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Dienstag, 09.01.2018

Was bringt Leberfasten?

Marlies Fuchs aus Dresden hat sich vier Wochen mit Gemüse und Eiweißshakes ernährt. Ein Erfahrungsbericht.

Von Marlies Fuchs

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Gemüse ist eine Grundlage des Leberfastens, das Marlies Fuchs aus Dresden ausprobiert hat.
Gemüse ist eine Grundlage des Leberfastens, das Marlies Fuchs aus Dresden ausprobiert hat.

© kairospress

  • Gemüse ist eine Grundlage des Leberfastens, das Marlies Fuchs aus Dresden ausprobiert hat.
    Gemüse ist eine Grundlage des Leberfastens, das Marlies Fuchs aus Dresden ausprobiert hat.
  • Dazu gehört auch ein nicht ganz billiges Eiweißpulver.
    Dazu gehört auch ein nicht ganz billiges Eiweißpulver.

Mein Gewicht stieg seit einiger Zeit kontinuierlich, jeden Monat ein bisschen. Vor allem waren die Leber- und Cholesterinwerte viel zu hoch, was mich müde und schlapp machte. Denn seit Jahrzehnten leide ich an einer nichtalkoholischen Fettleber. 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen haben diese Erkrankung. Als ich das Buch „Leberfasten nach Dr. Worm“ in die Hände bekam, war ich froh, allein über die Ernährung etwas für meine Lebergesundheit bewirken zu können.

Die Grundlage der Leberfastenkur ist eine kalorienreduzierte, kohlenhydratarme, eiweißbetonte und fettmodifizierte Ernährung. Dr. Nicolai Worm ist Ernährungswissenschaftler und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Lebensstil und Zivilisationskrankheiten.

Beim Leberfasten gibt es drei Mahlzeiten am Tag. Die Intensivphase dauert zwei Wochen. Morgens, mittags und abends gibt es einen Shake aus einem speziell dafür hergestellten Eiweißpulver. Es kostet rund 45 Euro und reicht für 15 Shakes. Mittags und abends kommt eine Gemüsemahlzeit hinzu. Erlaubt ist noch ein Teelöffel Öl zum Gemüse. Insgesamt sind am Tag Salate und Gemüse bis 200 kcal erlaubt. Dazu sollte man mindestens zwei Liter trinken, Alkohol und Obst sind nicht erlaubt.

An die Intensivphase schließt sich eine Reduktionsphase von acht bis zehn Wochen und eine Stabilisierungsphase von weiteren drei Wochen an. Ziel ist es, sich an eine dauerhafte Ernährungsumstellung auf Low-Carb-Basis zu gewöhnen.

Mein Diättagebuch

Der erste Tag geht richtig blöd los. Kuhmilch? Mag ich nicht. Also nehme ich 300 Milliliter Sojamilch und mixe mir meinen Shake. Schon der erste Schluck kostet mich Überwindung. Es schmeckt süß, ich liebe es morgens aber herzhaft!

Mittags freue ich mich auf das Gemüse. Ich raspele mir 200 Gramm Zucchinispaghetti, blanchiere sie und koche mir dazu eine gut gewürzte Tomatensoße. Da alles wenig Kalorien hat, kann ich reichlich davon essen, und es bleibt trotzdem etwas für den Abend übrig. Dann kommt der Shake. Ich nehme diesmal nur ein bisschen Sojamilch und fülle mit Wasser auf. Siehe da, es schmeckt besser.

Zum späten Nachmittag bekomme ich Hunger. Ich trinke Kaffee – der ist ebenso wie Tee erlaubt – und lenke mich mit der Zubereitung meines Abendessens ab. Ich koche einen kleinen Blumenkohl, den ich anschließend mit dem Kartoffelstampfer zu Mus verarbeite, würze mit Muskat, Salz, Pfeffer und einem Schuss Milch. Dazu brate ich eine Zwiebel, die ich mit der restlichen Tomatensoße vom Mittag vermenge und als Soße zum Blumenkohl gebe. Mit dem Shake bin ich so satt wie mit meinem normalen Abendessen selten.

Am Morgen des zweiten Tages habe ich gar keinen Hunger und trinke deshalb erst um 10 Uhr meinen Shake. Mittags koche mir aus je 100 Gramm Aubergine und Zucchini, einer Zwiebel und etwas Öl ein Gemüsecurry, das ich gut würze und mit Kokosmilch verfeinere. Essen gibt es erst um 14 Uhr. Dadurch bin ich abends gar nicht so hungrig. Ich mache mir einen Salat aus einer Gurke, zwei Tomaten und einer halben Paprikaschote. Das Abwiegen und Kalorienzählen wird allmählich lästig, also schätze ich die Menge; ich habe ja schon genug Erfahrung darin.

Am dritten Tag habe ich eine geniale Idee. Ich mische eine Tasse Kaffee mit etwas Sojamilch und mixe daraus meinen Shake. Lecker! Schmeckt wie ein richtiger Kaffee-Milch-Shake. An die leichte Süße kann ich mich gewöhnen, weil ich merke, dass ich dann zwischendurch keinen Appetit auf Süßes habe. Mein Mittagessen nehme ich mit – eine pürierte Gemüsesuppe. Den Mittagsshake mixe ich auch schon am Morgen und hab ihn fertig dabei. Abends will ich mir nach einem anstrengenden Tag etwas Besonderes gönnen. Ich kaufe Pfifferlinge, 300 Gramm haben nur 33 kcal. Die brate ich mit einem Teelöffel Öl und einer Zwiebel. Dazu mache ich mir Gurkensalat. Gurke ist sehr kalorienarm. Den Shake würze ich mit Kardamom und Kurkuma. Das erinnert an Pfefferkuchen. Da ich den Abend zu Hause verbringe, fällt es mir richtig schwer, nicht zu naschen.

Ab dem vierten Tag bin ich an den Ablauf gewöhnt. Früh gibt’s den Shake mit Joghurt, mittags mit Kaffee und abends mit Sojamilch und Wasser. Bei der Zubereitung der Gemüsegerichte bin ich kreativ. Ich koche alles, was mir auch sonst gut schmeckt, vor allem reichlich Broccoli, den ich dann gegart für weitere Tage im Kühlschrank aufbewahre. Aber auch Blattspinat, eine Zwiebelsuppe, Kohlrabigemüse und immer wieder Gurken und Tomaten. Manchmal gibt es zum Gemüse einen Joghurtdip, oft eine Kokosmilchsoße, manchmal backe ich das Ganze aber auch mit dem erlaubten Teelöffel Öl im Backrohr. Esse ich mal auswärts, bestelle ich mir einen großen Salat. Meine Ernährungsumstellung fällt mir erstaunlicherweise leicht. Die zwei Wochen vergehen schnell, und ich freue mich schon auf Eier, Käse und auch mal ein Glas Wein am Abend.

Der Tag der Wahrheit

Die Gewichts- und Fettkontrolle auf der Impedanzwaage sowie das Messen des Bauchumfangs waren ein Schlag: Ich habe fast nichts abgenommen. Das habe sie so noch nicht erlebt, meinte die Ernährungsberaterin. Da ich immer mal wenig und meist sehr gemüselastig gegessen habe, war mein Körper anscheinend mit der Ernährung und den zusätzlichen Shakes ausreichend versorgt. Wir entschieden uns für eine modifizierte Art. Für weitere vier Wochen werde ich morgens meinen Eiweißshake beibehalten, mittags und abends bleibt es bei Gemüse, aber dazu sind Eier, Käse, Fleisch und Fisch möglich.

Plötzlich klappt es auch mit dem Abnehmen, allerdings genauso allmählich wie das Zunehmen. Offensichtlich musste mein Stoffwechsel erst wieder in Ordnung kommen und spricht mehr auf eine ausgewogene Ernährung an. Nach den vier Wochen habe ich zwar nur knapp drei Kilogramm abgenommen, ein richtig positives Ergebnis gibt es dennoch: Die Leber- und Cholesterinwerte haben sich verbessert, auch der Blutzucker ist in Ordnung. Das überzeugt mich, ich werde diese Art der Ernährung noch ein paar Wochen beibehalten – freiwillig! Und ich genieße sie sogar. Erstaunlicherweise fühle ich mich energievoll und leicht, brauche weniger Schlaf als vorher und bin trotzdem ausgeruht. Im Urlaub gehe ich den Berg, der mir all die Jahre zuvor Mühe bereitet hatte, gern und ohne größere Schwierigkeiten.

Mein Fazit

Durch die Aufmerksamkeit, die ich in der Leberfastenzeit meinen Gewohnheiten schenkte, kam ich vielen kleinen Sünden wie Nüsse oder Keks am Abend auf die Schliche. Mein Eiweißanteil war vorher viel zu gering. Wenn man wie ich schon viele Diäten gemacht hat und sich kohlenhydrat- und zuckerarm ernährt, ist es gar nicht so leicht abzunehmen, erst recht nicht mit über 60. Mir scheint, als gäbe es wirklich einen Punkt, auf den sich das Gewicht einpegelt. Komme ich mal mit viel Mühe darunter, ist das nie von Dauer.

Dass sich meine Blutwerte verbessert haben, finde ich toll, vor allem, weil ich nicht so richtig daran geglaubt hatte. Man braucht jedoch unbedingt einen Arzt oder einen Ernährungsberater, der das kontrolliert. Nicht gefallen hat mir das Kalorienzählen und Abwiegen der Lebensmittel. Das ist nicht alltagstauglich. Man muss sich schon sehr viel Zeit nehmen, um das alles auf die Reihe zu bekommen. Es gibt jedoch ein Handmaterial und auch Bücher, die einem die Berechnungen abnehmen. Kantinenessen aber geht in dieser Zeit gar nicht, Restaurantbesuche sind zumindest in der Intensivphase schwierig. Parallel auch noch für den Partner oder gar eine ganze Familie zu kochen, kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich hatte genug mit meinem Essen zu tun. Das Eiweißpulver allerdings ist teuer, und man kann es nicht frei kaufen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Sportler

    Sojamilch ! Genau ! Das isses !

  2. karolin

    Sehr interessant! Das zeigt, dass unsere Ernährung sehr viel zu unserer Lebensqualität beiträgt.

  3. Frau Fröhlich

    Dass das Eiweisskonzentrat nicht billig ist und auch nicht auf dem freien Markt zu erwerben wurde ja im Artikel erwähnt. Leider finde ich es sehr schade und nicht sehr seriös, dass "vergessen" wurde zu erwähnen, wenn man das Eiweißkonzentrat kaufen möchte, geht das nur über ein Ärztliches Programm, welches wiederum 250 Euro kostet.

  4. Marlies Fuchs

    Es geht tatsächlich auch ohne ärztliches Programm über eine Ernährungsberatung, wo die KK einen großen Teil der Kosten übernimmt

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