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Dienstag, 21.11.2017

Was die AfD stark macht

Jenaer Forscher haben den Wahlerfolg der Partei untersucht. Das Ergebnis ist überraschend.

Von Thilo Alexe

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Die AfD ist dort besonders stark, wo bei der Bundestagswahl vier Jahre zuvor die NPD vergleichsweise hohe Zweitstimmenanteile erreichte.
Die AfD ist dort besonders stark, wo bei der Bundestagswahl vier Jahre zuvor die NPD vergleichsweise hohe Zweitstimmenanteile erreichte.

© Christophe Gateau/dpa

Berlin. Die Zuwanderung von Flüchtlingen erklärt das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl allenfalls bedingt. Das ist eine der Kernthesen einer Studie, die das Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft am Dienstag zusammen mit der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin vorstellte. Die Ursache des Erfolgs liegt in anderen Faktoren begründet.

„Die AfD konnte besonders in sozioökonomisch schlechter gestellten Wahlkreisen erfolgreich mobilisieren“, betont Studienautor Christoph Richter. Das heißt: Je niedriger das Einkommen, desto höher das AfD-Ergebnis. Allerdings, schränkt der Soziologe ein, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass Besserverdienende nicht auch AfD wählen. Für die Erhebung haben die Jenaer Forscher Strukturdaten aus allen 299 Bundestagswahlkreisen zusammengetragen - etwa Durchschnittseinkommen, Wirtschaftskraft, aber auch Durchschnittsalter sowie frühere Wahlergebnisse.

Die lassen aufhorchen. Die AfD ist nämlich 2017 dort besonders stark, wo bei der Bundestagswahl vier Jahre zuvor die NPD vergleichsweise hohe Zweitstimmenanteile erreichte. Und: Je höher der Anteil der Nichtwähler in den Wahlkreisen vor vier Jahren war, desto erfolgreicher schnitt die AfD dort in diesem Jahr ab.

Institutschef Matthias Quent spricht von „Raumeffekten“. Die zeigen sich zwar in allen Bundesländern. Im Osten sind jedoch die für den AfD-Erfolg entscheidenden Faktoren besonders ausgeprägt. Das trifft auch auf Bevölkerungsdaten zu. Je höher der Altersschnitt in den Wahlkreisen, desto besser schnitt die AfD dort ab. Das gilt umgekehrt für die Bevölkerungsdichte. Je weniger Menschen in einer Region leben, desto höher sind im Durchschnitt die AfD-Ergebnisse.

Die Wissenschaftler betonen, dass sie keine Forschung zu individuellen Wahlentscheidungen betrieben hätten. Das heißt unter anderem, dass sie keine Angaben dazu machen können, ob und falls ja wie viele AfD-Wähler tatsächlich rechtsextreme Einstellungen haben. Entscheidend ist für sie etwas anderes. „Es existieren langfristig stabile Raumeffekte, die sich in einer besonderen politischen Kultur der Wahlkreise ausdrücken“, sagt Autor Richter. Anders formuliert: Dort, wo sich größere Teile der Bevölkerung 2013 als Nichtwähler aus dem demokratischen Prozess verabschiedet hatten oder aber die rechtsextreme NPD wählten, dort ist nun das Klima für die AfD gut. Die sogenannte Flüchtlingskrise war nach Erkenntnis der Jenaer Wissenschaftler folglich allenfalls Anlass für den Rechtsruck, nicht aber dessen Ursache.

Politische Stimmungen entstehen demnach nicht über Nacht. Ihre Langfristigkeit lässt sich, folgt man dem Jenaer Ansatz, anhand bestimmter Daten veranschaulichen. Das bedeutet auch, dass Gegenstrategien langfristig sein müssen. Ein Ansatz, der bei der von Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) unterstützten Vorstellung erkennbar wird, lautet: Menschen wieder mehr für Politik begeistern - wie auch immer. „Die AfD hat ihren Nichtwähleranteil noch nicht ganz ausgeschöpft“, sagt Quent. Sollte im Februar erneut gewählt werden, könnte das ein Vorteil für die Partei sein. Oder eben auch nicht: Gelingt es anderen, durch eine gezielte Ansprache bei den bisherigen Nichtwählern zu punkten, könnten die Deutschalternativen verlieren.

››› Die Studie (PDF-Datei)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Glaub' Würdig!

    Mal ganz weg von diesem Beitrag frage ich mich, welches der beiden Lieder das bessere ist "Sei wachsam!" oder "Das Narrenschiff". Fällt mir gerade ohne Zusammenhang auch Brecht ein: "Wer die Wahrheit nicht weiß...". Bei Antonio Amadeu Stiftung muss ich immer an Frau Kahane denken und die Wahrheit... und was man daraus alles machen kann, wenn man die entsprechenden Voraussetzungen hat... Nein, kein Neid, sondern nur verblüfftes Staunen. Niemand ist ohne Fehler, aber man solle auch den Punkt kennen, wo man die Bühne gar nicht erst betritt in sich geht und sich über das schöne Wetter freut und an DAS WESENTLICHE denkt... wenn es frostig ist und kälter wird, dann die Erikas vom Balkon holt und in den warmen Keller bringt.... DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN

  2. Linksgrün Versiffter

    Die Studie bestätigt, was auch viele andere Wahlforschungsinstitute zu Tage gefördert haben. Die einstige Professorenpartei ist zur Proletenpartei verkommen. Und die Studie sagt auch, dass die Strategien die die Menschen aus dieser „weltanschaulichen Kloake“ wieder befreien, langfristig angelegt sein müssen. Deshalb hilft auch reden, diskutieren und ernst nehmen überhaupt nichts. Das ändert an den tiefer sitzenden Einstellungen und Verfestigungen gar nichts. Die in den letzten 25 Jahren versäumten politischen Kultur- und Bildungsprozesse müssen langfristig nachgeholt werden. Und eins dürfte auch klar sein. Jeden wird man dadurch nicht mehr erreichen. Aber das ist keine Ausrede, um nicht schnell zu starten.

  3. Schwuppdiwupp

    @2 Linksgrüne Versifter......Und die Grünen, die mal als Weltverbesserungspartei begann, ist zu einer Partei verkommen die alle Faulpelze, Arbeitsverweigerer, Drogenabhängige, Lernunwillige und Spinner vereint. Gelle ? Kann aber auch eine etwas verunglückte Satire gewesen sein.

  4. Tilo Bretschneider

    Man sucht die Manipulation zu verbessern, um die Ausbrecher einzufangen.

  5. Vergleicher

    @2 der Name sagt alles: Na dann los, fangen wir wieder mit Stasi-..., pardon Stabüunterricht an und die Nachrichten des MDR kommen direkt aus der Staatskanzlei oder ausgewählter Pateizentralen. Ansonsten kann man alles mit allem vergleichen. In der Stadt Heilbronn mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Republik hat die AfD über 17% eingefahren. Wie erklärt das diese "Studie"?

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