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Samstag, 02.02.2013

Was studierst du denn da?

Tibetologie, Thaiistik, Mineralogie sind Exoten an Unis. Absolventen haben trotzdem gute Chancen, wenn die Fächerkombination stimmt.

Von Verena Wolff

Am Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg bestimmt eine Mitarbeiterin mit dem Thermionenmassenspektrometer das Alter von Gesteinsproben. Foto: dpa
Am Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg bestimmt eine Mitarbeiterin mit dem Thermionenmassenspektrometer das Alter von Gesteinsproben. Foto: dpa

Man nennt sie Orchideenfächer, und sie führen ein Nischendasein. Es gibt sie nur an wenigen Universitäten, sie haben wenige Professuren, Mitarbeiter und Studenten. Sie heißen Byzantinistik, Jiddistik, Tibetologie oder Papyrologie. Viele von ihnen sind in den Geisteswissenschaften angesiedelt – doch nicht nur. Auch Astrophysik, Mineralogie oder Kristallografie gehören dazu. Besondere Exoten sind Fächer wie Thaiistik, die an nur einer Universität gelehrt werden.

Eine absolute Seltenheit ist auch die Mediävistik, mit der Gesa Füßle sich in ihrem Studium beschäftigt hat. „Ich habe Skandinavistik, Germanistik und Anglistik studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Mittelalter“, sagt die 36-Jährige, die in Hamburg lebt. „Einfach nur, weil ich es interessant fand.“ Nach Praktika und einem Job als Redakteurin für Fremdsprachen bekam sie dann einen Auftrag für Dänisch – und machte sich selbstständig. „Davon lebe ich jetzt prima“, sagt Füßle. Dank der Skandinavistik sei die Auftragslage bestens.

Als Spezialist hat man gute Chancen, an Schnittstellen zu arbeiten. Ein Orientalist könne zum Beispiel Manager in interkultureller Kommunikation schulen, die nach Nordafrika entsandt werden, sagt Sörge Drosten, Partner bei der Unternehmensberatung Kienbaum. Daneben komme es gerade beim Studium eines Orchideenfachs auf die richtige Fächerwahl an, sagt Lothar Hoss, Vorsitzender des Bundesverbandes Selbstständiger Personalleiter. Er hält die Kombination mit einer „harten Disziplin“ wie Rechtswissenschaft für sinnvoll: „Man bringt viele Kompetenzen mit, die kombiniert mit Fächern wie Jura, BWL oder verschiedenen Ingenieurdisziplinen ein gigantisches Feld von Aktivitäten eröffnen.“ Außerdem rät er, Praktika zu machen. Auf diese Weise könnten sich die Exoten schon früh auf dem Arbeitsmarkt orientieren. Ein entscheidender Vorteil der Absolventen sei, dass sie nicht nur über Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen verfügen. Einige hätten auch ein Netzwerk in den entsprechenden Ländern. Das sei für Unternehmen sehr wichtig. Allerdings müssten die Absolventen ihr Wissen gut präsentieren und verkaufen können – und natürlich am Computer fit sein. Seit der Umstellung von Bachelor auf Master vermitteln Orchideenfächer auch stärker als früher berufsfeldbezogene Qualifikationen – etwa durch Praxismodule, Praktika und sogenannte Lehreinheiten für überfachliche Kompetenzen. Darin werden zum Beispiel Präsentations- oder Moderationstechniken gelehrt.

Einen deutlichen Vorteil haben viele Exoten gegenüber Juristen und BWLern, so Hoss. Absolventen mit einer etwas anderen Denkhaltung könnten sich oft leichter auf neue Situationen einlassen und über ihren Tellerrand schauen. Durch das Studium sind sie es auch gewohnt, querzudenken und ihre Blickrichtung erklären zu müssen. So lernen sie an der Hochschule Soft Skills quasi nebenbei. Das ist später nicht nur nützlich für die Teamarbeit, sondern auch ein Vorteil bei Jobs im Ausland. (dpa)