guinea

Zwei Dresdner Wissenschaftler helfen mit, dass in Westafrika ein Schulprojekt für Frauen wachsen kann.

21.08.2017
Von Jana Mundus

r Guinea
Mehrmals am Tag gehen vor allem Kinder an den Brunnen, um Wasser für ihre Familien zu holen. Die neue Berufsschule soll eine Trinkwasserleitung bekommen. Luxus in Guinea.

© Daniel Zenziper

Der Griff zum Wasserhahn ist bedeutungslos geworden. Wie selbstverständlich gehen wir davon aus, dass das Wasser danach läuft. Waschen, Kochen, Blumen gießen – in Deutschland kein Problem. Dass es auch anders geht, daran wurde Javier Farias vor gut einem Jahr beim Einkaufsbummel erinnert. Das Dresdner Einkaufszentrum Simmel unterstützt mit der Aktion „AfrikaSpende für Guinea“ den Bau einer medizinischen Berufsschule für Mädchen in Westafrika. Initiator ist der gebürtige Guineer Amadou Yombo Diallo, der seit 1991 in Sachsen lebt. Javier Farias wollte helfen und konnte das als Wissenschaftler tun.

„Ich rief Amadou einfach an und fragte, was ich machen kann“, erinnert sich Javier Farias an das Telefongespräch im Sommer 2016. Ursprünglich kommt er aus Kolumbien, arbeitet jetzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wasserversorgung der TU Dresden. Seine Doktorarbeit hat er gerade fertig geschrieben. Genau das richtige Fachgebiet, um beim Bau der Berufsschule am Rand der Stadt Télimélé zu helfen. Denn die spätere Trinkwasserversorgung war noch ungeklärt.

Leitung als Luxus

„Sanitäranlagen und Trinkwasser aus der Leitung sind in der Region eine absolute Ausnahme“, erzählt Farias weiter. Davon konnte er sich auch selbst überzeugen. Er begleitete Amadou und eine Gruppe Freiwilliger im vergangenen Februar zu einem Hilfseinsatz nach Guinea. Das war dringend notwendig, denn Informationen zur Wasserversorgung in der Region gab es nur spärlich.

Während die anderen beim Bau der Häuser halfen, schaute er sich den nahen Brunnen genauer an. Der war erst vor zwei Jahren gebohrt worden. „Vor allem die Kinder gehen zweimal pro Tag dorthin und holen Wasser für ihre Familien“, beschreibt er, was er dort gesehen hat. Javier Farias entnahm Wasserproben und testete die dortige mechanische Pumpe. Mit den Proben kehrte er zurück nach Dresden.

Der Student Falco Richter unterstützte ihn bei der Analyse des Trinkwassers und schrieb in den vergangenen Monaten seine Bachelorarbeit über das Projekt. Gemeinsam konzipierten sie eine Anlage für die Trinkwasserversorgung. „Wir haben erst einmal festgestellt, dass das Wasser ausreichend dafür ist und sogar eine sehr gute Qualität hat“, erklärt Farias. Die entworfene kleine Anlage umfasst ein Aktivkohlefiltersystem zum Aufbereiten des Wassers, eine Motorpumpe, einen Druckbehälter und die notwendige Regeltechnik. „Vor allem muss die Anlage einfach zu warten sein, damit sich die Menschen vor Ort selbst helfen können.“ Wenn die Schule eine eigene Trinkwasserleitung bekommt, wäre das für dortige Verhältnisse Luxus, sagt er.

Zwischen 7 000 und 10 000 Euro soll die Anlage kosten. Gebaut werden müsste sie hier in Deutschland. „Wir waren uns unsicher, was der Transport nach Guinea danach kosten wird, deshalb die große Preisspanne“, erläutert der Wissenschaftler. Nun muss allerdings erst einmal das notwendige Geld da sein, damit das Vorhaben realisiert werden kann. Finanziert wird der Bau der Schule ausschließlich über Spenden. Javier Farias hofft, dass das klappt. Denn das Schulprojekt sei für die Region immens wichtig. „Der Zugang für Frauen zur Bildung ist in Guinea schwierig.“ Dass die Schülerinnen der Schule irgendwann nur noch den Wasserhahn aufdrehen müssen, um frisches und sauberes Wasser zu haben, das wünscht er ihnen sehr.

www.projekt-misside.de