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Samstag, 01.04.2017

Was sind Fake News?

Immer wieder lese ich in der letzten Zeit in der Presse den Begriff „Fake News“. Aber was ist das eigentlich? Und wer ist der Nutznießer? Etwa Donald Trump? Warum sind die Fake News so gefährlich? Mit freundlichen Grüßen, Andy Haase

Sehr geehrter Herr Haase,

die Fake News sind ein neuer Begriff für eine alte Methode: das Verbreiten gefälschter Nachrichten. Die Geschichte kennt viele Beispiele. Gut dokumentiert ist der Fall der 13-jährigen Russlanddeutschen Lisa F. aus Berlin. Sie verschwand vor einem Jahr über Nacht und erzählte am nächsten Morgen, sie sei von Südländern vergewaltigt worden. Ziemlich schnell rückte sie davon ab und gestand, die Nacht bei ihrem Freund verbracht zu haben. Inzwischen hatte sich die Nachricht im Netz aber längst verbreitet und die russische Regierung nahm sich der Sache an. Obwohl rasch klar war, wie es wirklich war, versuchte Moskau das Thema politisch auszuschlachten und machte der Bundesregierung schwere Vorwürfe, sie kläre die Sache nicht ordentlich auf. Daran beteiligte sich sogar der russische Außenminister. Tagelang ging das so, und noch immer geistern krude „Nachrichten“ durchs Netz. Klassische Fake News, im Netz schwer zu stoppen. Zeitungen haben es da leichter: Es bleiben immer einige Stunden für die Recherche, bevor Nachrichten veröffentlicht werden.

Deshalb ist es schlimm, dass US-Präsident Donald Trump den Begriff „Fake News“ inzwischen als Waffe gegen seriöse Medien entdeckt hat, vor allem die großen Zeitungen. Alles, was ihm nicht in den Kram passt, erklärt er zu Fake News und schleudert dies in aller Öffentlichkeit den Medien entgegen. Ausgerechnet er, der offenbar selbst Fake News produziert, wie seine Behauptung, Obama habe ihn im Wahlkampf abhören lassen.

Es ist gut möglich, dass künftig noch deutlich mehr Fake News in die Öffentlichkeit geschleust werden – sei es von radikalen Organisationen oder von Geheimdiensten. Die Verantwortung der Medien ist es, sich darauf einzustellen. In den USA haben wichtige Redaktionen bereits ihre Rechercheteams verstärkt. Um Trumps Twitter-Botschaften zu prüfen und Licht in die Hinterzimmer des Weißen Hauses zu bringen. Das ist genau der richtige Weg: ernsthafte Recherche gegen erfundene Geschichten. Auch wenn die ernsthafte Recherche nicht jede Schlacht gewinnen wird.

Ihr Olaf Kittel

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