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Was die neue Drehleiter alles kann

Das Fahrzeug wurde jetzt offiziell in Dienst gestellt. Doch schon zuvor hat es sich in Bischofswerda bei Einsätzen bewährt.

06.10.2017

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eue Drehleiter alles kann
Einen tierischen Einsatz gab es Anfang August: Eine Katze wollte vom Dach eines Wohnhauses an der Lessingstraße in Bischofswerda nicht mehr herunter. Alles Zureden half nichts. Die Feuerwehr half mit der neuen Drehleiter. Mit dem Lieblingsspielzeug der Katze gelang es den Feuerwehrleuten, das Tier zu überlisten, es einzufangen und der glücklichen Besitzerin zurück zu geben.

© Rocci Klein

Bischofswerda. Großer Bahnhof am Bischofswerdaer Feuerwehrgerätehaus: Die neue Drehleiter wurde dieser Tage offiziell in Dienst gestellt. Wo sie auftaucht, fällt sie auf. Auch beim Festumzug „790 Jahre Bischofswerda“ am 9. September war das Fahrzeug im Tross der Feuerwehrleute dabei. Vor dem Rathaus gab es für die Besucher des Umzuges eine Extra-Vorführung: Die Leiter wurde 30 Meter in den Bischofswerdaer Himmel ausgefahren. Das ist etwa so hoch wie die Aussichtsplattform der Christuskirche, die es auf 29,5 Meter bringt.

Was kann Bischofswerdas Drehleiter noch alles? Das Wichtigste ist die vollautomatische, knickbare Drehleiter. Sie ist besonders für Einsätze in den engen Altstadtgassen geeignet. Denn damit lassen sich Häuser überbrücken; ein Löschangriff wird so auch von der ansonsten nur schwer oder gar nicht zugänglichen Rückseite eines Gebäudes möglich. Wie notwendig gerade solche Technik in Kleinstädten wie Bischofswerda ist, zeigte der Brand eines Wohn- und Geschäftshauses an der Ecke Bautzener Straße/Klostergasse Ende 2015.

Das Fahrzeug ist selbstverständlich auf höchstem technischen Niveau ausgestattet. Die moderne LED-Lampentechnik an der Drehleiter sorgt auch bei schwierigsten Bedingungen oder in stockdunkler Nacht für gute Sicht und damit auch für mehr Sicherheit beim Einsatz. Das Fahrzeug ist darüber hinaus mit Elektronik vollgestopft – vom Farbdisplay im Fahrerhaus über eine elektronische Steuerung im Rettungskorb bis hin zum Monitor, auf dem der Maschinist, der die Leiter bedient, bei einem Einsatz das Geschehen verfolgen kann. Dafür gibt es mehrere Kameras am Rettungskorb. Das Feuerwehrfahrzeug auf einem Fahrgestell der Marke MAN wurde vom Karlsruher Feuerwehrtechnik-Spezialisten Rosenbauer ausgestattet. Es erfüllt die Euro 6-Abgasnorm.

Jahrelang hatten Feuerwehrleute um Gemeinde- und Ortswehrleiter für das neue Auto gekämpft. Mit der Haushaltsplanung für 2017 gab der Stadtrat grünes Licht für die rund 600 000 Euro teure Investition. Etwas mehr als zwei Drittel der Kosten steuerte der Freistaat Sachsen per Fördermittel bei, rund 200 000 Euro musste die Stadt Bischofswerda als Eigenmittel aufbringen. Gut angelegtes Geld für die Sicherheit der Bürger der Stadt – und der Region. Denn auch in allen Umlandgemeinden kommt die Drehleiter aus Bischofswerda bei Bedarf zum Einsatz, auch landkreisüberschreitend, zum Beispiel im benachbarten Neustadt. Beide Kommunen vereinbarten in diesem Sommer eine Kooperation ihrer freiwilligen Feuerwehren bei Einsätzen, Übungen und der Ausbildung. (SZ)