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Samstag, 02.09.2017

Was soll der Populismus-Vorwurf?

Warum werden die Begriffe Populismus und populistisch durch sehr viele Politiker und Medienvertreter verwendet? Um Menschen zu diffamieren und auszugrenzen? Ich bin der Meinung, ein Politiker, welcher nicht populistisch ist, hat keine Chance. Bemerkenswert finde ich, dass das Wort „Linkspopulist“ nicht vorkommt. MfG Manfred Sonntag

Sehr geehrter Herr Sonntag,

der Begriff „Populismus“ wird in den Medien tatsächlich öfter verwendet, weil populistische Ansichten in den vergangenen Jahren in Deutschland zugenommen haben. Damit sind jene gemeint, die zunächst einen Gegensatz zwischen Eliten und der Bevölkerungsmehrheit feststellen/konstruieren, dann die Gunst dieser Mehrheit mit opportunistischen Mitteln gewinnen wollen und dazu einfache Lösungen für komplizierte Probleme anbieten. Kurz gesagt, denn über die Populismus-Definition sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Und, ja, populistische Züge sind der Politik insgesamt nicht fremd, gerade jetzt im Wahlkampf.

Aber Populismus als Prinzip ist in der jüngsten Vergangenheit vor allem auf der rechten Seite des politischen Spektrums zu beobachten, Pegida und AfD bieten dafür Beispiele. Denken wir nur an den AfD-Vorschlag, gegen Flüchtlinge an der Grenze Schusswaffen einzusetzen. Der ist, wie es populistischen Vorschlägen gemein ist, später rasch wieder kassiert worden. Solche Erscheinungen gibt es aber auch im linken Spektrum. Denken Sie an Oskar Lafontaine. Auch seine Gattin verwendet immer mal wieder Argumentationsmuster, die als „linkspopulistisch“ bezeichnet werden. Übrigens sind auch Medien solche Tendenzen nicht fremd, Boulevardblättern insbesonders.

Ist es nun korrekt, wenn Zeitungen diesen Begriff wertend verwenden? Oder ist es Diffamierung?

Wenn in Meinungsbeiträgen wie Kommentaren Journalisten wohlbegründet zur Auffassung gelangen, dass eine Aussage/ein Politiker/eine Partei populistisch ist, dann ist das selbstverständlich zulässig. Das trifft auch auf Analysen aller Art zu, die zu einem solchen Ergebnis kommen. In Nachrichten und Berichten gilt es abzuwägen, ob das wertende „populistisch“ angebracht ist. Es ist dann sinnvoll, wenn eine Zeitung eine Person oder Bewegung so benennt, weil sie davon ausgeht, dass sie der Leserschaft nicht ausreichend bekannt ist. Dann dient diese Bewertung der Einordnung, so wie „links“ und „rechts“ schon immer eine einordnende Funktion hatte. Sind sie dagegen hinreichend bekannt, ist eine solche Bewertung in Nachrichtentexten überflüssig, sie kann von Lesern sogar als Diffamierung empfunden werden.

Ihr Olaf Kittel

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