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Warum wird immer die Partei genannt?

Mir fällt negativ auf, dass in unseren Medien bei Meinungsäußerungen von Politikern immer die Parteizugehörigkeit genannt wird. Damit wird das Urteilsvermögen der Leser beeinflusst. Es besteht die Gefahr, dass konstruktive Meinungen nicht wahrgenommen werden, weil der Leser sie in die falsche Schublade gesteckt hat. Mit freundlichen Grüßen, Reinhard Bley

06.10.2017

Sehr geehrter Herr Bley,

Schubladendenken will die SZ gewiss nicht fördern. Im Gegenteil: Die Redaktion möchte kritisches und unabhängiges Denken ihrer Leser fördern. Aber – oder gerade deshalb – gibt es tatsächlich in den Medien die ungeschriebene Regel, dass Zitate deutlich gekennzeichnet werden.

Dazu gehört der Name, die Funktion und – natürlich nur bei Politikern – die Parteizugehörigkeit. Diese Angaben halten wir für notwendig, um den Lesern bei der raschen Einordnung der Meinungsäußerung zu helfen.

Nehmen wir ein Beispiel. Wenn Politiker XY verkündet, seine Partei wolle für kostenfreie Kitaplätze sorgen, wird diese Information erst wirklich interessant, wenn auch die Parteizugehörigkeit bekannt ist. Wenn XY der SPD angehört, wird der informierte Leser wissen: Ach ja, hat der Schulz schon im Frühjahr verkündet. Finde ich gut oder finde ich nicht so gut.

Käme das Zitat aber von YZ von der CDU, dann wäre allen an Politik Interessierten sofort klar, dass sich hier eine neue Position der Partei abzeichnet – oder aber der Politiker in Opposition zur Parteilinie tritt. Beides würde das besondere Interesse der Leser verdienen.

Sicherlich hat die Parteinennung auch Grenzen. Welcher Partei etwa Angela Merkel angehört, dürfte hinlänglich bekannt sein. Auch bei langjährigen Bürgermeistern, Landräten oder Ministerpräsidenten ist der Hinweis eher überflüssig. Aber bei allen anderen ist die Kenntnis der Partei durchaus hilfreich.

Sie ist als Hintergrundinformation zu verstehen, die wie andere Hintergrundinformationen etwa zu historischen Entwicklungen, Lesern helfen sollen, aktuelle Ereignisse leichter zu verstehen und besser einordnen zu können.

Insofern ist es ratsam, sehr geehrter Herr Bley, Aussagen von Politikern, die Sie weniger mögen, nicht einfach zu überlesen. Denn auch die könnten Aussagen treffen, die Sie überraschen. Vielleicht hat die Redaktion sie sogar deshalb ausgewählt.

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